Archivbild: Einkaufswagen eines Real-Marktes in Brandenburg (Quelle: dpa / Bildagentur-online/Schoening).
Audio: Antenne Brandenburg | 28.01.2020 | John-Alexander Döring | Bild: Bildagentur-online

Verkauf der Supermarktkette - Was für die Real-Märkte in und um Berlin auf dem Spiel steht

Real gehört zu Metro - aber wohl nicht mehr lange: Der Konzern will alle Supermärkte an ein Konsortium aus Investmentfonds verkaufen. Kurz vor dem Stichtag haben die Beschäftigten in Berlin und Brandenburg immer noch keine Klarheit, wie es weitergeht.

Seit Jahren versucht der Metro-Konzern seine Real-Supermärkte zu verkaufen, in wenigen Tagen könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Klarheit bekommen – darüber, wie es mit ihren Jobs weitergeht. Bis 31. Januar soll der Vertrag unterschriftsreif sein, hieß es von den Verhandlungsparteien Metro, dem Private-Equity-Fonds SCP Group und dem Immobilienentwickler X+Bricks. Geht der Deal über die Bühne, wären die beiden Käufer wohl nur Zwischenhändler. Reals Netz aus bundesweit 277 Filialen würde bei dem beabsichtigten Weiterverkauf zerschlagen.  

13 Märkte liegen in Brandenburg, sechs in Berlin, in der Region geht es um 1.600 Stellen. "Die Beschäftigten sind sehr verunsichert. Wenn wir in den vergangenen Monaten mit ihnen über mögliche Aktionen geredet haben, haben viele nur gesagt: 'Lieber nicht. Sonst machen die unseren Laden zu.' Das ist traurig", sagt Markus Hoffmann-Achenbach von verdi, er ist stellvertretender Geschäftsführer des Bezirks Potsdam-Nordwestbrandenburg. "Die Leute haben auf gut Deutsch Schiss um ihren Arbeitsplatz. Sicherheit kann ihnen gerade keiner geben."

Betriebsrat: Knapp ein Drittel der Jobs fallen weg

Viel Waren auf viel Fläche – bei wenig Personal: So könnte man das Geschäftsmodell der riesigen Supermärkte beschreiben. Doch kleinere Märkte von Konkurrenten wie Rewe oder Edeka und Discountern wie Aldi haben ihr Sortiment vergrößert. "Wenn dann noch bei so einem hohen Anteil von Nonfood-Produkten wie Handys, Fernsehern oder Fahrrädern die Mitarbeiter für qualifizierte Beratung fehlen, haben spezialisierte Händler einen Vorteil", sagt Erika Ritter, Lei­te­rin des Fach­be­rei­ches Handel bei verdi Berlin-Brandenburg. Der Nettoumsatz der Real-Gruppe sinkt seit Jahren kontinuierlich. Auch die Zahl der Märkte schrumpft, seit 2009 sind 56 Standorte verschwunden. 

Der Metro-Betriebsrat rechnet eigenen Angaben zufolge damit, dass deutschlandweit etwa 10.000 der 34.000 Real-Mitarbeiter ihren Job verlieren werden. Diese Zahl bezeichnete der Metro-Konzernchef Koch als zu hoch. Er schrieb lediglich an die Mitarbeiter: "Leider wird es unausweichlich sein, dass auch eine Anzahl von Märkten aufgrund fehlender wirtschaftlicher Perspektiven aufgegeben werden muss." Ansonsten äußert sich Real auch auf Anfrage nicht näher zu den Verhandlungen. "Wir erfahren nicht einmal ein Jota aus den Verhandlungen, auch nicht von Seiten des Gesamtbetriebsrates", sagt Erika Ritter.

Markus Hoffmann-Achenbach, stellvertretender Geschäftsführer des Verdi-Bezirks Potsdam-Nordwestbrandenburg (Quelle: verdi)
Markus Hoffmann-Achenbach: "Die Leute haben auf Gut Deutsch Schiss um ihren Arbeitsplatz." | Bild: verdi

Medienbericht: Verkauf bringt Metro 1,1 Milliarden Euro

Seit September 2018 hatte Metro einen Käufer gesucht – die Real-Kette passt nicht mehr zur Strategie des Konzerns, auf den Großhandel mit Lebensmitteln und die Belieferung von Restaurants, Caterern und Hotels zu setzen. Der Vorstandsvorsitzende Olaf Koch hatte damals angekündigt, die komplette Kette innerhalb von maximal acht Monaten zu verkaufen. Es geht auch um seinen Job. Aber Koch fand niemanden, der Real zu für Metro akzeptablen Bedingungen haben wollte. Kartellrechtlich wäre ein Komplettverkauf der Märkte äußerst fraglich gewesen.

Da sprang das Konsortium um den Investor SCP Group und den Immobilienkonzern X+Bricks ein. Dessen Geldgeber ist der 71 Jahre alte russische Milliardär Wladimir Jewtuschenkow. 2014 hatte er wegen Verdachts auf Geldwäsche im Hausarrest gesessen. Plötzlich ging schnell, was Metro zuvor so lange nicht gelungen war. Den Zeitplan der Verhandlungen nennen Experten im Gespräch mit rbb|24 "ambitioniert". Der Verkauf der Märkte und des Onlineshops "real.de" bringt Metro nach einem Bericht des "Manager Magazins" nun wohl 1,1 Milliarden Euro ein.

Weiterverkauf der Filetstücke

Die beiden Investoren, soviel ist klar, wollen den Großteil der Filialen an Wettbewerber wie Kaufland Rewe, Edeka oder Globus weiterreichen - sie selbst haben keine Erfahrung mit Einzelhandel. Diese Wettbewerber aber wollen nur die attraktivsten, profitabelsten Real-Filialen kaufen – und nicht den Rest. "Es gibt natürlich Märke, die Rendite abwerfen. Aber von Metro kommt keine Aussage, ob diese Rendite ausreichend ist. So wird alles in der Schwebe gehalten", sagt Hoffmann-Achenbach.

Umgekehrt betrachtet: Laut der Rechnung des Betriebsrates geht es um mehr als 50 Filialen, die wenig oder gar kein Geld verdienen - sie haben keine Zukunft. Welche, gibt der Konzern nicht bekannt. Nach Informationen der "Lebensmittelzeitung" ist Edeka an etwa 50 Standorten interessiert, Kaufland soll etwa 100 Filialen übernehmen wollen – vorausgesetzt, das Kartellamt hat nichts dagegen. Einen Kern von 50 Läden sowie die Marke Real will das Konsortium um den Investor X+Bricks nach Medienberichten behalten.

Sicherheit für ein Jahr

Einen kleinen Trost haben die Angestellten in Märkten wie Wildau (217 Mitarbeiter), Teltow (155) oder dem Potsdamer Stern-Center (136) bereits jetzt: Laut Metro-Chef Koch hat der Konzern mit dem Betriebsrat für alle Real-Mitarbeiter, die durch betriebsbedingte Kündigung ihren Arbeitsplatz verlieren, eine soziale Absicherung vereinbart. "Falls es zu einem sogenannten Betriebsübergang kommt, muss der neue Eigentümer zunächst in die Rechte und Pflichten des alten eintreten. Das heißt, dass sich zumindest für ein Jahr nichts für die Mitarbeiter ändert", sagt Markus Hoffmann-Achenbach. Je nach Käufer der Filiale könnte sich der Abschied vom Metro-Konzern sogar lohnen: "Rewe, Edeka und Kaufland sind im Gegensatz zu Real im Flächentarifvertrag. Für die Real-Beschäftigten könnte eine Übernahme also vorteilhaft sein."

In einer ersten Version dieses Artikels war davon die Rede, dass es in Berlin und Brandenburg 18 Real-Märkte gebe; tatsächlich sind es aber 19 (davon 13 in Brandenburg und sechs in Berlin). Wir haben die Angaben entsprechend korrigiert.

Sendung: Brandenburg aktuell, 27.01.2020, 19 Uhr 30

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8 Kommentare

  1. 8.

    Können Sie Ihre These von der wachsenden Verelendung der deutschen Bevölkerung belegen? Ansonsten hilft diese Spekulation nicht weiter. Richtig ist, dass real,- im Unterschied zu den Discountern sein Nonfood-Sortiment (teilweise mit Markensortimenten) in direkter Konkurrenz zu den Fachmärkten (in einigen Fällen selber Unternehmen des Metro-Verbundes) aufgebläht hat, ohne über deren Expertise zu verfügen. Für mich merkwürdig, dass der Gesamtbetriebsrat da nicht gegengesteuert hat und jetzt rumjammert. Aber wer mit den Mächtigen am Tisch sitzt..... Alls das wird, so meine Vermutung den völlig maroden Metro-Konzern nichts nutzen: Inkompetentes Management, kein tragfähiges Unternehmenskonzept und aufgeblähte Verwaltung. Im Übrigen, wo bleibt eigentlich der Fachbereich OK beim BKA: Der Deal mit dem russischen Oligarchen stinkt doch gerade nach Geldwäsche und russischer Mafia! Aber anschließend will's keiner gewesen sein...

  2. 7.

    Ist Payback schuld? Erst Kaufhof, jetzt Real... komischerweise die größten Payback Mitglieder gehen den Bach runter...

  3. 6.

    Es kann natürlich sein, dass ich missverstehe, worauf Sie hinaus wollen, dann entschuldige ich mich dafür! Dennoch: Ich verstehe nicht, warum es nicht möglich sein sollte, dass die Märkte mit wenig bis gar keinem Gewinn anders subventioniert worden sind. Als es Kaiser's noch gab, habe ich auch in einer Filiale gearbeitet, die nicht kostendeckend wirtschaften konnte und somit subventioniert werden musste.

  4. 5.

    Der Grund für das alles ist ein Niedergang des Warenangebotes, den man schon vor Jahren direkt bei der Metro beobachten konnte. Vielfalt und Spezialitäten wurden reduziert, das Sortiment auf Massenware konzentriert. Mit dieser Politik hat sich die Metro selbst in die Konkurrenz zu den Discountern gesetzt. Da hilft den Real-Mitarbeitern ihre Initiative mit hausgemachten Zubereitungen nicht viel. Aber auch die Kundschaft mit ihrem von Jahr zu Jahr schmaleren Geldbeutel trägt (notgedrungen) dazu bei, daß die gehobene Lebensmittel-Szene im Schrumpfen begriffen ist. Da läßt ein Verkauf von Real an Immobilien-Händler ganz Böses erwarten - für uns alle.

  5. 4.

    Mir fällt es schwer zu glauben, dass real bei den horrenden Preisen nix verdient hat außer, dass kaum jemand bereit ist solche Preise zu zahlen und daher woanders hin geht.
    Und wieder das gebetsmühlenartige Gejammer von „Ganoven mit Schlips und Kragen„ Begreift doch endlich mal, dass andere Menschen nicht dafür da sind, euch mit ihrem Eigentum ein angenehmes, bequemes und günstiges Leben zu garantieren. Mir verschlägt es glatt die Sprache wie selbstherrlich und für wie gottgleich sich manche Zeitgenossen halten.
    Real verkauft deswegen Fernseher und Telefone, weil das mehr Einnahmen generiert. Da könnten Sie auch fragen, wieso real Waschmittel und Toilettenpapier verkauft.

  6. 3.

    Kann sich dennoch rechnen, da mehr Rabatte beim Einkauf durch größere Mengen und wenn der Markt leer steht würde, würde es durch die Miete ein Minus sein.

  7. 2.

    Und wieder schlagen die „Ganoven mit Schlips und Kragen „ zu. Fern jeder sozialen Verantwortung werden langjährige MA in die Wüste geschickt. Rückläufige Umsätze haben etwas mit dem Angebot und der Führung zu tun. Wozu bitteschön muss Real Fernseher, Telefone und den ganzen Scheiss verkaufen? Mir tun die MA leid, die Bosse bleiben und richten weiter Schäden an.

  8. 1.

    "Die wenig oder gar kein Geld verdienen"
    Also hatte die Metro diese Märkte subventioniert, denn anders steht es nicht in diesem Bericht! Das über Jahre? Wer soll das glauben? Was möchte man hier dem Verbraucher, oder dem Kunden offenbaren? Das stinkt sogar durchs Handy!

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