BVG Busse stehen während eines Streiks am 01.04.2019 im Depot (Bild: imago images/Müller-Stauffenberg)
Audio: Radioeins | 08.10.2020 | Interview mit Jeremy Arndt | Bild: imago images/Müller-Stauffenberg

Berlin und Brandenburg - Verdi rechnet nicht mit Verkehrschaos durch Warnstreik

Mitarbeiter im öffentlichen Nahverkehr in Berlin und Brandenburg sind für Freitag erneut zum Warnstreik aufgerufen. Dass ein mögliches Gedränge die Corona-Lage in der Region verschärfen könnte, glaubt Gewerkschafts-Vertreter Jeremy Arndt nicht.

Verdi-Verhandlungsführer Jeremy Arndt hat den für Freitag angekündigten Warnstreik in Berlin und Brandenburg verteidigt. "Die Arbeitgeber lassen uns an der Stelle keine andere Wahl, weil sie mit uns überhaupt nicht verhandeln wollen", sagte er am Donnerstagmorgen dem rbb. "Es muss leider sein."

Mit Blick auf die hohen Corona-Infektionszahlen in der Region und mögliches Gedränge in der S-Bahn sagte Arndt, die Fahrgäste hätten sich zuletzt sehr gut auf mögliche Engpässe eingestellt, so auch beim letzten Warnstreik am 29. September. "Wenn wir mal allein auf die letzte Woche gucken, dann ist das große Verkehrschaos ja ausgeblieben", bilanzierte Arndt. Überfüllte Züge habe es in der vergangenen Woche nicht gegegeben, "und ich gehe davon aus, dass das auch morgen so sein wird".

Arndt stellte zudem fest, "dass der ÖPNV kein Corona-Hotspot in dem Sinne ist - da gibt es keinerlei Beweise dafür". Die Fahrgäste würden zu einem großen Teil Mund-Nasen-Schutz tragen, "so dass das Ansteckungsrisiko sowieso gering ist".

Die Gewerkschaft Verdi hatte am Dienstag für Freitag erneut Warnstreiks in Berlin und Brandenburg angekündigt. In der Hauptstadt sollen Busse und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) für 24 Stunden von 3 Uhr morgens an im Depot bleiben. In Brandenburg sind die Beschäftigten aufgerufen, von Betriebsbeginn bis zum Mittag die Arbeit ruhen zu lassen.

Im rbb kündigte Arndt am Donnerstag an, Verdi erwarte Reaktionen der Arbeitgeber. "Wir erwarten schon, dass sich die Arbeitgeber nochmal positionieren und mit uns Verhandlungen aufnehmen", so der Verdi-Vertreter. "Ansonsten muss man immer damit rechnen, dass es zu weiteren Arbeitskämpfen kommt."

AfD kritisiert Zeitpunkt

Der verkehrspolitische Sprecher der Berliner AfD-Fraktion, Gunnar Lindemann, kritisierte den Aufruf zum Warnstreik. Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen seien zwar "gerechtfertigt und nachvollziehbar", teilte er mit. Ein ganztägiger Streik sei "in der jetzigen Situation jedoch ein völlig falsches Signal." Es treffe die "Arbeitnehmer, die auf den ÖPNV angewiesen sind, um zu ihrem mitunter bereits gefährdeten Arbeitsplatz zu gelangen" und Schulkinder. "Für Arbeitskampfmaßnahmen sei immer noch genügend Zeit, wenn die gegenwärtige Krise bewältigt ist", so Lindemann.

Verdi fordert bundesweite Regelung

Hintergrund der Warnstreiks ist die Forderung des Verdi-Bundesverbands nach einer bundesweit einheitlichen Tarifregelung für die rund 87.000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr. Tarife im Nahverkehr werden derzeit in den 16 Bundesländern einzeln ausgehandelt. Weil sich deshalb die Arbeitsbedingungen in den jeweiligen Regionen aus Sicht der Gewerkschaft zu weit auseinanderentwickelt haben, sollen die regionalen Regelungen um eine bundesweite ergänzt werden.

Die Arbeitgeberseite hatte Verhandlungen über einen bundesweiten Tarifvertrag zuletzt mit der Begründung abgelehnt, dass bei den gleichzeitig stattfindenden regionalen Tarifverhandlungen die gleichen Themen behandelt würden.

25 Kommentare

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  1. 25.

    Warum fahren immer weniger mit dem Bus und Bahn weil sie es satt haben jeden Tag Verspätungen und Ausfälle hinzunehmen was durch den Streik nicht besser wird. Der Verkehr ist anstrengend aber keiner hat es leicht in seinen Job.

  2. 24.

    Vielleicht werden wir merken, dass wir auch ohne BVG auskommen.

    Die Tarifparteien könnten das ja auch abkürzen, wenn die Gewerkschaft nicht so unverschämte Ansprüche stellen würde. Die von Verlusten gebeutelte Bahn hat mit 1,5% Abgeschlossen. Die dauerinsolvente BVG will fast 5%... finde den "Fehler"

  3. 23.

    Die sollen erstmal pünktlich kommen ,dann können die auch streiken.Wie kann es sein das 99% der Buse zu spät oder zu früh sind und manche Linien jeden Tag um 20 Minuten zu spät kommen

  4. 22.

    Natürlich wird das ein caos geben...! sehr egoistisch das zu sagen, das es keins geben wird.
    abgesehen davon.... der Zeitpunkt... wo andere menschen um ihre zukunft bangen.... cora wieder auf dem Vormarsch ist.... nix gegen Arbeitskampf... aber....

    verdi.... schämt euch!

  5. 21.

    Jeder normal denkender Mensch würde den Streik absagen und nicht versuchen den Staat mit Hilfe von Corona zu erpressen. Jeder Busfahrer, Tramfahrer bzw U Bahn Fahrer sitzt abgeschottet in seiner Fahrerkabine. Also kein erkennbares Risiko. Masken in der Tram werden zum Beispiel immer seltener, jedoch habe ich noch nicht eine Kontrolle der BVG erlebt, nur Fahrscheinkontrollen damit der Umsatz stimmt. Die Kunden oder auch Fahrgäste genannt, sind Euch Verdi Typen doch völlig gleichgültig. Und habt Ihr nicht gerade auch wieder an der Pteidschtaube gedreht? Andere sind arbeitslos geworden und Ihr denkt nur an Eure Dollar Zeichen in den Augen. Einfach nur widerlich dieses Verhalten

  6. 20.

    "Für Arbeitskampfmaßnahmen sei immer noch genügend Zeit, wenn die gegenwärtige Krise bewältigt ist" Sagt das ein Kapitalist? Oder ein Rechter? Oder gibt es bei diesen Überschneidungen? Solidarität mit allen Arbeitskämpfenden.

  7. 19.

    Arndt. Genauso arglos wie einst der GDL Chef. Und dann vergleicht er auch noch den morgigen Streiktag mit dem halben Streiktag letzte Woche.
    Was für ein Arndt...

  8. 18.

    Zum jetzigen Zeitpunkt einen Streik auszurufen zeigt doch schon mal, was die BVG‘ler von Ihren Kunden halten. Ich kann das nur verachten.

  9. 17.

    Ich stimme zu, dass es eine Zumutung ist, die Schülerinnen und Schüler morgen nicht von der Schulpflicht zu befreien! Ein dicht an dicht in überfüllten Bahnen und in Bussen des Schienenersatzverkehrs zu diesem Zeitpunkt der Coronalage ist unverantwortlich!
    Das Streikrecht der BVG-Mitarbeiter sollte davon unbeschadet bleiben. Aber der Senat müßte entsprechend reagieren, was er leider nicht tut. Er trägt Verantwortung und der muss er gerecht werden!

  10. 16.

    Wann hattet IHR BVGler erst gestreikt - für mehr Lohn? Februar 2019? Frecheit.
    Geh mal in die Wirtschaft. Was ist mit der Veranstaltungsbranche? Viele Firmen müssen insolvenz anmelden und IHR STREIKT???????????????

  11. 14.

    Die Regierung kann den Streik morgen nicht verbieten.
    Streikrecht ist Grundrecht. Das Streikrecht ist als Grundrecht im Grundgesetz verankert . Der Streik ist das wichtigste Mittel der Beschäftigten, um eigene Forderungen gegen- über dem Arbeitgeber durchzusetzen.
    Die Erkenntnis morgen nicht zu streiken muss schon von Verdi (Herrn Arndt) selbst kommen. Ich rechne jedoch nicht damit das dieses eintritt. Ich sehe auch nicht die Notwendigkeit diesen Bundeseinheitlichen Tarifvertrag unbedingt zum jetzigen Zeitpunkt fordern zu müssen. Das hätte man auch im kommenden Jahr tun können. Auch sollte man nicht vergessen, dass die BVG Mitarbeiter berechtigter Weise bereits im vergangen Jahr rückwirkend ab 01.01.2019 8,00 % mehr Lohn und 200,00 EUR mehr Weihnachtsgeld erstritten haben. Da hatten wir allerdings keine Pandemie.
    Ich kann dieses unsoziale u. rücksichtslose Verhalten von Verdi nur verurteilen. Die Fahrgäste werden vorsätzlich einem vermeidbaren Risiko ausgesetzt.

  12. 13.

    Ihre Ansicht teile ich vollkommen. Besonders tun mir wieder die Schüler/innen leid, die sich in übervolle S Bahnen quetschen müssen . Am besten wäre es auch und gerade wegen der ansteigenden Zahlen, sie würden für morgen vom Schulbesuch befreit, Es ist extrem ungerecht und rücksichtslos von dieser Gewekschaft. Und dass Herr A.dann noch behauptet, der Streik hätte gar nicht so gro8e Auswirkungen, ist ein ganz schlechter Witz. Dann kann er ja unterbleiben. Versteht dieser Funktionär seine eigene Argumentation noch?

  13. 12.

    eines tages wird es die modernen bvg züge geben die dann fahrerlos fahren können. Mit verlängerung der u 7 ist das schon in planung und die u 4 tut es schon. Ich freu mich drauf wenn euch endlich der nährboden entzogen ist und ich wieder problemlos in einer vernünftigen zeittaktung an meinen arbeitsplatz komme damit ich ohne staatliche hilfe meine miete bezahlen kann.

  14. 11.

    Das morgen der Streik stattfinden wird, war ja abzusehen. Ab Montag sind Ferien und BVGler haben auch Urlaub. Der Fahrplan ist dann zum Ferienfahrplan mutiert und da würde ein Streik nichts bringen. Außerdem hat Verdi noch die Chance, dass auch morgen der Ringverkehr noch unterbrochen ist. Und somit wird hoffentlich doch wohl ein bisschen mehr Chaos herrschen, als letztes Mal. Ein Streik der BVG und nur wenige sind betroffen, das macht Verdi keinen Spaß :-)

  15. 10.

    Die Regierung hätte diesen Streik absagen müssen und in der Akademie verbieten .Alle Pendler können nur noch mit der Bahn fahren .Total überfüllt ,es fahren ja nicht nur Berliner mit ,sondern auch Brandenburger .Da wundern sich die Regierungen ,das die Zahlen steigen .Die Gewerkschaftsmitglieder sollten auf den Streik verzichten .Sie wären damit Klüger ,als die Bosse.

  16. 9.

    So Leid es mir tut, ich muss der AfD Recht geben, aber nur hierbei.

  17. 7.

    Dieser Streik drückt den eiskalten Egoismus der BVG-Mitarbeiter aus. Ich würde mich an deren Stelle sowas von schämen. Schön zu wissen wovon ein Herr Arndt ausgeht. Unser Land wird seit Monaten von einer schweren Pandemie erschüttert und derzeit steigen die Zahlen wieder. Alle Menschen sind aufgefordert Ihr Verhalten aufgrund der Pandemie neu zu organisieren. Das einzige was Herr Arndt neu organisiert ist sein Streik. Das dadurch das Infektionsrisiko für die ÖPNV-Kunden steigt verleugnet er. Herr Arndt möchte offensichtlich durch den Streil auch wieder die schwächsten unserer Gesellschaft-unsere Kinder- treffen. Sie haben morgen Ihren letzten Schultag vor den Ferien. Man hätte den Streik auch um eine Woche verschieben können. Herr Arndt zeigen Sie sich solidarisch und denken Sie nicht nur an sich sondern auch an die Kunden. Handeln Sie klug und besonnen und sagen Sie den Streik ab !

  18. 6.

    Was für eine Überschrift!
    Die Berliner sind es inzwischen gewöhnt, mit Chaoten klar zu kommen.

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