Staatstheater Cottbus (Quelle: rbb/Thomas Krüger)
Audio: Antenne Brandenburg | 10.04.2018 | Bild: rbb/Thomas Krüger

Staatstheater Cottbus - Sänger werfen ihrem Dirigenten Beleidigungen vor

Es scheint richtig zu krachen am Staatstheater Cottbus - und zwar zwischen den Sängern auf der einen Seite und dem Generalmusikdirektor Evan Christ auf der anderen Seite. Der Vorwurf: jahrelange beleidigende Ausfälle des Chefs.

Sänger des Cottbuser Staatstheaters haben das Verhalten ihres Generalmusikdirektors Evan Christ heftig kritisiert. Um Hilfe suchend hat das Ensemble einen Brief an die Brandenburgische Kulturstiftung geschrieben, zu der das Theater gehört. Namentlich richtet sich der Brief an Martin Schüler, der Intendant des Staatstheaters ist, und an dessen Geschäftsführenden Direktor Martin Röder.

Staatstheater Cottbus: "Fidelio", Generalmusikdirektor Evan Christ übernimmt die musikalische Leitung; © Hans-Ludwig Böhme
Generalmusikdirektor Evan Christ. | Bild: Hans-Ludwig Böhme

Ein Brief mit einer Liste von Vorwürfen

Der Vorwurf: Dirigent Evan Christ soll Mitglieder des Ensembles jahrelang beleidigt haben. Die Sängerinnen und Sänger schreiben, dass sie die Zustände bei der Arbeit mit Evan Christ als unzumutbar empfinden. Die Rede ist davon, dass Mitarbeiter inzwischen körperlich und psychisch leiden. Die Autoren des Briefes listen Beispiele aus dem Arbeitsalltag am Staatstheater auf: cholerische Ausbrüche, Drohungen, Beleidigungen. Im Eifer des Gefechts sei auch schon mal ein Stuhl geworfen worden. Es handelt sich um Beispiele aus zehn Jahren, aufgelistet auf acht Seiten. Mutmaßlich hat ein Mitglied des Stiftungsrates das Dokument an die Öffentlichkeit gebracht, bevor Evan Christ selbst intern zumindest die Chance gehabt hätte, mit den Vorwürfen umzugehen.

Der Konflikt war eskaliert, weil der Musiker Frank Bernard seine Sicht auf die Situation öffentlich auf Facebook gepostet hatte. Der tägliche Terror sei unerträglich geworden, schrieb er, dabei lebten doch alle Beteiligten eigentlich für die Kunst. Bernard wurde unmittelbar danach gekündigt. Seitdem haben viele im Ensemble Angst, dass ihnen ähnliches drohen könnte. Dennoch haben sie sich mit ihm solidarisiert und ihn in dem Brief an die Stiftung verteidigt, denn inhaltlich habe ihr Kollege völlig Recht.

Wegweiser zum Staatstheater Cottbus (Quelle: rbb/Thomas Krüger)
Hinweisschild zum Staatstheater. | Bild: rbb/Thomas Krüger

Theaterleitung stellt sich hinter den Dirigenten

Die Theaterleitung hat sich inzwischen vor Generalmusikdirektor Evan Christ gestellt. Das geht aus einem Brief an das Opern-Ensemble hervor. Man habe positive Rückmeldungen erhalten, dass sich das Arbeitsklima am Haus bereits seit Monaten deutlich gebessert habe. Gleichzeitig werfen Intendant Martin Schüler und der Geschäftsführende Direktor Martin Röder den Solisten vor, durch die Art des Versendens ihres Brandbriefes, das Risiko einer Veröffentlichung eingegangen zu sein. Das grenze an Verantwortungslosigkeit.

Kulturministerin Martina Münch hofft, dass die Vorwürfe "vor Ort mit allen Beteiligten angemessen geklärt werden. Der Vorgang wird auch Thema in der nächsten Stiftungsratssitzung sein." Eine Dringlichkeitssitzung des Stiftungsrates werde es wegen des Themas nicht geben. Die nächste reguläre Sitzung des Stiftungsrates findet Ende Mai statt.

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8 Kommentare

  1. 8.

    Ich wünsche den Musikern und Solisten Durchhaltevermögen bei der Forderung nach Rücktritt des Dirigenten. Die Zeiten der Diktatoren müssen auch in der Musik der Vergangenheit angehören.

  2. 7.

    Es steht ohne jede Diskussion fest, dass der Dirigent bleibt und die Leute gehen, die den Mund aufmachen.
    Dem Ensemble wurde eine Stillhaltetaktik verordnet: Wir reden mal mit Ihnen und dafür dulden Sie schweigend.
    Wer nicht mitspielt, geht langfristig "zufällig".

  3. 6.

    Das Staatstheater im Sturzflug!
    Was ist los an diesem Haus? Ein Schauspieldirektor, für den Trommelorgien wichtiger als Sprechtheater ist, ein Musikdirektor, der Mobbing gegenüber seinem Ensemble für notwendig zur Durchsetzung hoher künstlerischer Ansprüche hält, ein Theaterdirektor, für den es in erster Linie darum geht, nichts an die Öffentlichkeit kommen zu lassen und ein Stiftungsrat, der alles nicht so ernst nimmt und in aller Ruhe die nächste turnusmäßige Sitzung in einigen Wochen abwartet, in der Hoffnung, es wird sich schon alles wieder beruhigen…
    Es schwelt im Theater, nein es brennt eigentlich schon lichterloh.
    Und da Theater für die Öffentlichkeit, seinem Publikum da zu sein hat, hat dieses Publikum ein Anrecht darauf, dass gehandelt wird. Jetzt! Und schnell!! Und gründlich!!!

  4. 5.

    Sollte es tatsächlich zu solchen Vorkommnissen gekommen sein, ist dieser Ansatz sicher nicht von der Hand zu weisen. Ich hoffe, dass sich alles klärt, und für alle Beteiligten zum Besten wendet.

  5. 4.

    Zwischen Genie und Wahnsinn liegen oftmals nur wenige Millimeter. Das war schon zu Zeiten von Friedrich Wilhelm IV im 19. Jh. so und davon ist selbstverständlich eine demokratische Gesellschaft nicht verschont, die in Teilbereichen Menschen in Leitungspositionen völlig frei agieren lässt.

    Ich wüsste da auch erst einmal keinen anderen Weg.

    Nur wünschte ich mir, dass Genie und Wahnsinn nicht so häufig gepaart sein müssten, wie es oft genug scheint und Demut kein Hinderungsgrund für kreative Schaffenskraft ist.

  6. 3.

    Ich finde es schon sehr traurig, dass anscheinend seit gut 10 Jahren auch die Leitung weiß, was da los ist und auch schon Aussprachen geführt wurden und trotzdem nicht reagiert wird. Das kann doch nicht sein! Hat man als Dirigent etwa Narrenfreiheit? Die Leitung kuscht und geht lieber den Weg „Okay, die letzten Jahre waren echt scheiße, aber hey seit ein paar Monaten gehts ja irgendwie“ Furchtbar! Das ist ja quasi zur Arbeit gehen und auf einem aktiven Vulkan sitzen.
    Schlimm ist, dass die Musiker wohl richtig viel Angst um ihre Arbeitsplätze gehabt haben mussten, wenn sie erst jetzt nach Hilfe rufen.

  7. 2.

    Warum wurden diese Entgleisungen nicht schon früher aufgedeckt? Was für ein Klima herrscht den wieder hier? Wenn man sich dann auch noch hinter den Dirigenten stellt? Was heißt das denn für den Stiftungsrat. Ist das derzeit deren Geisteshaltung? Warum will man hier das Anliegen der Betroffenen nicht wahrnehmen? Wer sind die die das nicht wollen?

  8. 1.

    Bei stark unprofessionellem und unkollegialem Verhalten müsste doch aber der Dirigent gehen.

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