Neuer Garten in Potsdam (Quelle: imago images/Thonfeld)
Video: rbb|24 | Material: Abendschau, Archiv | 05.11.2019 | Bild: www.imago-images.de/Thonfeld

Glücksatlas 2019 - Brandenburger bleiben die unglücklichsten Deutschen

Alle Jahre wieder untersuchen Forscher für den "Glücksatlas" das Befinden in deutschen Landen. Bezogen auf die gesamte Republik gebe es einen "Glückssprung", heißt es. Anders sieht die Lage in Brandenburg aus, und in Berlin ist es nicht viel besser.

Die Brandenburger sind die unglücklichsten Deutschen - und beurteilen ihre Situation noch schlechter als vor einem Jahr. Das geht aus dem neuen Glücksatlas hervor, dessen 9. Ausgabe am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Im bundesweiten Schnitt sind die Menschen der Untersuchung zufolge hingegen wieder zufriedener mit ihrem Leben.

Nach zwei Jahren mit leicht sinkenden Werten sei 2019 ein "Glückssprung" auf ein neues Allzeithoch gemessen worden, heißt es mit Blick auf ganz Deutschland. Auf einer Skala zwischen 0 und 10 bewerteten die Befragten ihre Zufriedenheit im Schnitt mit 7,14 Punkten - etwas mehr als im Vorjahr (7,05).

Untersucht wurden 19 Regionen in Deutschland

Generell erreicht auch das Lebensglück der Menschen im Osten Deutschlands mit 7,0 Punkten einen Höchstwert, schreiben die Autoren um den Professor für Finanzwirtschaft Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg. Allerdings markiert Brandenburg mit einem Wert von 6,76 wie im Vorjahr das Schlusslicht der 19 untersuchten Regionen.

Die Brandenburger bewerteten ihre Lage noch um 0,08 Punkte schlechter als 2018. In allen abgefragten Kategorien belegten die Märker den letzten Platz. Am größten ist der Abstand im Bereich Gesundheit (6,0). Hier schneidet die Region 0,6 Punkte schlechter ab als Gesamtdeutschland (6,6). Das deckt sich auch mit den objektiven Wohlstandsindikatoren: Beim Einkommen, bei der Pflegequote und dem Anteil der Senioren verzeichnet die Region sehr schlechte Werte.

Berliner klagen über Arbeitslosigkeit und Mieten

Auch Berlin (6,93 Punkte) steht auf Platz 16 weit hinten in der Liste. Neben der landesweit höchsten Arbeitslosenquote von 8,0 Prozent und einem vergleichsweise niedrigen Einkommen (20.330 Euro) sind besonders viele Berliner gefährdet, in Armut leben zu müssen (17,4 Prozent). Hinzu kommt, dass die Einwohner Berlins inzwischen einen hohen Anteil ihres Einkommens für die Kaltmiete aufbringen (21,2 Prozent).

Schleswig-Holstein seit Jahren Spitzenreiter

Am zufriedensten sind die Menschen dagegen in Schleswig-Holstein (7,44 Punkte). Seit 2013 liegt das nördlichste Bundesland bereits an der Spitze. Platz zwei belegt erstmals Hessen, gefolgt von Hamburg.

Die insgesamt positive Entwicklung in Deutschland sei etwa der niedrigen Arbeitslosenrate, guten Lohnabschlüssen und der soliden Gesundheit der Bevölkerung geschuldet, hieß es. Für den Report wurden Daten einer großen Langzeitstudie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und aktuelle eigene Erhebungen mit insgesamt mehreren Tausend Befragten ausgewertet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.11.2019, 11.00 Uhr

Rang 2019 Rang 2018 
Region
Glücksindex 2019
1 (1) Schleswig-Holstein 7,44
2 (3) Hessen 7,31
3 (2) Hamburg 7,27
4 (4) Franken 7,27
5 (8) Bayern-Süd 7,26
6 (5) Nordrhein/Köln 7,23
7 (6) Baden 7,21
8 (7) Rheinland-Pfalz/Saarland 7,21
9 (11) Württemberg 7,21
10 (10) Niedersachsen / Hannover 7,19
11 (9) Niedersachsen/Nordsee 7,18
12 (12) Nordrhein/Düsseldorf 7,15
13 (13) Westfalen 7,12
14 (14) Thüringen 7,09
15 (17) Sachsen 6,98
16 (16) Berlin 6,93
17
(18) Sachsen-Anhalt 6,92
18 (15) Mecklenburg-Vorpommern 6,87
19 (19) Brandenburg 6,76

Kommentar

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30 Kommentare

  1. 30.

    <Das ist in Schleswig-Holstein ja gaaaaanz anders ....>
    Jo, so is dat. Die Lüü sind einfach entspannter. Nicht soviel meckern, mehr machen - auch helfen. Wenn das Handy mal nicht geht, was selten ist, trifft man sich halt auf'n Klönschnack.

  2. 29.

    Ich gebe Ihnen Recht: Man sollte seine negativen Gefühle nicht ersetzen. Man sollte sich der positiven bewusst werden. Sich an den kleinen Dingen erfreuen und wenn man dann über den Tag immer wieder solche Glücksmomente gesammelt hat, kann man mit einer positiveren Einstellung und inneren Ruhe schlafen gehen.
    Worüber denkt man nach, bevor man ins Bett geht? Über das, was alles schief gelaufen ist, was man noch machen muss, was liegen geblieben ist, was einen geärgert hat? Das muss nicht sein! Ich kann auch an die Glücksmomente des Tages denken - ein toller Spruch den ich gelesen habe, der duftende Tee am Nachmittag, dass ich staufrei nach Hause gekommen bin, dass ich einen Sitzplatz in meiner pünktlichen Bahn hatte oder eine nette Unterhaltung geführt habe. Dabei geht es nicht um Genuss und Konsum, es geht um positive Gedanken. Ist die Welt deshalb besser? Nein. Nehme ich sie positiver wahr - möglicherweise schon und das kann etwas in einem bewirken.

  3. 28.

    Man kann immer einen Grund finden. Ich vermute es liegt am Gefühl der Deklassierung, also etwas Irrationalem. An der schönen Landschaft kann es jedenfalls nicht liegen. Vielleicht muss man aber in Erwägung ziehen, dass sogar für sie wegen der heftigen Hitzesommer nicht mehr garantiert werden kann.

    In Schleswig-Holstein gibt es nicht so krasse Brüche, das stimmt, vor allem keinen Systembruch, aber die Leute da haben eine wichtige Eigenheit, die aufffallenderweise gerade den Brandenburgern vollkommen abgeht: Humor! Und Selbstironie! Kein Platz für ein Dauerlamento. Auch wenn kaum ein Fisch mehr zu fangen ist. Ach ja, das weite Meer tröstet natürlich auch über einiges hinweg.

  4. 27.

    Nicht nur im Glücksmonitor recht weit unten sondern auch im Schul- bzw. Bildungsvergleich, denn anders läßt sich wohl kaum erklären, dass viel zu oft und immer(!) falsch der Komparativ i.V.m. wie benutzt wird. Es heißt: besser als!

  5. 26.

    Vielleicht haben die SH-er nicht die rigorosen Biografiebrüche und verlorene, weil weggezogene Generationen in den letzten 30 Jahren erlebt..aber dies bleibt aber meine katalysierende Vermutung.

  6. 25.

    mir als glücklichen Berliner hat keener jefragt-------

  7. 23.

    finde ich ok, dass es bei Ihnen im Oderbruch offenbar klappt. Ist leider nicht überall so, aber freuen Sie sich daran. Das schaffen nicht alle Bezirke im Land, sowas wie Busse fahren lassen oder die Infrastruktur zu halten...

  8. 22.

    Man sollte aber nicht seine negativen Gefühle, durch positive Gefühle ersetzen. Dies ist Verdrängung. Es gilt sich mit sich und seiner Gefühlswelt auseinanderzusetzen. Sich seiner selbst bewusst werden. Dann ist dem Glückligsein schon viel geholfen. :)
    Außerdem leidet der Mensch, weil das Gehirn sich gerade(!) auf Genuss fokussiert. Durch die Abwesenheit von Genuss entsteht erst das Problem und Leid. Ein Mensch der nach Genuss giert, ist kein zufriedener Mensch. Sondern ein Stressmensch. Es geht darum Bewusstheit zu erlangen, nicht Genuss. (Genuss ist nichts schlechtes(!), man sollte sich nur NICHT darauf fokussieren)

  9. 21.

    Ich habe eine Wohnung, einen guten Job, eine Familie die halbwegs gesund ist, ein Auto was fährt, ich kann in den Urlaub fahren oder fliegen. Aber all das habe ich mir erarbeitet. Das können andere auch.
    Ich frage mich, wer hier befragt worden ist und warum Berlin so schlecht abschneidet. Die arbeitende Bevölkerung doch anscheinend nicht.

  10. 20.

    Der Abstand vom ersten zum letzten Platz ist nun nicht gerade riesig. Das ist nicht mal ein Punkt! Bemerkt das hier überhaupt jemand?

  11. 19.

    Ja, richtig! Und die Bildung , nicht zu vergessen . Abet so reimt es sich ja auch gleich viel besser: " Gehe nie zu Deinem First, wenn Du nicht gerufen wirst".

  12. 18.

    Nur wohne ich nicht im " sogenannten Speckgürtel, sondern im ländlichen Raum. Und ja, nochmal, es gibt schnelles Internet, gute Einkaufsmöglichkeiten, fahrende und pünktliche Busse und viiiiiel Grün, bunte Landschaften und ab und zu sogar Rehe vor der Haustür. Das wichtigste aber sind bei uns viele nette und zufriedene Menschen. Was ich selbst noch nicht wusste ( wir wohnen noch nicht lange im Oderbruch), es gibt zu jeder Jahreszeit fröhliche Feste und viele nette Leute!! Da heult keiner so wie sie....

  13. 17.

    Beschissene Infrastruktur, keine Ärzte, null Industrie, Jugend auf dem Sprung, Handyempfang nur auf dem Dachfürsten, DSL unter 1000kB/s, Bushalt nur nach Anruf...ich kann diese Frustration im 21.Jahrhundert absolut nachvollziehen!

  14. 16.

    Es wird nicht nur auf das Negative geachtet. Es gibt Studien die besagen, dass ein negatives Gefühl schwerer wiegt als ein positives. Etwa im Verhältnis 3:1. Das Gehirn fokussiert sich auf Probleme, nicht auf Genuss. Diese Fokussierung ist wichtig für unser Überleben als Individuum, da wir Gefahren so besser begegnen können. Wenn unsere Gedanken aber nur um diese schlechten Dinge kreisen, dann verengt sich unser Blick und wir haben einen kleineren Entscheidungsspielraum. Wenn wir Stress haben, uns ärgern oder Sorgen machen, ist unsere Wahrnehmung eingeschränkt und nur Routinen werden genutzt. Wird der Stress größer, nimmt der Überblick immer mehr ab. In der Folge wiederholen wir das Problem innerlich immer wieder und es wird in unserer Erinnerung größer, als es in der Realität je war.
    Wie man solche Kreise durchbricht, verrät uns die Wissenschaft der positiven Psychologie.

  15. 15.

    Du wirst es nicht glauben, ich lebe in Brandenburg. Deswegen kenne ich die Missstände so genau. Und ja, im Speckgürtel ist alles wie in Berlin. Leider gibt es Leben außerhalb dessen, und die Leute dort haben nicht mal die Chance, sich zu äußern. Schnelles Internet jenseits der Modemstärke? Handyempfang? Gibts nicht.

    Und seltsamerweise, kurz nach der Grenze nach Sagsen (fahrt mal auf der Bundesstraße von Berlin in die sächsische Schweiz....) sind die Häuser renoviert und bunt gestrichen, die Straßen sauber und beleuchtet, es fahren regelmäßig Busse, man kann auf sozusagen jedem Kaff einkaufen, auch als Omma mit Rollator, man ist plötzlich nicht in einem anderen Bundesland, sondern in einer anderen Welt. Was macht Brandenburg falsch? Vielleicht ist die neue Landesregierung ja trendsetter... mal sehen...

  16. 14.

    Mich hat auch keine gefragt. Aber ich bin im Sternzeichen Schütze geboren, und die sind immer zufrieden - geborene Optimisten. Egal ob sie in Berlin, Brandenburg oder Schleswig Holstein leben.

  17. 13.

    Dem kann ich mich nur anschließen. Und ansonsten, Jeder ist seines Glückes Schied und wer nur meckert, hat wohl selbst auch nicht viel dazu beigetrsgen oder fühlt sich nur meckernd wohl.
    Insgesamt wird ja leider oft auf das Negative geachtet, statt auch mal das Positive zu sehen.
    Was Brandenburg getrifft: Frei wählen, frei reisen und eigenverantwortlich leben zu können.

  18. 12.

    Und Kurden bleiben die unglücklichsten Türken, Tibetaner und Taiwanesen die unglücklichsten Chinesen, Katalonier die unglücklichsten Spanier, Tschetschenen die unglücklichsten Rußen, Inuiten die unglücklichsten Kanadier, u.ä., huh? Woran das wohl liegen mag? Es ist doch wohl sicherlich nicht so gewesen, dass die Einheimischen durch Tricks enteignet wurden damit nichts übrig bleibt außer in Knechtschaft zu dienen, da die Nachfolger der Reiche natürlich voll für eine gleichberechtigte wie Ehegemeinschaft statt dass z.B. in DE wie teutonische Hauptstämme, welche sich jeden Tag den Eigennutzen über alles andere stellen (und dabei so tun, als ob aber der im-Müll-wühlende Rentner voller Neid, selber schuld an seiner Lage, und unverschämt, dass sich nicht vor seinem Tod zumindest bedankt, dafür dass sein ganzes Leben in Deutschland gedient hat, auch wenn sich nicht mal einen Restaurantbesuch gönnen konnte), oder?

  19. 11.

    Früher hat hierzulande die sogenannte Linkspartei die Unzufriedenheit geschürt und davon profitiert. Heutzutage tut das die AfD.

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