Gescheiterte Tarifverhandlungen - Lokführer-Gewerkschaft GDL kündigt Streik an

Ein Bahnmitarbeiter steht im Hauptbahnhof (Quelle: dpa/Andreas Arnold)
Video: Abendschau | 08.06.2021 | Sabrina Wendling | Bild: dpa/Andreas Arnold

Bahnkunden müssen sich mitten in der Sommerzeit auf einen Streik einstellen. Die GDL erklärte am Dienstag die Tarifverhandlungen mit der Bahn für gescheitert - und kündigte "Arbeitskampfmaßnahmen" ein. Der Konzern spricht von einer "völlig unnötigen" Aktion.

Bahn-Reisende müssen in der Sommerreisezeit mit erheblichen Behinderungen rechnen. Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn kündigte die Lokführer-Gewerkschaft GDL am Dienstag die "Einleitung von Arbeitskampfmaßnahmen" an.

Einen Termin für einen Streik nannte sie aber noch nicht. Am Montag war auch die vierte Verhandlungsrunde zwischen GDL und der Bahn gescheitert.

GDL-Chef Weselsky: "Die DB hat sich erneut verweigert"

"Wir wollten verhandeln und eine Einigung erzielen, doch die DB hat sich erneut verweigert", erklärte Gewerkschaftschef Claus Weselsky am Dienstag. Er warf der Bahn vor, die Arbeitsbedingungen des Zugpersonals verschlechtern zu wollen. Zudem mache Bahn-Personalvorstand Martin Seiler teils falsche Aussagen. "Deshalb trägt er auch die volle Verantwortung für den heraufbeschworenen Tarifkonflikt", so Weselsky.

In der rbb-Abendschau versicherte Weselsky, die GDL werde ihre Streiks rechtzeitig ankündigen. "Aber wir sagen den Menschen auch, dass die Schuldigen in der Führungsetage eines Konzerns sitzen, der weltweit Steuergelder verpulvert hat und der nicht bereit ist, von diesem Tun abzulassen und sich auf das Eisenbahnsystem in Deutschland zu konzentrieren."

Bahn bezeichnet geplanten Streik als "daneben und völlig unnötig"

Die Bahn dagegen warf der Gewerkschaft vor, lediglich ihren Einflussbereich ausweiten zu wollen. "Gerade jetzt den Bahnverkehr bestreiken zu wollen, ist daneben und völlig unnötig. Die GDL streikt in Zeiten, in denen Millionen nach der langen Zeit in der Pandemie auf die Rückkehr in die Normalität setzen und sich wieder aufs Reisen freuen", erklärte eine Bahnsprecherin am Dienstag.

Die GDL streike zudem in Zeiten, in denen es bei der DB Jobsicherheit gebe, während viele Menschen um ihre Existenz kämpften. "Das versteht niemand und zeigt, dass es der GDL-Spitze um die Ausweitung ihres Bereichs geht. Die DB ruft die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren."

Kommt es zum Warnstreik, wäre es der erste bei der Bahn seit Dezember 2018, als die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Die letzte Streikwelle der GDL ist schon sechs Jahre her.

Bahn: GDL beharrt auf ein Dreifaches des Öffentlichen-Dienst-Abschlusses

Die Bahn hatte die Eskalation nach dem ergebnislosen Gespräch in Berlin schon kommen sehen: Nach dem Treffen kritisierte Seiler, die Gewerkschaft ziele auf Konfrontation um jeden Preis. Die GDL nehme bewusst Schaden für die Kundinnen und Kunden in Kauf. Der Konzern sei weiter gesprächsbereit.

Die Bahn schlug nach eigenen Angaben am Montag einen Tarifabschluss vor, der den Beschäftigten Einkommenssteigerungen wie im Öffentlichen Dienst im Bereich Flughäfen gebracht hätte. Dabei sei die "besondere Situation der Bahn durch die Pandemie" berücksichtigt worden. Die Gewerkschaft habe sich jedoch geweigert, über Spielräume und Lösungen zu sprechen. Sie beharre auf deutlich höheren Forderungen.

Die GDL strebte nach eigenen Angaben zuletzt einen Abschluss entlang des öffentlichen Dienstes an. Der Bahn zufolge summierten sich die Forderungen aber auf Dreifaches.

Sensibler Zeitpunkt - auch für die Bahn

Der Arbeitskampf trifft nicht nur die Bahnkunden, sondern auch den finanziell schwer angeschlagenen Konzern in einem ungünstigen Moment. Nach der Lockerung der Corona-Regeln nimmt das Geschäft des bundeseigenen Unternehmens gerade erst wieder Fahrt auf.

Sendung: Inforadio, 08.06.2021, 14:00 Uhr

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72 Kommentare

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  1. 72.

    Volle Zustimmung Mathias!!!!

    Die GDL wie man sie aus deren anderen Aktionen kennt: selbstverliebt, ignorant gegen alle anderen, Hauptsache die eigene Position zu 100% durchsetzen (Verhandeln gent m.M.n. anders...)

    Stimmt es eigentlich, dass Herr W. den GDL-Angestellten (also keine Lokführer!!) eine Nullrunde verpasst hat? Wäre ja echt der Hammer (@rbb: hier gerne mal recherchieren und dazu berichten).

  2. 71.

    Streiks im Güterverekhr bringen Herrn Weselsky aber nicht die (für ihn) notwendige Aufmerksamkeit. Möglichst viele Pendler treffen - dann ist ihm die Aufmerksamkeit sicher. Dass das der DB kaum schadet (die allermeisten Pendler dürften Zeitkarten haben) ist da nicht so wichtig.
    Und die Zusicherung, er ihre "Streiks rechtzeitig ankündigen", kann sich der Herr W. klemmen; aus den letzten Aktionen dieser Spartengewerkschaft wissen wir ja: 22 Uhr angekündigt, dass die Pendler ab 5 Uhr sehen können, wie sie zur Arbeit kommen, findet Herr W. ja "rechtzeitig".

  3. 70.

    So ein Quatsch. Es ist nichts von alledem: weder sauber noch pünktlich und schon gar nicht billig. Ganz ehrlich: das sind die MINIMALANSPRÜCHE an dieses Unternehmen. Und dann kommt in der Tat lange nichts. Wenn dann der Laden läuft könnte man über Gehaltsforderungen reden, die regrlmäßig auf dem Rücken der leiderprobten Kundschaft ausgetragen werden. Es geht schlicht um die Wahrung von Verhältnismäßigkeit. Nicht mehr und nicht weniger. Auf jeden Fall jedoch nicht um Existenzen.

  4. 69.

    Die Gdl ist mitverantwortlich für das TEG ,jetzt klagt sie dagegen
    Weselsky sei dank

  5. 68.

    Sorry ,Da habe ich wohl alle ach so arme Lokführer beleidigt

  6. 66.

    Weselsky ist so ein Selbstdarsteller. Und ich weiß, wovon ich rede.

  7. 64.

    Und zum ersten Mal ist mir egal, dass gestreikt wird. Danke Corona für mein schönes Büro zu Hause.

  8. 63.

    Ja ,es geht um Existenzen ,bei mir auch ,
    Meine Frau in Elternzeit ,bekommt nur wenig Geld ,ich in Kurzzeitarbeit ,bekomme auch nur wenig Geld, und wenn ich mit dem Auto fahren muss Mehrkosten pro Tag von ca 40 Euro ,mit Familie und 2 Kindern, toll gell Sandra ,und ich kann nicht einfach daheim bleiben ,
    Das nur wegen Machtkampf des Herrn Weselsky
    Kein schönes Gefühl zu wenig Geld zu haben ,

  9. 62.

    Von mir aus können sie streiken bis sie schwarz werden. Ich brauche die Bahn nicht, das Auto bringt mich überall hin wo ich möchte. Außerdem gehören zu dem Theater immer zwei. Der Leithammel Weselsky und die treuen Schafe die ihm widerspruchslos folgen und ihn feiern.

  10. 61.

    Was für ein Gejammere. Dann bleiben Sie einfach zu Hause. Es geht hier um Existenzen. Bei der BVG haben sich auch alle aufgeregt.
    Sauber soll es sein, pünktlich und am besten fast umsonst.
    Hauptsache ich, dann kommt eine Weile gar nichts.
    Was für ein Armutszeugnis an alle die hier jammern.

  11. 60.

    Der Bund? Der kann nicht einmal die unsinnigen Zeitumstellungen abschaffen. Und um Bahn zu machen, bezahlt er Topmanager.

  12. 58.

    1. Es ist jetzt die DB AG. Bisher einziger Aktionär der Staat bis zum stets angestrebten Börsengang.
    2. Es gibt jetzt Topmanager mit Topgehältern.
    3. Keine Beamten mit Pension mehr, sondern stets kündbaren Angestellten mit Magerrentenperspektive.
    4. Wettbewerb auf der Schiene: Ist Lokführer krank oder Zug defekt-kein Ersatz und kein Zug. Siehe Heidekrautbahn.
    5. Bei Fahrt von Groß Schönebeck nach Bautzen = 3 Bahnfürstentümer-3 Fahrkartenkäufe
    6. Die Umwandlung in eine AG setzt ganze Berater-Notare-Anwälte-Wirtschaftsprüfer-Banker-Kohrten in Bewegung, deren Honorare nach Gegenstandswert bemessen werden. Und der ist bei den Anlagen in Topcitylage allein schon der Bahnhöfe und anderer Bahnanlagen milliardenschwer und bringt so seine Milliönchen Honorar.
    Privatisierungsphrase: OPTIMIERUNG-PREIS-LEISTUNGSVERHÄLTNIS.

  13. 57.

    Das mag ja alles sein, aber es ist nicht meine Schuld. Ich bezahle meine Bahntickets, und billig sind die nicht. Wie das Geld dort verteilt wird, darauf habe ich keinen Einfluss. Ich möchte einfach mal nur in Ruhe in Urlaub fahren (in Deutschland). Was soll all der Mist mit Umwelt und tralala, wenn dann doch so oft die Bahn oder auch die BVG nicht fahren? Also doch fliegen wann immer es geht und 'ne eigene Karre kaufen? Scheinen mit die stressfreisten Alternativen zu sein. Schade.

  14. 56.

    Wir haben auch coronaprämien bekommen
    Bei uns war das gestaffelt ,
    Ich hab nichts mit Kunden zu tun ,habe nur wenig Risiko ,
    Habe deswegen nur 300 Euro bekommen ,Kollegen die viel Kundenkontakt haben undhohes Risiko haben ,bekamen halt bis zu 800 Euro, das war für mich und die gesamte kolegschaft auch in Ordnung ,wie man sieht deutlich unter den Forderungen der gdl ,das müsste bei der DB auch so sein ,zugbegleiter haben Kundenkontakt ,damit hohes Risiko ,lockführer kaum Risiko
    Aber 1500 Euro komplett überzogene Forderung

  15. 55.

    Oh, woher dieses Wissen? Wenn dem so wäre, würde ich nicht seit 1994 auf eine Höhergruppierung warten müssen.
    Als die Bahn-AG gegründet wurde, war ich 45 Jahre alt. Dann könnte ich mich heute zufrieden zurück lehnen

  16. 54.

    Gebe ich dir vollkommen recht ,er hat sich undie gdl unbeliebt gemacht ,und jetzt wird noch extremer
    Wenn er diese völlig überzogenen Forderungen durchgesetzt bekommt ,spaltet er die Belegschaft der DB ,was das bedeutet ,kann man sich ja vorstellen

  17. 53.

    Herr Weselsky sollte das mal alles lesen ,ich glaube der würde sogar kapieren das er auf die Solidarität der Kunden nicht bauen kann ,die kriegt er und seine Lockführer nicht

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