Erneuerbare Energie - Großgemeinde Schipkau will aus Wind und Sonne Wasserstoff gewinnen

Do 13.01.22 | 16:51 Uhr
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Hochkippe Klettwitz mit bestehendem Windpark und darin e nmtstehendem Solarpark
Video: Brandenburg Aktuell | 13.01.2022 | Aline Lepsch | Studiogast Bernd Hirschl | Bild: rbb

Beim Anteil erneuerbarer Energie im Gesamt-Strommix kann die Südbrandenburger Gemeinde Schipkau durchaus punkten. Ihr Anteil liegt schon jetzt bei 50 Prozent. Und die Pläne gehen weiter. Dort entsteht ein kompletter Wasserstoffkreislauf. Von Aline Lepsch

Auf ehemaligem Tagebaugelände, der sogenannten Hochkippe Klettwitz, Teil der Großgemeinde Schipkau, soll zuküftig Solarstrom entstehen. Hier wird im Moment ein Solarpark gebaut mit einer Leistzung von 300 Megawatt. Schipkau, sagt Bürgermeister Klaus Prietzel, ist eine klassische Bergbaufolgelandschaft.

Klaus Prietzel, Bürgermeister der Gemeinde Schipkau
Bürgermeister Klaus Prietzel | Bild: rbb

Die Windräder gibt es hier schon seit 20 Jahren. Das Besondere, die Einwohner verdienen daran mit. Jeder Einzelne bekommt alle zwei Jahre 80 Euro Windgeld. Im Bau sind jetzt die ersten 100 von 300 Hektar Photovoltaik. Es soll die größte Anlage in Deutschland werden. Die alte Tagebaufläche wird durch den schon bestehenden Windpark und den hinzukommenden Solarpark damit doppelt genutzt, für die Landwirtschaft, so Prietzel, sei das Gelände nicht nutzbar.

Wind und Sonne sollen Wasserstoff liefern

Für den Kommunalpolitiker ist die Ausbeute aus Wind und Sonne aber nicht genug. Aus einem Teil des erzeugten Stroms soll Wasserstoff gewonnen werden, schildert Prietzel seine Vision. Im Ortsteil Klettwitz sei man gerade dabei, mit dem Partnerunternehmen GP Joul ein Umspannwerk zu errichten. Hier soll die Energie eingespeist und vor Ort zu Wasserstoff umgewandelt werden. Neben dieser Anlage soll eine Wasserstoff-Tankstelle direkt an der A13 entstehen, wohl die erste zwischen Berlin und Dresden, sagt Prietzel.

Partner für diese Idee ist das in Schleswig-Holstein ansässige Unternehmen GP Joul. Seit 2009 beschäftigt sich die Firma mit erneuerbarer Energie.

"Wir haben ein Referenzprojekt in Nordfriesland aufgebaut, wo wir auch an Windparks Wasserstoff produzieren, den zu zwei Tankstellen fahren und dort den Wasserstoff in die Mobilität, in den Nahverkehr geben", erklärt André Steinau, vom Betreiber GP Joule. Für eine Investition in Schipkau habe man sich entschieden, weil die Lage ideal sei, alle Akteure mitziehen und es schon jetzt viele Interessenten gebe, begründet Stein das Engagement in der Lausitz.

Andrè Steinau vom Betreiber GP Joule
Andrè Steinau, GP Joule | Bild: rbb

Weltweit größtes Windrad in Planung

Dass das Interesse an Wasserstoff groß ist, bestätigt Jens Krause von der IHK Cottbus. Er ist Sprecher des Wasserstoffnetzwerks Lausitz. "Wir sind aktuell über 100 Mitglieder und fast 60 Projekte, die sich auf den Weg gemacht haben, künftig Wasserstoff zu nutzen", skizziert Krause das Interesse. Als mögliche Abnehmer kämen Logistik- und Busunternehmen, die BASF, aber auch die Stahl-, Glas- und Zementindustrie in Brandenburg in Frage.

Schipkaus Bürgermeister Klaus Prietzel ist sich sicher, dass eines Tages etwas Großes entsteht in seiner Gemeinde. Vielleicht meint er damit das weltweit größte Windrad, etwa so groß wie der Eiffelturm. Denn genau solch ein Super-Windrad ist bereits in Planung, in schon zwei Jahren soll es auf der Hochkippe der Gemeinde Schipkau stehen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.01.2022, 14.40 Uhr

20 Kommentare

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  1. 20.

    Oh, vielen Dank, hatte mal Verwandtschaft in Rauno und kenne die Gegend und die Mentalität . Also, Abstand wurde eingehalten (!) und Westwind im Sommer stört dann nicht - alles gut. In Luckenwalde wurden die Anwohner der neuen Bergsiedlung sehr böse überlistet!! Ohne Zahlungen...

  2. 19.

    Besonders ambitioniert klingt das aber nicht für eine Großstadt.
    Solardachpflicht ab 2023? Woanders gehen die ersten Anlagen aus der 20 Jahre EEG Förderung raus.
    Städte müssen sich halt etwas besonderes einfallen lassen. Die Netzkosten für den Ausbau trägt nämlich die Bevölkerung im ländlichen Raum.
    Verbrauchsnahe Erzeugung war ja eigentlich von Anfang an eines der Ziele und nicht erst ab 2023.
    Wieviel PV ist auf dem Tempelhofer Feld installiert?

  3. 18.

    Waren Sie denn schon mal hier vor Ort? Die Windräder stehen auf der Hochkippe und wurden nach dem Repoweringumbau auch weiter von der Ortschaft weg versetzt. Im Herbst und im Winter kann man sie aufgrund der kahlen Bäume hören, wenn der Wind von Nordwesten kommt, aber da sitzen wir nicht im Garten und so stören sie auch nicht. Außerdem bekommen nicht nur die Bewohner das Stromgeld, sondern die Gemeinde profitiert auch durch Zuschüsse. Damit werden verschiedene Maßnahmen in den Dörfern durchgeführt, für die die Gemeinde sonst hätte selbst Geld aufbringen müssen. Ich denke mal, damit fahren wir als Anwohner allemal besser, als ein Braunkohlekraftwerk vor der Nase zu haben. Der Solarpark entsteht auf einer Fläche, die aufgrund der Bodenqualität ( Hochkippe) sowieso nicht landwirtschaftlich nutzbar ist.
    Machen Sie doch einfach mal einen Ausflug in die Lausitz ( A13, Abfahrt Klettwitz) und machen sich ein Bild vor Ort. Sie finden bestimmt auch nette Anwohner, die Ihnen Auskunft geben.

  4. 17.

    Man kann in dicht besiedelten Städten wie Berlin oder Hamburg aber nun einmal keine Großflächen-Solaranlagen oder gar Windparks bauen. Genauso wie z.B. beim Thema Verkehr braucht es in der Stadt andere Lösungen als auf dem Land.

    Berlin hat sich mit Dingen wie der Solardachpflicht (ab 2023), dem Konzept Schwammstadt inkl. Dachbegrünung, der Förderung von E-Bussen usw. andere Prioritäten gesetzt, die besser zu einem urbanen Raum passen. Auch mit den Berliner Stadtwerken einen landeseigenen Betrieb zu haben, der Mieterstrom vorantreibt, ist in einer "Mieterstadt" praktikabler als den Tiergarten abzuholzen, um einen Solarpark zu errichten ;)

  5. 16.

    Stimmt da war ich wohl grad selbst mit meinem zukünftigen Ich im Gespräch und bin beim Schreiben etwas durcheinander gekommen.
    Mr. Fusion in der Zeitmaschine mit bissel Cola und einer Bananenschale müsste aber bald auf den Markt kommen. Der sollte doch am 21.10.2015 eigentlich schon funktioniert haben.

  6. 15.

    Und lässt vermuten, dass die Abstandsregeln eingehalten wurden. Dann ist man gerne mit Windgeld "erpressbar" - aber wirklich nur dann! Leider geht der Bericht wieder einmal nicht darauf ein. Wir würden die Betroffenenmeinung schon gern hören, wenn es sie gibt...
    P.S. Geschäftsidee: "Windratzertifikate" nach Bayern verkaufen - Wow, was für Aussichten...der ländlichen Bevölkerung.

  7. 14.

    Dort sieht es aus, wie in einer Mondlandschaft.

  8. 13.

    Finde den Fehler! Wasserstoff soll in PKW genutzt werden, aber nicht zur stationären Stromerzeugung. Dabei hat selbst der neue FDP-Verkehrsminister erkannt, dass das ebenso Unsinn ist wie E-Fuels im Straßenverkehr.

  9. 12.

    Gutes Argument, trotzdem kleine Korrektur: 1.21GW konnte der Doc im Film vor 30 Jahren per Atomreaktor erzeugen. Unvorstellbar war diese Leistung für sein früheres Ich im Jahre 1955.

  10. 11.

    Wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint kommt der Strom aus Wasserstoff oder Methan, das man hergestellt hat während die Sonne schien und der Wind wehte.

  11. 10.

    Es mag ja sein, daß die eine oder andere Zahl nicht 100 % stimmig ist. Nur wie der Strom aus Wind- und Sonnenenergie gespeichert werden soll, dieses Problem ist ungelöst. Zwar weiß wohl auch die Völkerrechtlerin, daß da irgendwie Batterien erforderlich sind, und da war ja alles "durchgerechnet" sagte sie. Jetzt kommt der weiße Riese, der Wasserstoff, der das Wunder vollbringen soll. Aber außer kleinen Versuchsanordnungen für die Elektroenergieerzeugung , die meilenweit von der erforderlichen großtechnischen Dimension entfernt sind, gibts da nichts. Für Wasserstoff-PKWs oder Schiffsantriebe oder LKWs mit Wasserstoff und Brennstoffzelle könnte es durchaus in den nächsten Jahren was geben. Aber auch da sind noch etliche Probleme zu lösen, einen 7oo bar Druckbehälter in jedem kleinen PKW unterzubringen ist alleine schon ein physikalisches Problem.

  12. 9.

    Die Zahl haben Sie aber falsch verstanden. Man bräuchte 1.100TWh für Umstellung von 100% der Verbrenner auf synthetische Kraftstoffe. Das hat aber soweit ich es verstehe aus offensichtlichen Gründen niemand vor. Daher fragt man sich wozu das Handelsblatt so eine Studie erstellt hat.
    Einfach weil der E-Motor dem Verbrenner in fast allen Punkten überlegen ist. E-Motor mit Ökostrom in der Batterie ist im laufenden Betrieb quasi klimaneutral.
    Und letzten Endes keine Angst vor großen Zahlen. Bissel Hollywood Science Fiction der Fluxkompensator aus Zurück in die Zukunft braucht 1,21 GW. Vor 30 Jahren im Film für den Doc. eine unvorstellbare Leistung.

  13. 8.

    Bei der Bilanzierung der Verkehrswende aber nicht vergessen, dass in jedem Liter Benzin auch 1,5 kWh Elektroenergie bei der Herstellung stecken, die bei 100% E-Mobilität eben auch nicht mehr erzeugt werden müssen. Bei 6 l/100km macht das also ca 9kWh/100km zusätzlich zum Benzin in der Gesamtbilanz. Ein Großteil des Strombedarfs für E-Autos ist also durch Wegfall/Entlastung der Raffinerien schon gedeckt.

  14. 7.

    Als Nischenlösung ist Wasserstoff interesssant. Aber völlig utopische Vorstellungen, wenn es um den Stromverbrauch eines entwickelten Industrielandes geht. Habeck sagte auch nicht, woher er den Strom nehmen will wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.

    Um allein die gesamte Pkw-Flotte in Deutschland mit klimaneuttsl zu versorgen, so rechnete kürzlich die "Wirtschaftswoche" vor, bräuchte man jährlich rund 1100 Terawattstunden Grünstrom - das ist etwa doppelt so viel Strom, wie Deutschland derzeit insgesamt pro Jahr verbraucht.

    https://www.tagesschau.de/wirtschaft/wasserstoff-technologie-101.html

  15. 6.

    Weil Sie es nicht (mehr) gewohnt sind, dass Medien auch mal positiv berichten, sondern eher nach dem Motto "Nur schlechte Nachrichten sind guten Nachrichten."? Denn diese verkaufen sich besser.

  16. 5.

    Weil Sie meiner Meinung immer noch im Gestern leben.
    Mal den Blick nach vorn richten und die HEUTIGE Realität wahrnehmen hilft. Hab ich auch so gemacht.

  17. 4.

    Wenn Städte wie Berlin ein solches Engagement wie viele kleine Gemeinden an den Tag legen würden, sind die Chancen für eine erfolgreiche Energiewende ziemlich gut.

  18. 3.

    Warum fühle ich mich nur bei solchen Meldungen (nicht nur vom rbb) an die Sendung "Aktuelle Kamera" des Fernsehens der sogenannten "DDR" erinnert?

  19. 2.

    Nachtrag: Strom, Wasserstoff bzw. ganz grundsätzlich Energie; in welcher Form auch immer sie dann letztlich zur Verfügung steht.

  20. 1.

    Schön, dass anscheinend zunehmend mehr Gemeinden erkennen, dass es sich durchaus lohnt, Strom nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere zu produzieren. So könnte das mit der Energiewende doch tatsächlich was werden.

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