Erörterungstermin in Cottbus - Wieviel Wasser darf zukünftig im Tagebau Welzow Süd abgepumpt werden?

Di 24.05.22 | 11:39 Uhr
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Die Förderbrücke F60 und mehrere Bagger stehen im Braunkohletagebau Welzow-Süd der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG). (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Bei einem Erörterungstermin in Cottbus soll geklärt werden, wieviel Wasser zukünftig im Tagebau Welzow Süd entnommen werden darf. Die Frage nach dem Wasser ist heikel - in Jänschwalde hatte sie zuletzt zu einem Stopp des Tagebaus geführt.

In Cottbus findet am Dienstag ein Erörterungstermin zur wasserrechtlichen Erlaubnis für den Tagebau Welzow Süd statt. Beantwortet werden soll die schlichte Frage: Wieviel Grundwasser darf zukünftig im Tagebau abgepumpt werden?

Der Tagebau Welzow Süd soll planmäßig noch bis mindestens 2033 Kohle fördern. Die wasserrechtliche Erlaubnis läuft hingegen bereits zum Jahresende aus. Ende des vergangenen Jahres waren die Pläne der Leag öffentlich ausgelegt worden. Umweltverbände, Anwohner, Behörden und Verbände konnten seitdem Einwände einbringen. Beim Erörterungstermin in der Cottbuser Messehalle sollen nun die verschiedenen Stellungnahmen erläutert und diskutiert werden.

Anschließend erstellt das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR) die wasserrechtliche Erlaubnis. Dazu kann die Leag erneut eine Stellungnahme abgeben, bevor es die endgültige Veröffentlichung gibt.

Leag will 54 Millionen Kubikmeter jährlich entnehmen

Das Abpumpen von Grundwasser in Tagebauen ist nötig, um zu verhindern, dass die Grube mit Wasser vollläuft. Strittig ist allerdings häufig die Menge des abgepumpten Grundwassers. Die Leag will in diesem Fall rund 54 Millionen Kubikmeter jährlich abpumpen.

Neben Stellungnahmen von Landesbehörden, Tagebau-Anrainern, Natur- und Umweltschutzorganisationen werden am Dienstag auch 26 weitere Einwände diskutiert. Von Umweltverbänden kam bereits vor dem Termin Kritik: So sei beispielsweise noch nicht klar, welche Folgen für die Umwelt das weitere Heben von Grundwasser hat.

Dass weiter Wasser abgepumpt werden muss, ist hingegen unstrittig, gibt auch Rene Schuster von der Grünen Liga zu. Man dürfe sich aber nicht darauf verlassen, was die Leag in ihren Antrag schreibt, so Schuster. "Es gäbe das Motiv und die Möglichkeit zu mogeln, deswegen müssen die Behörden da genau hinschauen", so Schuster.

Der BUND Brandenburg hat ebenfalls Widerspruch eingelegt, erklärte Landesgeschäftsführer Axel Kruschat. Der Antrag der Leag zeige nicht eindeutig, warum pro Jahr eine solche Wassermenge gehoben werden muss. Das Wasser, dass dann wieder in die Spree gegeben wird, beinhalte außerdem zu viel Sulfat. Es sei im Leag-Antrag nicht geregelt, wie der Konzern die Sulfatmenge im Wasser reduzieren kann.

Kein zweites Jänschwalde

Insbesondere die Umweltverbände hatten zuvor angekündigt, die Leag-Pläne besonders gründlich prüfen zu wollen. Der Streit darüber, wieviel Wasser in einem Tagebau abgepumpt werden darf, hatte vor Kurzem zum vorübergehenden Stopp des Tagebaus Jänschwalde (Spree-Neiße) geführt. Das Cottbuser Verwaltungsgericht hatte nach einem Eilantrag von Umweltverbänden entschieden, dass der Tagebau-Betrieb nicht fortgeführt werden darf, da deutlich mehr Wasser abgepumpt worden war als nötig. Ein Fehler, der auf das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe zurückzuführen ist.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hatte diese Entscheidung allerdings gekippt. Einerseits, weil die Energieversorgung wegen des Ukraine-Krieges gesichert bleiben soll, andererseits, weil solch eine Frage nicht in einem Eilverfahren geklärt werden könne.

Der Prozess im Hauptverfahren hat unterdessen noch nicht begonnen. Die Frage, ob der Tagebau Jänschwalde seinen Betrieb aufgrund der Wasserproblematik einstellen muss, ist deshalb noch nicht abschließend geklärt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 24.05.2022, 15:42 Uhr

14 Kommentare

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  1. 14.

    Es ist immer wieder dasselbe: Die LEAG (oder wer auch immer den Tagebau betreibt) muss soviel Wasser aus der Grube pumpen, wie rein läuft.

    Oder den Tagebau aufgeben. Da gibt es eigentlich keine Wahl.

    So, Nun kann man sich entscheiden: Brauchen wir Strom - oder doch lieber nicht? Wer sich seine private Energieautonomie leisten kann, mag klug reden. Manchen reicht das Einkommen nicht mal für die "normale" Stromrechnung - einige 100 Tausenden wird jährlich der Strom wegen unbezahlter Rechnung abgeschaltet. Herr Grönemayer irrt, wenn er singt: "...Telefon, Gas Elektrik Unbezahlt - das geht auch..."

    Offenbar Kollateralschäden auf dem Weg zum "Großen Ziel"

  2. 13.

    Aber aus ihren Sätzen ist mehr zu erlesen: Wir brauchen noch eine gewisse Zeit um Dinge zu realisieren, die sich zukunftsicher selbst tragen. Ich frage mich sooft ob es sinnvoll war Deutschland mit über 83 000 000 enscchen zu bevölkern und mit dieser Altersstruktur. Kluge Kinder braucht das Land und vor allem in technisch hochwertigen Berufen ausgebildet. Bundeskanzler genügt aber einer. Ist bewiesen.

  3. 12.

    Wir Bürger wissen das alles. Ein Geschäftspartner oder Rohstofflieferant ist dann ein verlässlicher Partner wenn der so bleibt wie wir den kennen. Es ist so unfassbar und nur zu verurteilen, dass der jetzt so gegen die Ukraine Krieg führt. Ohne Krieg war etwas möglich was nun durch den Krieg unvorstellbar geworden ist.

  4. 10.

    Wir sind arm an Rohstoffen. Außerdem arbeiten dort viele Deutsche. So etwas setzt man nicht leichtfertig für eine fragwürdige Energiewende auf Spiel.

  5. 9.

    Eigentlich mag ich die Nordis. Aber es gibt auch so viele andere als Jan Fedder. Emden ist nicht weit weg; was man dort verladen hatte hatte sehr viel Energie gekostet. Nun liegt die Arbeit vieler Menschen auf dem Meeresgrund. So geht Energievernichtung. Von da unten kehrt die zurück zur Nutzung.

  6. 8.

    Könnten Sie sich eventuell vorstellen, dass die Industrie in einem Industrieland auf mehr Energie angewiesen ist als in ihrem kleinen Haushalt ?

  7. 7.

    ... und der Strom mit dem Ihr Auto, Ihre Waschmaschine; Ihr Kühlschrank; Ihr PC; Ihr Smartphone und Ihre Solaranlage produziert wurden, kommt der auch von Ihrer Solaranlage?
    Es ist naiv den Prokopf-Energiebedarf am eigenen Zähler ablesen zu wollen.

  8. 5.

    Ihr Ernst? Dann lassen Sie uns teilhaben an Ihrer Wirtschaftlichkeitsberechnung und scheuen Sie nicht den Mathevergleich Hamburg/Lausitz. Und wenn Sie dann die vorbildlichen Mathekenntnisse der Lausitzer überrascht, dann bleibt die Erkenntnis, dass es sich lohnt, etwas mehr Gedanken zu machen, über komplexe Themen.

    P.S. Vor 30 Jahren hätte man schon am Ende der Elbe auf viel verzichten können, aber nicht auf Braunkohle. Die Geographie von Hamburg erfordert viel Demut, denken Sie dran...

  9. 4.

    Auf Braunkohle hätte man schon beginnend vor 30 Jahren verzichten können.
    Mein Strom kommt von meiner Solaranlage, wenn der nicht reicht aus Richtung Norden.....

  10. 3.

    Das macht man nur, wenn man auf Braunkohle angewiesen war/ist. Wenn man es nicht mehr ist, wird umgestaltet. Schön aber, dass Sie in Hamburg sich dafür interessieren, wie Ihr Bedarf gedeckt wird... und die Kumpel die Energiewende auch für Hamburger schultern...Da ist doch ein Besuch überfällig?

  11. 2.

    Das Titelbild spricht für sich. Was sind die Lausitzer für ein Völkchen das sie derart brachial ihre Umwelt zerstören???

  12. 1.

    Die “Experten” von BUND und Umwelthilfe werden so lange herum klagen bis die Energieversorgung am Boden liegt. Jänschwalde zu stoppen ist in den nächsten Jahren nicht möglich und wenn die Kläger beginnen Gras zu fressen.

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