Lärmbelästigung am BER - Verkehrsministerium prüft Flugrouten-Vorwürfe gegen Easyjet

Passagiermaschinen der Fluggesellschaft Easyjet auf dem Flugfeld des Hauptstadtflughafens BER (Quelle: dpa/Andreas Franke)
Bild: dpa/Andreas Franke

Vor allem Easyjet umgeht die eigentlich für Ostflüge vorgesehene BER-Flugroute - und überfliegt stattdessen Gemeinden, die vom Fluglärm verschont bleiben sollten. Die Beschwerden der Anwohner haben jetzt das Bundesverkehrsministerium erreicht.

Das Bundesverkehrsministerium will dem Ärger über Fluglärm am neuen Hauptstadtflughafen BER auf den Grund gehen. Für Anwohner einiger Gemeinden gibt es seit Wochen zusätzliche Überflüge. Hauptgrund ist, dass die Fluggesellschaft Easyjet aus technischen Gründen eine andere Flugroute wählt.

"Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur klärt hierzu den Sachverhalt", teilte Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) der Bundestagsabgeordneten Daniela Wagner (Grüne) mit. Er erinnerte daran, dass die Alternativroute aus Lärmschutzgründen möglichst vermieden werden solle.

Wagner kritisierte, es gehe drunter und drüber. "Unter dem unnötigen Lärm leiden viele tausend Menschen. Es ist dringend notwendig, sofort für mehr Disziplin zu sorgen."

Auf einer Karte sind Flugrouten vom Flughafen BER in Berlin zu sehen. (Quelle: rbb)
Rosa gefärbt: die umstrittene Ausweichroute von Easyjet. Bild: rbb

Easyjet verweist auf Gewichtsprobleme

Bei Starts Richtung Osten sollen Piloten eigentlich gleich nach dem Abheben von der Südbahn des Willy-Brandt-Flughafens im Steigflug eine Rechtskurve, die sogenannte Hoffmann-Kurve (benannt nach ihrem Erfinder, dem Eichwalder Privatpiloten Marcel Hoffmann), fliegen. Damit wird dicht besiedeltes Gebiet gemieden. Easyjet nutzt aber seit diesem Monat eine Alternative über Zeuthen, Schulzendorf und Eichwalde (alle Dahme-Spreewald). Die Airline argumentiert, dass die scharfe Kurve wegen der hohen Beladung ihrer Maschinen nicht zu schaffen sei.

Ein in der vergangenen Woche anberaumtes Treffen mit Anwohnern der Gemeinde sowie mit Vertretern der Flugsicherung und der Airline Easyjet kam nicht zustande. Kurz vor dem Treffen hatte Eaysjet-Deutschland-Chef Stephan Erler der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt, warum Easyjet den Kurvenstart am BER nicht hinbekommen würde: "Wir haben relativ viele Passagiere und mehr Gepäck als andere in den Flugzeugen. Das höhere Gewicht führt dazu, dass wir entweder die notwendige Höhe nicht haben oder die Wegpunkte nicht erreichen und es uns somit gesetzlich nicht erlaubt ist, diese Abflugroute zu fliegen." Diesem Argument wollen viele Menschen in den betroffenen Gemeinden nicht glauben.

Experte hat Zweifel und bezieht sich auf Pilotengespräche

Der Vertreter der Gemeinde Zeuthen in der BER-Fluglärmkommission, der Ingenieur und sachkundige Einwohner, Dirk Schulz, ist der Ansicht, dass diese Aussage nicht stimmen kann und dass er dafür einige Beweise gesehen habe. Er beruft sich auf Gespräche, die er mit Piloten anderer Airlines geführt habe: "Die Piloten haben mir erzählt, dass sie die gleichen Maschinen wie Easyjet fliegen, mit ähnlicher Beladung, auf ähnlichen Strecken, bei ähnlichem Wetter und dass sie die Hoffmann-Kurve einhalten können." Schulz habe unter anderem mitbekommen, wie ein A320 Airbus von Lufthansa die Kurve perfekt flog und wie fünf Minuten später der Pilot eines A320 Airbus von Easyjet einen Geradeaus-Start hinlegte und zuvor angab, dass die Konditionen nicht passen würden.

In den betroffenen Gemeinden wird immer mehr Kritik laut. Es ist der erste größere Konflikt um die Flugrouten seit der Eröffnung des Flughafens im Herbst 2020. Die Festlegung der Flugrouten 2012 hatte zu anhaltenden Protesten geführt.

Sendung: Brandenburg aktuell, 30. August 2021, 19:30 Uhr

64 Kommentare

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  1. 64.

    Aber Brücken ! Es gab doch mal eine weltbekannte Luftbrücke. Aber; eine ganz andere Route macht nicht weniger Probleme: Die über den Müggelsee. Einige Ortsteile in Schöneiche erleiden Lärm um 70 db.

  2. 63.

    Denken hier wirklich welche, ein Flugzeug lässt sich wie ein Auto „lenken“? Segler sollten es eher verstehen. Aber auch mit dem Auto kann man zB nicht im 45 Gradwinkel um die Ecke fahren, auch ein Driften wäre da nicht exakt. In der Luft gibt es auch keine Schienen.

  3. 62.

    Blödsinn, die „Ausweichroute“ ist selbstverständlich eine zugelassene Flugroute. Ohne Flugrouten geht nichts.

  4. 61.

    Es gibt vorgeschriebene Flugrouten, da kann man nicht einfach mal so einen größeren Radius fliegen. Außerdem gehts es hier um die Flughöhe, die wie vorgeschrieben erreicht werden muss.

  5. 59.

    Das ist korrekt. Allerdings haben Sie Schallschutz erhalten und viele meiner in Blankenfelde lebenden Freunde sich davon Ihre Küche finanziert

  6. 58.

    https://www.airliners.de/hoffmann-kurve-ber-vielfach-gemieden/61800

  7. 57.

    Hab mal nachgeschaut, hier ist das Problem ausführlich und nachvollziehbar beschrieben :
    https://www.airliners.de/hoffmann-kurve-ber-vielfach-gemieden/61800

  8. 56.

    Wobei ich glaube, man will vom nicht gewährten Schallschutz ablenken.
    Und Rechtens ist es bestimmt, sonst könnte man es ja verbieten.

  9. 55.

    Was ist eigentlich unter "Ostflug" zu verstehen ?
    Die bei Ostwind gewählte Startrichtung Osten oder ein Flug in Richtung eines Flugziel im Osten ?
    Wenn die nach Osteuropa wollen werden sie doch nicht die Hoffmann Kurve fliegen ?
    Also ich kenne es aus Dublin, da sind Start-und Landungen von der Windrichtung abhängig, bei Ostwind Start nach Osten und Landung aus Westen und bei Westwind analog, einmal Runde über die Stadt und andererseits direkt von der Irischen See her.
    Also Kurve abhängig von Windrichtung und Flugziel.

  10. 53.

    Es handelt sich eben nicht um eine offizielle Flugroute, sondern lediglich um eine Ausweichroute. Mit der Begründung, dass es nur eine Ausweichroute ist haben die Anwohner keinen Schallschutz erhalten. Easyjet hat diese Route für sich nun aber als Standardroute erkoren und das ist schlicht nicht rechtens.

  11. 52.

    Der Lotse wird nicht entgegen der Erklärung des Piloten diesen anweisen, die Kurve zu fliegen. Wenn der Pilot Sicherheitsbedenken anmeldet, dann ist klar, dass die Ausweichroute genommen werden muss.

  12. 51.

    Das hat nichts mit „gekonnt“ zu tun. Es wurde hier nun öfters schon klargestellt, dass physikalische Gesetze nicht gebogenen werden können, kapieren Sie das nicht?

  13. 50.

    Nun, die Wortklauberei und Hinweise auf Gefahren sind nicht hilfreich. Hier geht es wohl nur um die Hofmannkurve. Die wurde zugelassen. Fakt. Ausnahmen sind aber auch zugelassen. Fakt. EasyJet hat die Ausnahmen begründet. Fakt. Nun wird untersucht, ob die Begründung nachvollziehbar ist. Richtig? Und dann wird nach einer Lösung gesucht. Richtig? Parallel dazu ist den Anspruch auf Lärmschutz zu prüfen. Offenbar ist da ein Streitpunkt. Mir stellt sich grad die Frage, wie das zusammen hängt. Da die genannte abweichende Route zwar die Ausnahme sein soll, so ist sie doch zulässig. Warum dann nicht gleich den Lärmschutz für die Anwohner sicherstellen? Oder ist es dafür erheblich, wie oft der Lärm entsteht?

  14. 49.

    Ja weg damit die Billigflieger braucht kein Mensch.
    Auch das muß gekonnt sein vollbeladen solche Kurve hinkriegen.

  15. 48.

    Na ja eben, im Normalfall entscheidet doch der Lotse und wenn der Pilot Einwände hat, einigen sie sich.
    Es sind doch offizielle Routen die genutzt werden, wo ist das Problem ?

  16. 47.

    Abstürze sind NIE kontrolliert. Das sagt doch schon das Wort selbst - alles andere sind Landungen: Not- Sicherheits-Außenlandungen wegen Gefahr für Leib oder Leben von Menschen im Flieger oder wegen technischer Mängel/Defekte.
    Notverfahren und Verhalten in Notfällen, wie auch Triebwerksausfälle werden zwar immer trainiert und regelmäßig im Simulator geprobt, sind aber nie über eine pauschale Checkliste wirklich abzuarbeiten, dafür ist die Realität immer eine andere zur vorherigen Situation. Und wenn wir ehrlich zu uns sind: bei Triebwerksausfällen wissen wir alle, was passieren kann - gerade bei Starts/Landungen zu Flughäfen, die nahe oder in Ballungsgebieten liegen. Das ist nicht nur ein Problem am BER. Dann frage ich mal andersrum: warum Fliegen viele Leute eigentlich, wenn sie die Gefahr kennen oder gar ausblenden?

  17. 46.

    Das kann man Laien schwer bis garnicht vermitteln, vor allem, wenn es emotionsgeladene Laien sind. Erkläre mal einem wütenden Anwohner der betroffenen Orte einen möglichen Strömungsabriss im Kurvenflug mit hohem Anstellwinkel und niedriger Geschwindigkeit und die Aerodynamik mit Flaps und Slats im Zusammenhang mit Kruvengeschwindigkeiten des äußeren und inneren Tragflügels im Zusammenhang mit Gewicht, Widerstand, Leistungseinstellung, Wind, Dichtehöhe usw. und dann die Routenfestlegung durch die DFS in der Planung des BER und der damit einhergegangenen Prüfung unter dem Aspekt der Flugsicherheit.
    Das geht leider nicht im Crashkurs (keine Satire) in ein paar Minuten.

  18. 45.

    Meine Ex-Kollegen am BER machen genau das was die Verfahren vorsehen. Da die „Hoffmannkurve“ potenziell gefährlich ist, weisen sie keinen Piloten an das Verfahren zu fliegen, wenn er sagt das er das nicht kann oder will.

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