Symbolbild: Sorbisch-Unterricht in einer Cottbuser Schule (Foto: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.12.2018 | Symbolbild | Anne Holzschuh | Bild: dpa-Zentralbild

Studie der Universität Leipzig - Sorbisch-Lehrer beherrschen die Sprache nicht ausreichend

Nur noch wenige Menschen sprechen sorbisch/wendisch. Die Sorben und Wenden in der Lausitz versuchen, die Sprache am Leben zu halten. Doch laut einer Studie sprechen selbst die Lehrer die Sprache nur mangelhaft.

Sorbisch/Wendisch: Mangelhaft! So lässt sich das Ergebnis einer Studie zusammenfassen, die den Sorbisch-/Wendisch-Unterricht in Brandenburg untersucht hat. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben dazu an Grundschulen, an denen sorbisch/wendisch unterrichtet wird, Kinder und Lehrer befragt.

Der Untersuchung zufolge fällt es den Sechstklässlern schwer, flüssig zu lesen, Texte zu verstehen und Fragen zu beantworten. Die Expterten kommen zu dem Schluss, dass die Sprachkenntnisse in der Grundschule schlechter als im Kindergarten sind.

Sprachmängel bei den Lehrern

Auch die Lehrer beherrschen demnach die Sprache nicht ausreichend. Sie konnten sich auch mit den Wissenschaftlern nicht in der Fremdsprache unterhalten - obwohl sie teilweise schon jahrelang Sorbisch-/Wendischlehrer sind.

Ein Grund für diesen Wissenstand ist nach Ansicht der Leipziger Wissenschaftler, dass es kaum noch Muttersprachler gibt. Auch die meisten Lehrer haben die Sprache gelernt. Außerhalb des Unterrichts wird Sorbisch/Wendisch kaum gesprochen. Außerdem fallen immer wieder Unterrichtsstunden aus. An vielen Schulen gibt es immer nur einen Sorbisch-/Wendischlehrer, der also Einzelkämpfer ist und keinen Sprachpartner hat.

Eltern sind entsetzt - und haben Ideen

Um das Problem anzugehen, fordern die Wissenschaftler der Uni Leipzig regelmäßige Fortbildungen für die Lehrer. Außerdem solle der Sorbisch-/Wendischunterricht in der ersten Klasse nicht freiwillig, sondern für alle verbindlich sein.

Institutionen wie die Domowina, der Dachverband der sorbischen/wendischen Vereine und Verbände, schlagen Alarm. Sie fordern eine Reform des sorbischen/wendischen Bildungssystems. Deshalb haben sie Mitte Dezember einen Brandbrief an die brandenburgische Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) geschrieben und bitten um ein Gespräch mit der Politikerin.

Eltern, wie Kathleen Komolka, die sich für den Erhalt der Sprache einsetzen, sind entsetzt. "Es ist fatal, dass die Kinder nach sechs Jahren Sorbisch-Unterricht am Ende weniger können, als im Kindergarten." Es zeige, dass institutionell und strukturell die Mängel im Unterricht so gravierend sind, dass es so nicht weiter gehen könne. "Wir müssen Schule ganz neu denken", fordert Komolka.

Die Elterninitiative schlägt beispielsweise eine sorbische/wendische Modellschule mit wissenschaftlicher Begleitung vor. Und auch die Eltern wünschen sich genau wie die Wissenschaftler, dass in der ersten Klasse für alle Schüler Sorbisch-/Wendisch-Unterricht Pflicht ist.

Studie der Uni Leipzig

Die Studie schließt 20 Schulen ein, an denen es Sorbisch-/Wendisch-Unterricht gibt. Insgesamt wurden 250 Schüler befragt - einmal, als sie in der vierten und einmal als sie in der sechsten Klasse waren. Sie sollten Texte lesen und zum Beispiel Fragen zu Bildgeschichten beantworten. Auch 38 Lehrer sind befragt worden.

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Es ist sicher so, dass das Niedersorbische oder "Wendische", obgleich die Sprache der Lausitzer Ureinwohner, schon lange keine allgemeine Verkehrssprache in der Lausitz mehr ist. Aber ihr Erhalt ist aus mindestens zwei Gründen notwendig. Wie in der Biologie, so ist auch in der Alltagskultur Vielfalt notwendig, um die Gesellschaft für möglichst viele, unterschiedliche Herausforderungen, die auf sie zukommen können, zu ertüchtigen. Und, ihre Existenz erinnert uns daran, dass am Ursprung des deutschen Volkes, und besonders der heutigen Ostdeutschen, auch westslawische Stämme stehen; zum Teil dieselben, die auch zur Volkswerdung unserer polnischen und tschechischen Nachbarn beigetragen haben. Denn die Sorben sind letztlich nur derjenige Teil der ehemals slawischen Brandenburger, der sich bis heute seine ursprüngliche Sprache und Kultur erhalten hat.

  2. 7.

    Polen mag näher liegen, die polnische Sprache mag mehr SprecherInnen haben und aus wirtschaftlicher Sicht vielleicht interessanter sein, aber Nieder- und Obersorbisch gehören nun einmal zur Lausitz. Es wäre doch befremdlich, diese nicht mehr zu unterrichten, wo doch an vielen Schulen auch Latein, Altgriechisch und Niederdeutsch unterrichtet werden.

  3. 6.

    So wie Sie hier mit Ihrer Unterstellung das Thema inhaltlich wie sprachlich verorten leisten Sie den Betroffenen in Südbrandenburg einen echten Bärendienst! Bleibt zu hoffen, dass jene sich nicht mit einer solchen rückwärtsgewandten Haltung gemein machen.
    In diesem Sinne kann ich dem Vorschlag von @Dino S etwas abgewinnen, wenn's um die Zukunftsfähigkeit der Region geht. Dafür zahlte ich dann auch gern meine Steuern.

  4. 5.

    Wo Polen doch so nahe ist, wäre es da nicht sinnvoller Polnisch zu unterrichten als Sorbisch. Klingt auch ähnlich, ist aber bedeutend verbreiteter und wird garantiert nicht aussterben.

  5. 4.

    Sie widersprechen sich, wenn Sie die Förderung einer nationalen Minderheit durch eine "allgemeine interkulturelle Qualifizierung" (was für eine alberne Phrase)ersetzen wollen. In wirklichkeit geht es Ihnen um die endgültige Germanisierung der Lausitz, die Sie zudem kultur- und geschichtsfern Südbrandenburg nennen.

  6. 3.

    Das kommt davon, wenn "Traditionen" im Südbrandenburgischen sich überlebt haben und dennoch künstlich weiter beatmet werden. Diese verfehlte Sonderbehandlung einer Mikro-Gemeinschaft, mitunter mit neu konstruiert Identitäten, sollte zugunsten einer allgemeinen interkulturellen Qualifizierung der Lehrkräfte aufgegeben werden.

  7. 2.

    Wenn Sorbisch/Wendisch für die unterrichtenden Lehrkräfte keine Muttersprache ist, dann ist sie für diese eine Fremdsprache auch wenn Sorbisch/Wendisch in der Lausitz eine autochthone Sprache ist. Im übrigen hätte die 'Idee' des verpflichtenden Sprachunterrichts schon vor Jahren umgesetzt werden können, jetzt haben wir bereits mehrere verlorene Generationen und diese Lücke wird nicht mehr zu schließen sein.

  8. 1.

    "Sie konnten sich auch mit den Wissenschaftlern nicht in der Fremdsprache unterhalten..."

    Was an Sorbisch ist denn eine Fremdsprache?

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