Fernwärmeversorgung in der Lausitz - Blöcke im Kraftwerk Jänschwalde sollen länger in Bereitschaft gehalten werden

Di 21.06.22 | 17:28 Uhr
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Archivbild: Im Hintergrund ist das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde zu erkennen. Hier soll schon in wenigen Jahren der künftige Cottbuser Ostsee entstehen. Am ehemaligen Tagebau Cottbus-Nord wurde Mitte April 2019 mit der Flutung begonnen. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: rbb24 Inforadio | 21.06.2022 | O-Ton Wirtschaftsminister Steinbach | Bild: dpa/P. Pleul

Der Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) hat Berichte relativiert, nach denen es möglich ist, dass die sich in Reserve befindlichen Kraftwerksblöcke in Jänschwalde (Spree-Neiße) bald wieder zur Stromproduktion genutzt werden könnten. Laut Steinbach bleiben die zwei Blöcke zwar länger in der sogenannten Sicherheitsbereitschaft als geplant - allerdings hauptsächlich um im Notfall Fernwärme zu produzieren.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Grüne) hatte am Wochenende erklärt, zeitnah eine Reihe von Maßnahmen vorzulegen, um bundesweit Erdgas einzusparen. Habeck brachte dabei unter anderem die Reaktivierung von Kohlekraftwerken ins Spiel, damit Erdgas nicht mehr zur Stromproduktion verwendet werden muss.

Leag verhandelt derzeit mit dem Bund

Steinbach erklärte am Montagabend in rbb|24 Brandenburg aktuell aber, dass Brandenburg von diesen Plänen nicht betroffen sei. Es seien Steinkohlekraftwerke, nicht Braunkohlekraftwerke gemeint.

Die zwei betreffenden Blöcke des Kraftwerks in Jänschwalde sollen dennoch länger als ursprünglich geplant in Reserve bleiben. "Sie wären normalerweise jetzt ganz vom Netz genommen und zurückgebaut worden, das wird sich sicherlich zeitlich verzögern", so Steinbach. "Hier will man diese Reserve behalten, mit dem Ziel der Fernwärmeversorgung in der Lausitz", erklärte der Wirtschaftsminister. Derzeit verhandele der Kraftwerks-Betreiber LEAG mit dem Bund über Ausgleichszahlungen, um die Blöcke in Bereitschaft zu halten. Hier sei das Ziel weniger die Stromversorgung sondern mehr die Fernwärmeversorung für den kommenden Winter.

Versorgungslage angespannt

Das Kraftwerk Jänschwalde produziert Fernwärme für die Städte Cottbus und Peitz. Mit dem Ende des Kraftwerks sollte diese Aufgabe von einem neuen Gas-Heizkraftwerk in Cottbus übernommen werden. Wegen der unsicheren Versorgungslage mit Gas aus Russland soll Jänschwalde offenbar eine verlässliche Alternative darstellen.

Momentan koste Erdgas etwa sechs Mal so viel wie vor dem Krieg in der Ukraine, erklärte Steinbach. Die Versorgungslage sei derzeit angespannt, aber nicht kritisch.

Korrektur: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, Wirtschaftsminister Steinbach dementiere Berichte, wonach die Reserve-Blöcke im Kraftwerk Jänschwalde wieder zur Stromproduktion genutzt werden könnten. Wir haben die entsprechende Textstelle präzisiert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 21.06.2022, 8:30 Uhr

10 Kommentare

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  1. 10.

    Ich weiß nicht ob meine Forenbeiträge zu PCK gelesen haben. Dort habe ich immer gesagt, dass es Aufgabe der Landesregierung ist für die kritische Infrastruktur Backuplösung im Bereich Wärmeversorgung zu schaffen. Die Zeit läuft Schwedt davon und was macht Landesregierung? Sie kann nicht als lamentieren, aber Sie rühren keinen Finger!

  2. 9.

    Nun ja, immerhin zeigt das Titelbild welche gigantische Umweltvernichtung einhergeht....

  3. 8.

    Ach, übrigens: ist das nicht peinlich, wenn man über Jänschwalde schreibt und Schwarze Pumpe im Titelbild hat?

  4. 7.

    Herr Steinbach wird doch nicht Herrn Habeck "auflaufenlassen", immer wenn es "Arbeit" macht? Um diesen Verdacht auszuräumen ist es an der Zeit, Konstruktives mit eigenen Leistungen vorzuweisen. Ankündigungen reichen nicht aus..."könnte" auch nicht... und für "bereits" ist es schon zu spät.

  5. 6.

    Natürlich sagt mir Blockkraftwerk etwas, habe schließlich mal in einem IKW gearbeitet. Offensichtlich haben Sie meinen Kommentar auch nicht vollständig gelesen. Es ging lediglich um die theoretische Möglichkeit (und damit die Bestätigung der ministeriellen Aussage), dass man auch ohne Stromerzeugung Fernwärme produzieren kann. Gleichwohl habe ich aber auch gesagt, dass es nicht sinnvoll ist. Wie @John sagt, ist es eigentlich vorgesehen, mit dem Dampf eine Turbine zur Stromerzeugung zu betreiben und den Restdampf für Fernwärme zu nutzen. Insofern übrigens gute Nacht, wenn das PCK vom Netz geht. Ob im Winter die Fernwärmeproduktion der Stadtwerke ausreicht? Ich wage zu zweifeln...

  6. 5.

    Und damit wird Energie verschwendet. Sagt Ihnen der Begriff Blockkraftwerk etwas? Dort wird sowohl Strom als auch Fernwärme erzeugt!

  7. 4.

    "Sinn macht es natürlich mehr, wenn man so wie konzeptioniert beides macht."
    Und nur so ist es verfahrens- und kontruktionstechnisch vorgesehen.

  8. 3.

    Klar könnte man die Fernwärme separat erzeugen. Man braucht doch nur die stromerzeugende Turbine vom Dampferzeuger abkoppeln und den durch Verbrennung erzeugten Wasserdampf ausschließlich für die Wärmezwecke nutzen. Sinn macht es natürlich mehr, wenn man so wie konzeptioniert beides macht.

  9. 2.

    "dass damit Steinkohlekraftwerke, nicht Braunkohlekraftwerke gemeint seien. "
    Herr Steinbach ist entweder unwissend oder verdrängt absichtlich.
    Herr Habeck hat bereits im März Braunkohleblöcke (RWE, LEAG) mit 1,9GW in den Fokus genommen, diese weiter betreiben zu wollen. Berichterstattung lässt sich suchen.
    Mit dem knappen Gas sollte sich die Landesregierung besser schon mal vorbereitend darauf einrichten, die Blöcke ans Netz zu nehmen.
    Noch scheint dafür Zeit zu sein.

  10. 1.

    O.m.G., und der Mann ist Professor! Er sollte sich mal im KW Jä erkundigen. Fernwärme wird bei der Stromproduktion ausgekoppelt, nicht separat erzeugt.

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