Das neue Logo von Galeria Karstadt Kaufhof in einem Schaufenster (Quelle: dpa/Baumgarten)
Audio: Inforadio | 20.12.2019 | Denise Friese | Bild: dpa/Ulrich Baumgarten

Beschäftigungsgarantie - Kaufhof und Karstadt einigen sich mit Verdi auf Tarifvertrag

Das Management der Kaufhäuser Karstadt und Kaufhof hat sich mit der Gewerkschaft Verdi auf einen neuen gemeinsamen Tarifvertrag geeinigt. Für die Karstadt-Mitarbeiter bringt die Einigung mehr Geld. Außerdem gibt es eine Beschäftigungsgarantie.

Die Gefahr weiterer Streiks bei der Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof vor Weihnachten und zwischen den Jahren ist gebannt. Nach monatelangen Verhandlungen hat sich die Gewerkschaft Verdi mit dem Management der Kaufhäuser Karstadt und Kaufhof auf einen Tarifvertrag geeinigt. Demnach müssen die rund 25.600 Beschäftigten auf ihr Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten, erhalten aber für die nächsten fünf Jahre eine Standort- und Beschäftigungssicherung, wie Verdi am Freitag mitteilte.

Rückkehr zum Flächentarifvertrag

Zudem kehre der Konzern ab 2025 in den Flächentarifvertrag des Einzelhandels zurück und investiere bis September 2020 mindestens 700 Millionen Euro in das Unternehmen. Die Beschäftigten von Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und Karstadt Feinkost erhielten im nächsten Jahr mindestens 10,47 Prozent mehr Geld. "Wir haben heute nach schwierigen und langen Verhandlungen einen für die Zukunft der Beschäftigten wichtigen Tarifvertrag abgeschlossen", erklärte Verdi-Bundesvorstand Stefanie Nutzenberger.

Galeria Karstadt Kaufhof betonte in einer Pressemitteilung, man vollziehe damit eine Anpassung der Gehälter der Karstadt-Mitarbeiter auf Kaufhof-Niveau. "Wir konnten damit für die Kaufhof-Beschäftigten abwenden, dass die Löhne nach der rechtlichen Verschmelzung auf das Entgeltniveau von Karstadt zurückgehen. Im Gegenzug entfallen die Einmalzahlungen bei einer Verlängerung der Laufzeit des Tarifvertrages bis 2025. Damit gewinnen wir auch Planungssicherheit für die nächsten Jahre", sagte Miguel Müllenbach, Arbeitsdirektor für Kaufhof und Karstadt.

Weitere Lohnerhöhungen ab 2021

Weitere Lohnerhöhungen wird es demnach für die Beschäftigten des fusionierenden Unternehmens in einem Jahr geben: Nach einer Pause 2020 seien Steigerungen um 0,3 (2021), 0,6 (2022) und 0,9 (2023) Prozentpunkte oberhalb der Tarifabschlüsse des Einzelhandels vereinbart worden. "Wir haben im ersten gemeinsamen Jahr von Karstadt und Kaufhof die wirtschaftlichen Voraussetzungen für diese Tarif-Einigung geschaffen und freuen uns, dass wir die Ergebnisse dieser harten Arbeit so früh in der Phase des Zusammenwachsens an die Beschäftigten weitergeben können", erklärte Stephan Fanderl, CEO von Galeria Karstadt Kaufhof.

Die Verhandlungen hatten unter großem Zeitdruck gestanden. Denn schon im Januar soll Kaufhof mit Karstadt verschmolzen werden. Ohne eine Tarifeinigung hätte dies für die Kaufhof-Beschäftigten laut Verdi wegen des bei Karstadt schon vor geraumer Zeit vereinbarten Sanierungstarifvertrages zu Lohneinbußen von rund elf Prozent geführt.

Unternehmen kämpft mit roten Zahlen

Galeria Kaufhof kämpft nach wie vor mit roten Zahlen. Konzernchef Fanderl berichtete erst in dieser Woche in einem Interview mit dem "Handelsblatt", allein Karstadt werde in diesem Jahr "einmalig etwa 78 Millionen Euro Verlust machen". Den kumulierten Verlust von Kaufhof aus den vergangenen vier Jahren bezifferte er auf 600 Millionen Euro.

Doch dreht Fanderl zur Zeit an vielen Schrauben, um den Konzern wieder auf Kurs zu bringen. So sollen durch Synergien aus der Fusion von Kaufhof und Karstadt bis 2022 rund 380 Millionen Euro eingespart werden. Gleichzeitig baut der Manager wichtige Standbeine wie das Sportgeschäft oder die Reisevermittlung durch Übernahmen aus. Galeria Karstadt Kaufhof sicherte sich 106 Reisebüros und die deutsche Online-Plattform des Pleite gegangenen Touristikriesen Thomas Cook. Im Sportbereich soll die Übernahme von Sport Scheck zusätzliche Impulse bringen. Die Rückkehr des Warenhausriesen in die schwarzen Zahlen hat Fanderl schon fest im Blick. "Bis 2023 werden wir eine Umsatzrendite von zwei bis drei Prozent erreichen", versprach er kürzlich.

Karstadt war 2013, Kaufhof im Frühjahr 2019 aus der Tarifbindung ausgestiegen. Kaufhof ist seit einem Jahr Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem früheren Erzrivalen Karstadt. Eigner ist die österreichische Signa-Gruppe des Immobilien-Investors Rene Benko.

Sendung: Radioeins, 20.12.2019, 15 Uhr

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