31 Jahre nach Wiedervereinigung - Osten Deutschlands liegt bei Wirtschaftsleistung weiter zurück

Verzinkte und aufgewickelte Metallbänder werden transportiert und gelagert. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)
Audio: Inforadio | 07.07.2021 | Torsten Sydow | Bild: dpa/Kay Nietfeld

Die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Bundesländer erreicht nur 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. Das ist nicht der einzige Unterschied, der auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung noch zwischen Ost und West besteht.

Seit 1990 sind 31 Jahre vergangen, doch noch immer hängen die ostdeutschen Länder wirtschaftlich hinterher - und holen nur langsam auf. Das geht aus dem Jahresbericht zum Stand der Deutschen Einheit hervor, den die Bundesregierung am Mittwoch herausgegeben hat.

Dem Bericht zufolge verbesserte sich die Wirtschaftskraft der Ost-Länder (inklusive Berlin) zwischen 2010 und 2020 von 76 auf 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. Damit gebe es immer noch einen "klar erkennbaren Rückstand". Zugleich nähmen die regionalen Unterschiede in den Ost-Ländern selbst zu.

Berlin erreicht Bundesdurchschnitt

Besonders Berlin und das Berliner Umland haben laut dem Bericht in den vergangenen fünf Jahren deutlich aufgeholt. Berlin habe im Jahr 2020 mit 100,1 Prozent der Wirtschaftsleistung - gemessen am gesamtdeutschen Durchschnitt des Bruttoinlandsprodukts (BIP) je Arbeitsstunde je Erwerbstätigen - sogar erstmals den gesamtdeutschen Durchschnitt erreicht.

Viele Unterschiede zwischen Ost und West seien inzwischen nicht mehr überwiegend mit dem Umbruch nach der Wiedervereinigung 1990 zu begründen, sagte der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU). Vielmehr stellten sich allen strukturschwachen Regionen in Deutschland die gleichen Herausforderungen. Seit 2020 werde deshalb nicht mehr nach Himmelsrichtung, sondern nach tatsächlichem Bedarf gefördert.

Symbolbild: Packtische bei einem Logistikdienstleiter in Brandenburg (Quelle: dpa/Soeren Stache)Packtisch beim Brandenburger Logistik-Unternehmen "Rhenus Warehousing Solutions"

Osten: skeptischer gegenüber der Politik

Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern müssten diese Herausforderungen aber häufig von schlechteren Ausgangssituationen aus angehen. Trotzdem sind Wanderwitz zufolge die Ost-Länder wirtschaftlich besser durch die Corona-Pandemie gekommen als Länder im Westen.

In Lebensführung, Familienleben oder der Freizeitgestaltung seien sich Ost und West mittlerweile sehr ähnlich. "Zu den noch verbleibenden Unterschieden" zählt der Ost-Beauftragte, "dass in den neuen Ländern eine größere Minderheit eine skeptische und distanzierte Grundeinstellung gegenüber der Politik aufweist." Der Bericht zitiert dazu eine Umfrage aus dem Jahr 2020. Darin hätten sich in den alten Ländern 25 Prozent und in den neuen Ländern 33 Prozent der Befragten als "Mensch zweiter Klasse" empfunden.

Sendung: Inforadio, Nachrichten, 07.07.2021, 15:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Osten Deutschlands liegt bei Wirtschaftsleistung weiter zurück..
    Und damit es auch so bleibt werden Investoren aus dem Ausland Steine in Größe eines Felsblocks in den Weg gelegt.
    Wer profitiert eigentlich letztendlich davon wenn z.B. Tesla im Osten keine Fabrik errichtet?
    Der Osten?

  2. 20.

    Sie meinen die Kosten der Kaltmiete ? Ja, die sind in München ausverschämt hoch. Die Gefährlichkeit im Dienst wird auch höher sein als hier in Brandenburg. Die Qualität von Frischwaren - Obst und Gemüse ist hier noch oft miserabel. Die Einkaufswege für viele viel zu weit.

  3. 19.

    Treten sie in SPD oder CDU ein; zeigen sie sich rührig und kandidieren sie als Würdiger dann für den Bundestag. Da sind die "Gehälter" gleich und ausreichend hoch.

  4. 18.

    Das erfolgreiche Werkzeugmaschinenbaukombinat hat man kaputt gemacht. Ebenso die Möbelindustrie. Hellerau, WIWENA Oelsa-Rabenau etc. Als wir 1995 / 1996 neue Möbel brauchten hat uns Möbel Walter u. auch andere mit regelrechter Ausschussware für viel Geld abspeisen wollen. Wir lernten erfolgreich zu reklamieren. Früher erhielt Quelle u.a. nur Qualität. Wir bekamen damals dann auch oft minderwertige Ware. Beharrrlich bauten wir Beziehungen auf. Dann war es akzeptabel.

  5. 17.

    Tja, warum organisieren sich die Arbeitnehmer nicht? Wie lange wird z.B. Amazon schon folgenlos bestreikt, weil sich genügend Streikbrecher finden, die für einen weiterhin reibungslosen Betrieb sorgen?

  6. 16.

    Welcher Großkonzerne sollte sich auch in der Bundesrepublik ansiedeln wollen, wenn NABU und Co. sogar die Elektrifizierung einer bestehenden Bahnstrecke über Jahre verzögern und die NIMBYs, wenn es einen Ersatzneubau für eine bestehende Hichsoannungsleitung gibt, an dem seit 15 Jahre rumgeplant wurde.

  7. 15.

    Schönfärberei welche die Ostdeutschen für blöd verkaufen will. Ein Kriterium zum Beispiel ist der Zuzug. Weil nach Potsdam viele ziehen die sich bald wegen der grünen E-Autopflicht keins mehr leisten können und der schlechten wirtschaftliche Lage bei ihnen in den abgehangenen Regionen, steigt in Potsdam die Bevölkerung, dieses wiederum wird als Erfolg verkauft. Die skeptische Haltung gegenüber der Politik hat berechtigte Ursachen.

    Bayern bekam bis fast kurz vor dem Anschluss der DDR an die BRD Wirtschaftshilfe. Bayern hat den wirtschaftlich besseren Flughafen in Sperrenberg aus Eigennutz verhindert.

  8. 14.

    Aha wir Ossi´s sollen als "selbst Verantwortung" tragen - aber bitte nicht in Leitenden Funktionen oder Management. So etwas hören wir seit 30 Jahren und am Ende gewinnen doch die West-Netzwerke, dann heißt es "musst man halt Ellenbogen zeigen". Was für ein Käse.

  9. 13.

    Also die Sache mit "Freitag um eins" kenne ich von Behörden im ehem. Berlin (West) noch, da war nur Gedanke auf eine Wiedervereinigung schon Utopie. Das könnte also auch "Exportware" sein.
    Herr Wanderwitz hat ja schon einige "Running Gags" als "Ostbeautragter" rausgehauen, aber eine "skepitische und distanzierte Grundeinstellung gegenüber der Politik" hat nichts mit einer "ablehnenden Haltung" gegenüber der Demokratie zu tun. Das im ersteren Fall Skepsis vorhanden ist, ist eigentlich nur nachvollziehbar. Dann war da noch die „Anerkennung der Lebensleistung der Ostdeutschen“ - selbst wenn man "nur" die friedliche Revolution betrachtet, könnten sie eigentlich ihren Magenkrämpfen hingeben - und sich verneigen.

  10. 12.

    Nun trägt der Brandenburger oder Berliner Blaumann aber das gleiche Risiko, macht die gleiche Arbeit wie der Bajuware und hat, bei dem was man so hört, sieht und liest, noch deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen. Auch wenn ich ab und an eine "Blauallergie", politisch ist sie chronisch, habe, einen Vergleich mit den Lebenshaltungskosten halte ich für nicht zutreffend.

  11. 11.

    Sie müssen es ja wissen . Auf ihre Sprüche und Vorurteile stehen wir ostdeutsche drüber. Wir wissen was wir geleistet haben trotz täglicher Mangelwirtschaft. Da währt ihr schon verzweifelt.




  12. 10.

    Schon wieder mal son derber Artikel, der nur missverstanden werden kann!
    ERst die Ost-Wirtschaft nach der Wende, naja, nennen wir es mal strangulieren. Damit für eine Abwanderung von jungen und fähigen Menschen sorgen, und zwar für Jahrzehnte. Über 30 Jahre brauchen, um die Löhne anzupassen. Wenn die Löhne niedriger sind, woran ja überwiegend der Arbeitgeber (im Westen) profitiert. Wie soll dann die Wirtschaftsleistung gleich sein? Und dann gönnerhaft von : ´Naja, ihr schafft das schon´ zu faseln.
    Nicht schlecht Herr Specht, so reden wir uns die Dinge recht!

  13. 9.

    So viel billiger sind die Lebenshaltungskosten in Brandenburg gar nicht. Lebensmittelhändler, Supermarktketten haben bundesweit nahezu einheitliche Preise. Die Strompreise sind auch überall gleich teuer, um die 30 Cent pro Kilowattstunde. Benzin, Heizung auch. Die Mieten in München sind zwar teurerer, als irgendwo auf dem Land, ja. Dafür hat man in München aber in der Regel kürzere Arbeitswege und bessere Verkehrsverbindungen. Vieles dicht vor der Haustür. Auf dem Land wird stattdessen ein eigenes Auto vorausgesetzt - das kostet Geld. Für viele Sachen müssen lange und teure Fahrten unternommen werden. Dadurch sind die billigen Mieten in Brandenburg unterm Strich gar nicht immer so billig. Städte wie Potsdam und Cottbus haben übrigens auch inzwischen stark steigende Mieten zu verzeichnen. Von daher sind die Lebenshaltungskosten "im Osten" eigentlich nicht wirklich viel anders als "im Westen". Nur die Gehälter sind viel geringer, das ist der Skandal.

  14. 8.

    Wen sollte dieses Ergebnis überraschen? Nicht einmal die DDR-Diktatur hat es geschafft, die Arbeitsmoral ihrer Bürger zu heben; „Freitag ab eins macht jeder seins“ ist heute noch Leitmotto.
    Ebensowenig kann überraschen, dass die Einwohner der sog. „neuen“ Länder skeptischer gegenüber der Politik und der Demokratie eingestellt sind: Sich „dunklen Machenschaften ausgeliefert“ zu fühlen, enthebt offenbar davon, selbst Verantwortung zu tragen. Pegida und AfD leben von dieser Mentalität. Mir krümmt sich bei dem Gefasel der „Anerkennung der Lebensleistung der Ostdeutschen“ der Magen zusammen - welche Leistung denn?

  15. 7.

    " Darin hätten sich in den alten Ländern 25 Prozent und in den neuen Ländern 33 Prozent der Befragten als "Mensch zweiter Klasse" empfunden." - Dieses ewige Geheule aus den neuen Bundesländern nervt! Wenn EU - Mittel und Gelder aus dem Aufbau Ost im Sande versickert, weil die Landes- und Kommunalpolitiker im Osten zu dämlich sind, die Gelder abzurufen und/oder sinnvoll einzusetzen, dann ist natürlich wieder der Westen Schuld.

  16. 6.

    Das ist nicht ganz zu Ende gedacht. Ein Polizist in Brandenburg wird niemals das gleiche verdienen wie der Polizist in München, weil die Lebensunterhaltungskosten in Brandenburg viel niedriger sind. Eine gewisse Verhältnismäßigkeit sollte man dennoch anstreben.

  17. 5.

    "Die Wirtschaftskraft der ostdeutschen Bundesländer erreicht nur 81 Prozent des Bundesdurchschnitts. Das ist nicht der einzige Unterschied, der auch 31 Jahre nach der Wiedervereinigung noch zwischen Ost und West besteht."
    Das wird auch die nächsten Jahrzehnte so bleiben. Die Zeiten der großen Industialisierungen mit Ansiedlungen von Konzernen / Großbetriebe sind längst vorbei - bis auf (hoffentlich) wenigen Ausnahmen. Insgesamt auf ganz ehemals DDR gesehen, bildet der gesunde Mittelstand das Rückgrat der Wirtschaft.
    Ich unke mal in die Zukunft: Auch auf dem Gebiet der ehemals BRD wird es leicht bergab gehen, bis auf wenige Ausnahmen von Konzernstandorten. So gleicht sich dann Ost und West auch an. Wenn man aus dem Bruttosozialprodukt die virtuelle Wertschöpfung durch Geldgeschäfte/Aktien rausrechnet, steht ehmals BRD in der eigentlich Industrie- und Dienstleistungswerschöpfung auch nicht so propper da.

  18. 4.

    Das ich nicht lache! Tochter 87 geboren, also zu BRD-Zeiten groß geworden. Schule, Studium, alles nach DIN-Norm und soll hinterher hinken? Nein, die Politik ist es, die dafür verantwortlich ist, fangen wir doch mal mit den Renten und Gehältern an! Warum bekommt ein Polizist in Brandenburg weniger, als sein Kollege in München? Was soll uns dieser Beitrag wieder einmal vermitteln?

  19. 3.

    5 jahresplan?

  20. 2.

    Schon klar.... diese Begründungen und noch Einiges mehr, werden wohl unsere Enkel noch zu hören bekommen. Es ist doch gar nicht gewollt den Osten lohnmäßig anzugleichen bzw anzuheben.

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