Ab 2023 - Brandenburg will Angebot im Regionalbahn-Verkehr um 30 Prozent ausbauen

Di 10.05.22 | 17:57 Uhr
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Symbolbild: Ein Regionalexpress in Richtung Elterwerda bei Schönfließ. (Quelle: dpa/R. Keuenhof)
dpa/R. Keuenhof
Audio: Antenne Brandenburg | 10.05.2022 | Oliver Soos | Bild: dpa/R. Keuenhof

Taktverdichtung, Reisekomfort, ökologischer Fußabdruck: Brandenburg plant mit dem Fahrplanjahr 2023 das Angebot im Regionalbahn-Verkehr deutlich zu verbessern. Verkehrsminister Beermann fordert dafür höhere Zahlungen aus dem Bundeshaushalt.

Brandenburg will mit dem Fahrplanjahr 2023 das Angebot im Regionalbahn-Verkehr um 30 Prozent ausbauen. Das ist ein Kernpunkt des Landesnahverkehrsplans, der am Dienstag von der rot-schwarz-grünen Landesregierung bestätigt wurde.

Der Entwurf des Plans von 2023 bis 2027 verspricht unter anderem eine Taktverdichtung und mehr Reisekomfort in modernen Zügen. Um das Klima zu schützen, sollen ab Ende 2024 auf den Gleisen im Osten Brandenburgs batterieelektrische Züge fahren und auf der Stammstrecke der Heidekrautbahn Brennstoffzellen-Züge unterwegs sein.

Verkehrsminister fordert mehr Geld aus Bundeshaushalt

Von Cottbus über den BER-Flughafen zum Berliner Hauptbahnhof soll der RE20 starten. Nach jahrelangen Planungen, die zum großen Teil vom Land Brandenburg bezahlt wurden, ist zudem für Ende 2026 eine schnelle Direktverbindung auf neu elektrifizierter Strecke zwischen Stettin und Berlin vorgesehen.

Brandenburgs Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) fordert wie seine Kollegen aus den anderen Bundesländern höhere Zahlungen aus dem Bundeshaushalt. Damit soll verhindert werden, dass der schienengebundenen Personennahverkehrs ab dem nächsten Jahr unterfinanziert ist.

Für zehn stillgelegte Bahnstrecken wie etwa Falkenberg-Herzberg und Hoppegarten-Altlandsberg sind Machbarkeitsstudien geplant. Außerdem soll Berufspendlern der Umstieg auf die Regionalbahnen leichter gemacht werden: Dazu ist vorgesehen, Park-and-Ride-Stellplätze auszubauen, Informationen über die Auslastung der Züge in Echtzeit bereitzustellen und den digitalen Ticketverkauf zu stärken.

Linke: Zusagen sind zu schwammig

Die Linke im Brandenburger Landtag kritisierte die Ankündigungen des Verkehrsministeriums. "Anstatt Strecken und Haltestellen endlich zu reaktivieren, konnte sich der Minister zu keinen konkreten, verbindlichen Zusagen durchringen", erklärte der verkehrspolitische Sprecher Andreas Büttner. "Ob es bis 2030 auch nur eine einzige Reaktivierung geben wird, steht in den Sternen." Bis zum 21. Juni sind Einwände zum Entwurf des Landesnahverkehrsplans 2023-2027 möglich. Dieses Datum habe die Linke genau im Blick, kündigte Büttner an.

Mehr und längere Züge auf der Bahnlinie RE1

Konkretes gibt es für Fahrgäste der Regionalbahn-Expresslinie RE1: Hier wird sich das Angebot bereits ab Dezember dieses Jahres ausweiten. Der Regionalexpress solle dann drei Mal statt wie bisher zwei Mal pro Stunde fahren, kündigte Verkehrsminister Beermann am Dienstag nach der Kabinettssitzung an. Von Bad Belzig werde es einen Halbstundentakt nach Potsdam und vier Mal pro Stunde solle es eine Verbindung nach Nauen geben.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 10.05.2022, 19:30 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    Das ist das Kernproblem, die Überlastung der Strecken und auch die Belastung die wiederum häufig Baustellen erzeugt. Da sich Deutschland erfolgreich gegen ein drittes Gleis für den Güterverkehr wehrt.

    Abhilfe schafft nur die Sicherungstechnik auf den Strecken zu erneuern, um die Zugabstände zu verkürzen. Eine Baustelle für die nächsten 100 Jahre! Da nicht mehr die im Regionalverkehr bestellte Zugtechnik damit ausgerüstet ist.

  2. 15.

    " inkl. Planung, Einspruchsverfahren etc. sind da 10 Jahre schnell vorbei "

    Mit 10 Jahren könnte man ja fast noch leben aber die Realität in Deutschland sieht doch eher so aus das größere Schienenverkehrsprojekte von Planung bis zur Fertigstellung 20 bis 25 Jahre dauern !!

  3. 14.

    Während hier mal wieder über das Fahrplanjahr 2023 berichtet wird, welches Mitte Dezember 2022 beginnt, geht noch ganz anders über den Ticker: Einige i2030-Bahnprojekte sollen ad acta gelegt werden: Potsdamer Stammbahn, Prignitzexpress und Verlängerung der S75 über Wartenberg hinaus. Dabei hat der Bund die Regionalisierungsmittel längst erhöht. Vielleicht findet sich ja ein investigativer Reporter, der recherchiert, wieviel von diesen Bundesmitteln tatsächlich beim SPNV landen und welche Summen andere Haushaltslöcher stopfen.

  4. 13.

    Ich staune immer über die vielen konstruktiven und positiven Kommentare hier. Das hebt doch die Laune und motiviert gewaltig ;-).

  5. 12.

    >"Wo kommt so schnell Personal her?"
    Kommt nicht. Die 30% mehr Kapazität kommen überwiegend aus Optimierungen, nicht aus wesentlich mehr Zügen oder Bussen. Als Beispiel: Auf einer RE Strecke sind bisher normale Triebwagenzüge im Einsatz. Zukünftig sind es Doppelstockzüge = 50% mehr Kapazität auf dieser einen Relation. In anderen Regionen passiert nichts. Und in einigen Regionen werden die jetzt anlaufenden alljährlichen zusätzlichen Ferien-Saisonverkehre im ÖPNV mit hinzugezählt. Schwupps... rechnet sich das statistisch aufs ganze Land Brandenburg 30% mehr ÖPNV Kapazität.

  6. 10.

    Wo kommt so schnell Personal her?

  7. 9.

    Bla Bla Bla ,seid Jahren wird gelabbert. Nichts passiert und es wird auch nichts passieren.

  8. 8.

    Seh ich auch so. Alles älter toback und nichts Neues, geschweige denn konkretes. Das was hier verkauft wird kam schon dutzendmal über den ticker. Alles andere sind nur Absichtserklärungen und wunschträume der Landesregierung, die nur machbar sind, wenn der Bund das Geld gibt.

  9. 7.

    Einige der infragekommenden Streckenabschnitte sind jetzt schon bei der DB Netz AG, Abteilung Fahrwegkapazität als überlastet gemeldet. Wie sollen da noch mehr Züge fahren? Mehr als im Blockabstand zu fahren geht nun mal nicht. Und 'einfach' mehr Schienen zu verlegen dauert sehr lange, inkl. Planung, Einspruchsverfahren etc. sind da 10 Jahre schnell vorbei.

  10. 6.

    So ähnlich... es werden nicht mehr Schläuche, sondern neuere und dickere. Die Kapazität durch Taktverdichtung zu erhöhen, geht sehr schlecht derzeit. Aber einige längere, modernere Wägelchens geht schon. Auf einigen Strecken kommen dann auch mehr Doppelstock-Einheiten auf die Schiene. Das nennt man dann Kapzitätsoptimierung. Das kostet natürlich auch zusätzlich Geld.

  11. 5.

    @Alfred Neumann

    Sehr gute Frage! Die stell ich mir auch. Bereits jetzt gibt es quasi keine Reserven, es wird schon vor dem Ansturm im Sommer beim 9-Euro-Ticket geweint. Wo sollen dann bitte die 30 Prozent herkommen? Oder fahren die einfach alle nachts wo aktuell keiner fährt? Das würde natürlich gehen und auch die Prozente bringen^^

  12. 4.

    30% mehr Angebot heisst auch 30% mehr rollendes Material und vor allem Lokführer. Lokführer sind jetzt schon sehr gesucht.

  13. 3.

    Die sogenannten Regionalisierungsmittel des Bundes dürften wohl ausreichend sein. Ich vermisse konkrete Pläne z.B. für die Stammbahn oder den Ausbau des S-Netzes zB nach Stahnsdorf. Berlin wird das Nadelöhr sein. Die Stadtbahn wird keine zusätzlichen Züge mehr verkraften. Schaut man sich das Netz in BB an so läuft alles auf Berlin zu und hier sollte der Ausbau vorangetrieben werden!

  14. 2.

    Unter einer Bedingung, wenn die Brandenburger dann auch analog wie z.B. in Radebeul und Dresden für die dadurch steigenden Kosten aufkommen. Es muss Schluss mit dem Rosinen-Picken der Speckgürtelbewohner sein: Ins Umland ziehen, aber die höheren Kosten nicht mittragen wollen, wenn Sie tagtäglich nach Berlin reinpendeln. Wahrscheinlich muss man für die Brandenburger im Speckgürtel dann auch die Parkgebühren in der Stadt erhöhen, um den Umstieg zu erleichtern.

  15. 1.

    Zum nächsten Fahrplanjahr? Wie soll das funktionieren? Die Ausschreibungen sind doch längst gelaufen. Oder wird hier erneut alter Wein in neuen Schläuchen verkauft?

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