Blick auf das Klinikum Niederlausitz in Senftenberg (Brandenburg) (Quelle: dpa)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.08.19 | Holger Kessler | Bild: dpa-Zentralbild

Klinikum Niederlausitz - Teil der Mitarbeiter lehnt Notlagen-Tarifvertrag ab

Die Mitarbeiter des finanziell angeschlagenen Klinikums Niederlausitz lehnen Verhandlungen für einen Notlagen-Tarifvertrag ab. Das wurde am Dienstag bei einer Befragung der Mitglieder der Gewerkschaft Verdi im Haus deutlich.

Der Notlagen-Tarifvertrag ist nach Ansicht der Geschäftsführung nötig, um die Zukunft des Klinikums zu sichern. Dabei müssten die Mitarbeiter auf Sonderzahlungen und Tarifsteigerungen bis 2024 verzichten.

Schriftliche Befragung soll endgültiges Ergebnis bringen

Die Befragung vom Dienstag gibt laut Verdi-Gewerkschaftssekretär Ralf Franke zunächst nur ein erstes Stimmungsbild ab. Die Mitglieder hätten beschlossen, dass eine schriftliche Befragung aller Mitglieder durchgeführt werden soll. Zuvor sprachen sich die anwesenden Mitarbeiter einstimmig gegen die Aufnahme von Notlagen-Tarifverhandlungen aus.

Anwesend waren laut Franke Mitarbeiter aus den nicht-ärztlichen Fachbereichen des Hauses. "Die haben ganz klar gesagt, wir sind für den Leistungseinbruch 2018 nicht verantwortlich", so Franke. Bereits 2007 seien die Mitarbeiter auf einen solchen Nottarif eingegangen. Dabei sei beispielsweise das Weihnachtsgeld um 50 Prozent reduziert worden. Diese Regelungen gelten noch heute.

Die schriftliche Befragung der Mitarbeiter soll bis zum 23. August abgeschlossen sein.

Geschäftsführung hält an Sanierungsplan fest

Die Geschäftsführung will unterdessen bis Oktober ein Sanierungskonzept für das Klinikum Niederlausitz erarbeiten. Dabei sollen sämtliche Klinikabläufe unter die Lupe genommen werden. Ein wichtiges Element sei dabei die Reduzierung der Lohnkosten, so Geschäftsführer Uwe Böttcher. "Aber es kann nicht ausreichen, dass nur an den Personalkosten gespart wird, sondern auch das Leistungsgeschehen im Klinikum muss wieder Fahrt aufnehmen", erklärt Böttcher.

Die Geschäftsführung hält weiter am Plan fest, das Haus aus eigener Kraft zu sanieren. Böttcher wünscht sich dabei aber die Beteiligung aller Mitarbeiter, die Interesse am Erhalt des Klinikums haben. Die Mitarbeiter sollen laut Böttcher nach vorne schauen und darauf achten, die Arbeit nach Arbeitsvertrag zu verrichten.

"Natürlich ist auch ganz wichtig, dass jeder Mitarbeiter Botschafter für sein Krankenhaus sein muss. Wer in der Familie, im Bekanntenkreis unterwegs ist und schlechte Sachen über das Klinikum erzählt ist nicht hilfreich", meint Böttcher. Stattdessen sollten positive Botschaften übermittelt werden.

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das ist mal wieder ein Musterbeispiel, wie die Sanierung eines in Schieflage geratenen kommunalen Unternehmens vonstatten gehen soll: einseitig auf dem Rücken der Beschäftigten! Das Motto lautet: wenn Ihr Euren Arbeitsplatz behalten wollt, schluckt Ihr alle Kröten, die wir Euch aufzwingen. Typischerweise wird auch hier nicht mal einen Moment darüber nachgedacht, das verantwortliche Management zur Rechenschaft zu ziehen. Erfahrungsgemäß wird in dieser Hierarchie auf nichts verzichtet, auch leistungsbezogene Boni werden mit Sicherheit weitergezahlt. Der Eigentümer, vertreten durch einen Aufsichtsrat, fühlt sich natürlich auch für nichts verantwortlich. Eine Wette noch zum Schluss: wenn die Beschäftigten auf Gehalt verzichten sollten, bleibt das bis zum Ende des Klinikums so bestehen, es wird niemals mehr eine Rückkehr in den gültigen Tarifvertrag geben! Mein Tipp an die Belegschaft: Insolvenz ist für die Beschäftigten der bessere Weg: Ihr bleibt, das Management wird ausgetauscht!

  2. 1.

    Es geht immer weiter Berg Ab.
    Politiker und Staats beschäftige verzichten auch nicht ,wenn die Verschuldung wieder steigt.

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