Die Bar "Prima Wetter" in Cottbus (Bild: Daniel Friedrich/rbb)
Video: Brandenburg Aktuell | 22.07.20 | Phillipp Manske | Bild: rbb/Daniel Friedrich

Überbrückungsgeld vom Bund - So bremst die Bürokratie die Coronahilfen aus

Seit rund zwei Wochen gibt es vom Bund ein Corona-Überbrückungsgeld für Unternehmen. Doch die Bedingungen für die Finanzspritze stellt einige Unternehmen vor Probleme. Sie müssen teilweise in Vorkasse gehen - ohne Garantie auf staatliche Unterstützung.

Das Corona-Überbrückungsgeld des Bundes, das seit rund zwei Wochen abrufbar ist, stellt viele Unternehmen vor bürokratische Probleme. Firmen müssen oft in Vorkasse gehen, ohne zu wissen, ob es überhaupt staatliche Unterstützung gibt.

Rund 25 Milliarden Euro stellt der Bund für das Überbrückungsgeld zur Verfügung. Die Unternehmen sollen davon ihre laufenden Kosten decken und müssen die Finanzspritze auch nicht zurückzahlen. Doch die Bedingungen zum Erhalt des Geldes sind hoch. Eine kostenpflichtige Prüfung durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer ist eine Voraussetzung.

Höhere Kosten werden nicht berücksichtigt

Philipp Gärtner betreibt in Cottbus eine Bar. Im Frühjahr wurde sie erweitert, der Außenbereich ist nun deutlich größer. "Wir sind jetzt ungefähr vier mal so groß wie vorher, dementsprechend haben wir viel höhere Fixkosten. Im Mai haben wir wieder aufgemacht, viel Geld investiert, damit wir überhaupt aufmachen können", sagt er.

Dass er nun mehr Miete zahlen und für mehr Mitarbeiter aufkommen muss als im Vorjahr, wird bei dem Überbrückungsgeld nicht berücksichtigt. Zudem müsste seine Bar über 60 Prozent Umsatzeinbußen haben, um überhaupt für die Unterstützung in Frage zu kommen. "Wer einen Lieferservice eingerichtet hat, oder sich was hat einfallen lassen, um irgendwie durch die Krise zu kommen und eben nicht 60 Prozent Einbußen hat, kriegt keine Hilfe", bemängelt Gärtner.

Antrag zwingend vom Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer

Das betrifft offenbar viele Unternehmen, bestätigt der Cottbuser Steuerberater Andreas Koßmann. Er prüft bei seinen Mandanten mittlerweile automatisch, ob sie für Überbrückungshilfen in Frage kommen. Denn der Antrag muss zwingend von einem Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer eingereicht werden. "Das sind vor allem Hoteliers, Gaststättengewerbe, Reisebüros, Schausteller, die dieses Jahr noch gar nicht richtig tätig werden konnten, aber der größte Teil der Mandantschaft, die Kleinunternehmer, würden nichts bekommen. Die haben manchmal nicht mal so viele fixe Kosten, dass sie überhaupt die Grenze erreichen", so Koßmann.

Die Antragsstellung beim bundesweiten Onlineportal für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer läuft ebenfalls noch nicht rund, sagt Jeanette Prinz von der WSC Steuerberatung in Finsterwalde (Elbe-Elster). "Gegenwärtig läuft der Registrierungsprozess noch etwas stotternd, einfach aus dem Grund, dass die Antragsplattform noch nicht einwandfrei funktioniert. Wir haben immer noch Schwierigkeiten und Verzögerungen zu verzeichnen", sagt sie. Auch sie erkennt bei ihren Mandanten eine vorsichtig abwartende Haltung. Sie sieht unter anderem die Kosten für die Prüfung als Grund für die zögerliche Nachfrage.

Auch Philipp Gärtner war bereits bei seinem Steuerberater. Er liegt mit seiner Bar knapp unter 60 Prozent Einkommensverlust. Für die staatliche Unterstützung kommt er so nicht in Frage. Er erwartet daher eine Nachbesserung bei der Finanzhilfe. Sein Steuerberater hat ihm die Prüfung zumindest nicht in Rechnung gestellt.

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4 Kommentare

  1. 4.

    Ja ich finde auch, dass keines der von der Politik versprochenen Finanzprogramme für Kleinunternehmen und Solo-selbstständige eine echte Hilfe ist. Vorkasse und Zeitgebühr pro angefangene halbe Std. an den Steuerberater zu zahlen ohne zu wissen was ich überhaupt erhalten werde. Obendrein ist diese Hilfe zurückzuzahlen...damit werden weitere Insolvenzen folgen und ich werde das Gefühl nicht los das es so gewollt ist...

  2. 3.

    Ich verstehe die Aufregung nicht: Unsere Politiker haben hier ein sehr effizientes Förderprogramm für Steuerberater und Wirtschaftsprüfer aufgelegt - eine Branche übrigens, der es so schlecht geht, dass es extrem schwierig ist, hier als Neukunde überhaupt erstmal einen Termin zu bekommen: die meisten winken wegen Überlastung ab.

    So hält man zugleich die Summe ausgezahlten Geldes gering, derweil man mal wieder die Hauptdisziplin von Politikern durchexerziert: So tun, als würde man etwas tun. Und in welchen Berufsfeldern sind viele Politiker doch gleich von Hause aus tätig? Richtig.

  3. 2.

    Wir haben noch immer von keinem Soforthilfepaket etwas bekommen.
    Wir haben das Gefühl das dieses Schauspiel nur eine Aussenwirkung auf alle nichtbetroffene Bürger haben soll....ala ihr habt doch Soforthilfe bekommen....warum geht es euch nicht besser?

    Auch dieses Überbrücksgeld kann von den allermeisten Betroffenen nicht genutzt werden.


  4. 1.

    Das ist schon das 2. Altmaier und Co Programm ohne Realitätsbezug. Auch dieses Programm dient nur dazu um die Betroffenen zu veralbern und um positiv in der Bevölkerung zu stehen.

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