Villa Wolf von Mies van der Rohe in Gubin (Quelle: Photo Arthur Koester (1926) (c) VG Bild-Kunst, Bonn, 2016)
Audio: Antenne Brandenburg | 04.12.2018 | Holger Kessler

Umstrittener Wiederaufbau in Gubin - Bodenscanner sollen den Grundriss der Villa Wolf ermitteln

Mit Bodenuntersuchungen will ein Förderverein in Guben (Spree-Neiße) den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Bauhaus-Villa von Ludwig Mies van der Rohe vorantreiben.

Errichtet hatte der weltberühmte deutsch-US-amerikanische Architekt das Gebäude 1926. Am rechten Neiße-Ufer baute er für den Tuchfabrikanten Erich Wolf eine avantgardistische Villa. Die "Villa Wolf" wurde 1945 zerstört. Ein deutsch-polnisches Archtiekten- und Wissenschaftlerteam möchte sie nun an alter Stelle neu errichten.

Weil originale Baupläne aus den 1920er Jahren fehlen, wollen die Experten daher zu einer Art Bodenscanner greifen: Mit Hilfe eines Geo-Radars solle jetzt das alte Fundament der Villa sichtbar gemacht werden - ohne dabei die Parkanlage zu zerstören, die sich mittlerweile an der Stelle im polnischen Gubin befindet. Das teilte der Gubener Förderverein der Villa dem rbb mit.

Entwürfe von 36 internationalen Studierenden der Masterprogramme Architektur, World Heritage Studies und Heritage Conservation and Site Management. (Quelle: studienbereich denkmalpflege BTU cottbus)
Entwürfe von 36 internationalen Studierenden (Quelle: Studienbereich Denkmalpflege BTU cottbus)

Präsentation der Daten in den USA

Im Februar sollen demnach die Arbeiten beginnen. Die Experten erhoffen sich wichtige Informationen für den Nachbau wie die Außenmaße oder die authentischen Ziegelmaße der Villa Wolf. "Mit Hilfe von Strahlen kann man ohne zu Graben die Außenmaße exakt feststellen", sagt der Vorsitzende des Fördervereins, Florian Mausbach. Bisher konnten nur Entwurfspläne und einige Fotos der Luxusvilla mit 1.000 Quadratmetern ausgewertet werden.

Im Herbst 2019 sollen die Forschungsergebnisse von der Fundamentuntersuchung der Villa einer breiten Öffentlichkeit bei einer Ausstellung in der US-Stadt Chicago vorgestellt werden. Dort hatte Mies van der Rohe die Crown Hall - als Institut für Architektur und Design - entworfen und gebaut.

Sponsoren sollen Wiederaufbau finanzieren

Der Wiederaufbau der Villa ist jedoch nach wie vor ungewiss. Der Plan der Befürworter ist, mithilfe von öffentlichen und privaten Sponsorengeldern das Haus als Mies van der Rohe-Museum für den deutsch-polnischen Tourismus wieder aufzubauen. Polen und Deutschland haben ihre Bereitschaft erklärt, für das Projekt die Schirmherrschaft zu übernehmen. Damit hat das Vorhaben große Unterstützung, so der Fördervereinsvorsitzende Mausbach. Er beziechnet die Schirmherrschaften als "Segen von oben." Es zeige für mögliche Sponsoren, dass "es für beide Staaten ein wichtiges Projekt ist." Kritiker bemängeln jedoch unter anderem, dass niemand genau wisse, wie die Villa exakt ausgesehen hat.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

Das könnte Sie auch interessieren

Symbolbild: Jugendliche bei dem Besuch eines Bergwerks im Landkreis Elbe-Elster. (Quelle: imago/Joko)
imago/Joko

Lausitz vor dem Strukturwandel - Jugend ohne Kohle

An den Lausitzer Braunkohle-Kraftwerken hängen viele Arbeitsplätze - und auch die Identität der Region. Aber Strom aus Kohle geht bald nicht mehr, auch das ist Thema auf der Klimakonferenz in Kattowitz. Wie sehen junge Leute in der Lausitz ihre Zukunft? Von Daniel Friedrich