Eine Szene aus dem Stück Krieg im Piccolo Theater Cottbus (Foto: Piccolo Theater)
Audio: Antenne Brandenburg | 18.01.2019 | Sylvia Belka-Lorenz | Bild: Piccolo Theater

Cottbuser Theater reagiert auf AfD-Kritik - "Das ist nicht links, das ist humanistisch und demokratisch"

Die Kunst ist frei. Für die Brandenburger AfD möglicherweise zu frei. Sie fragt, wieso ein Theater wie das Piccolo in Cottbus, das ein Stück wie "KRG." bringt, mit öffentlichen Geldern finanziert wird. Das Theater reagiert mit einer Einladung - doch keiner kommt. Von Sylvia Belka-Lorenz

Das Cottbuser Kinder- und Jugendtheater Piccolo ist in den Fokus der AfD geraten. Stein des Anstoßes ist das Stück "KRG." Eine Inszenierung, in der sich Jugendliche mit dem Thema Faschismus auseinandersetzen.

Dafür gab es Theater- und Demokratiepreise, Lobeshymnen, überregionale Auferksamkeit - aber auch eine Anfrage der AfD im Brandenburger Landtag. Fraktions- und Parteichef Andreas Kalbitz erkundigte sich, wie und warum das Piccolo-Theater gefördert werde und was dort sonst so gespielt werde.

Das Theater hat reagiert - mit einer Einladung an alle Landtagsabgeordneten und ausdrücklich die der AfD, sich das Stück anzuschauen. Damit die Landespolitiker wissen, worüber sie streiten.

Piccolo Theater Außenaufnahme (Foto: rbb/Schneider)
| Bild: rbb/Schneider

Stell Dir vor, es ist Krieg (und keiner geht hin)

Donnerstagabend. Volles Haus, am Ende stehende Ovationen, allerdings nicht von den Gästen aus der Politik. Jeder einzelne Politiker aus Landtag und Kabinett war persönlich eingeladen worden. Gekommen ist keiner. Nur eine Grüne und ein Linker sagten wegen Krankheit ab. Gekommen sind dafür Leute aus der Stadt, Kollegen vom Staatstheater und Lehrer, die sich spontan ihre Klassen geschnappt hatten.

Ein Jugendtheaterstück, das so sehr für Furore sorgt, dass sich die AfD daran stört - eine wirksamere PR hätte man sich nicht ausdenken können, lautet der lakonische Kommentar von Piccolo-Chef Reinhard Drogla. Die Beziehung mit der AfD sei eine Fernbeziehung, "die waren ja noch nie hier", bemerkt er. "Sie interessieren sich offenbar sehr für uns und gleichzeitig finden wir es ein bisschen komisch, dass man sich so intensiv interessiert, ohne sich zu kennen."

Stadtverordneten-Vorsitzender Reinhard Drogla (Quelle: Brandenburg aktuell)
Piccolo-Chef Reinhard Drogla | Bild: Brandenburg aktuell

Grausiges Gedankenspiel

KRG ist das Jugendsprache-Kurzwort für KRIEG. Der Theaterjugendklub hat ein grausiges Gedankenspiel auf die Bühne gebracht. Stell dir vor, es wäre Krieg. Aber nicht irgendwo auf der Welt, sondern hier bei uns vor der Haustür. Wohin sollen wir fliehen? Was ist, wenn plötzlich wir die sind, die keiner reinlassen will?

Im Oktober geriet das Stück in den Fokus der AfD. Sie fragte im Landtag an, ob derlei politische Inhalte eigentlich rechtens seien und Fördermittel verdienten. Tatsächlich sind viele der Jugendklub-Mitglieder auch außerhalb des Theaters politisch aktiv. Doch das wundert Theaterleiter Drogla nicht so sehr. "Das ist überhaupt nicht links, das ist humanistisch und demokratisch. Das ist die Grundwertebasis, auf der wir arbeiten."

In diesem Sinne hätten die Jugendlichen gern mit den Politikern diskutiert - eigentlich mit jedem, der an ihrer Arbeit Anstoß nimmt. "Ich find's schon ein bisschen schade", meint Josefine. Sie hätte sich gefreut, wenn sich die Politiker das Stück angeschaut hätten - wenn sie schon über sie diskutiert haben. Doch Lilly ergänzt, dass es umso cooler war, dass dafür "so viel mehr Leute rein konnten."

Die Euphorie ist an diesem Donnerstagabend von der Bühne übergeschwappt auf das Publikum, das noch lange gesessen und diskutiert hat. Insofern war der Abend, der so ganz anders endete als er geplant war, auch ein Lehrstück über die Kraft von Theater.

Kommentar

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25 Kommentare

  1. 24.

    In ihrem vorherigen Kommentar schrieben sie doch es ist nicht Aufgabe des Landtages Theateraufführungen zu begutachten. jetzt kritisieren sie die AFD dafür, daß sie sich die Aufführung nicht angesehen hat (vielleicht hat sie es aber doch).
    Es ist aber Aufgabe des Landtages staatliche Subventionen zu erteilen, oder nicht - Fragen dürfen da erlaubt sein!
    Wir drehen uns also im Kreis. Ihr eigentliches Problem ist eigentlich eine anderes und hat mit dem Aushalten von Meinungen etwas zu tun!

  2. 23.

    Vielleicht mal andersrum: Die AfD soll mal ein pädagogisch wertvolles Stück schreiben. Mit den Dastellungen der Werte, die von der universell gültigen Menschenrechtserklärung vorgegeben sind. Sie beufen sich als Partei ja auch immer auf ihre ,,Rechte". Es gibt kein Recht auf Hetze und Rassismus in Deutschland. Siehe Grundgesesetz, Artikel 19. Es empfiehlt sich für Erkenntnisverweigerer auch das Studium des Artikels 139 des Grundgesetzes. Wenn der komplett von den dafür dann zuständigen Institutionen umgesetzt werden würde, wäre schon 2015 mit der AfD Schluss gewesen.
    Schon jetzt kommen viele ausländische Kulturschaffende wegen der AfD und ihren Verbündeten mit Angst hier her - oder sagen ab.

  3. 22.

    Sehr kluges Resumee. Durch das fehlende Interesse hat sich die AfD für weitere Kritik disqualifiziert. Thema durch.

  4. 21.

    Es ist nicht unbedingt erforderlich, dass der Cottbuser Stadtverordnetenvorsteher Drogla (SPD) bedingungslos seine Vorstellungen von seinem teuren Hobby, dem Betreiben des "Piccolo", laut eigenen Angaben im "Kampf gegen Rechts", sich überwiegend vom Steuerzahler finanzieren lassen muss.
    Die Anfrage eines gewählten AfD Abgeordneten, der haushalterisch Kosten und Nutzen von Steuergeld im Blick haben muss, ist so vom Gesetz vorgegeben und bietet keinen Raum für Hysterie. Immerhin erhält dort die AfD den größten Zuspruch aller Parteien von der Bevölkerung.

    Zumal Cottbus das "Piccolo" 1997 als kommunale Einrichtung, aus welchen Gründen auch immer, abgestoßen hat und "Piccolo" "eigentlich" als Wirtschaftsunternehmen fungieren sollte, im RBB Text alllerdings als "Jugendklub" bezeichnet wird .
    "Tatsächlich sind viele der Jugendklub-Mitglieder auch außerhalb des Theaters politisch aktiv" heißt es im RBB Text dann weiter. Da ist Fantasie bei der Ausdeutung gefragt.

  5. 20.

    Ist doch alles gut. Das Theater hat sein Stück inszeniert, die AfD stört sich daran, fragt berechtigterweise an und holt sich die zu erwartende Antwort ab. So what? Wären die Damen und Herren der AfD zudem auch noch wirklich an einem Diskurs interessiert gewesen wären sie hingegangen und hätten sich das Stück angesehen. Aber dazu scheint es ja dann nicht gereicht zu haben. Warum auch immer. In jedem Fall hätten sie gut daran getan, denn jede weitere Nachfrage oder Kritik verbietet sich nun von selbst.

  6. 19.

    Sage ich doch immer, warum mischt sich also der Landtag und die Medien in "Freiheit der Kunst" ohne Grund ein, immer wenn es angeblich oder wirklich nicht dem political corectness entspricht!

    Sie haben wirklich recht Freiheit der Kunst, der eigenen Meinung und der parlamentarischen Demokratie!

    Nun war es mal die AFD die eine Anfrage hatte, warum finanziert der Staat dies, wo gibt es da ein Problem, die AFD ist eine gewählte Partei und im Haushaltsausschuss?

    Kunst mit staatlicher Subventionierung sollte auch anderen politischen Richtungen offen gegenüber stehen. Aber Frieden und Völkerverständigung finde auch ich immer gut, nur auf staatlich finanzierte Beeinflussung stehe ich nicht so.

    Wenn die AFD demnächst Beteiligung von Steuergelder für einen eigenen Informationskanal, Fernsehsender oder Theater vom Staat bekommen möchte, wären sie mit dieser "Freiheit der Kunst" doch sicher auch nicht einverstanden, oder?
    Oder sind sie nicht für Gleichbehandlung und Demokratie?

  7. 18.

    Es gibt demokratische Wahlen und Herrschaftsformen. Damit bei Theateraufführungen anzukommen hat keinen Zusammenhang, aber man äußert sich natürlich gern mal mit woanders entlehnten Begriffen, wenn man die nicht so richtig versteht. Hauptsche, klingt irgendwie gut.

  8. 17.

    Und genau das ist lächerlich und sehr durchschaubar, was Sie so schreiben. Macht doch die AfD hier paraniodes Gewese um ein Theaterstück, das sich gegen den Krieg richtet. Völlig legitim und pädagogisch wertvoll. Es geht nicht um Rechts oder Links, es geht um Humanität und Frieden. (Linkes wird doch lediglich unterstellt, um populistisch auftreten zu können). Das ist deutlich im Sinne der Demokratie. (Dazu gibt es bei der bpb auch jede Menge Materialen). Stöckchen wieder runter ;-)

  9. 16.

    Es ist eben nicht Sache des Landtages Stücke eines Theaters, auch wenn es öffentlich finanziert wird, zu begutachten, zu bewerten und zu erlauben oder zu verbieten. Es gibt und sollte die Freiheit der Kunst geben.

  10. 15.

    Ihren Ausführungen kann ich nur zustimmen.
    Allerdings kenne ich die begriffliche Definition für RADIKALE und EXTREMISTISCHE Parteien, Institutionen, Meinungen jeglicher Ausrichtung. Hierzu siehe Bundeszentrale für Politische Bildung.
    Alles innerhalb dieses Rahmens ist politisch legitimiert und durch Wahlen aushandelbar! Dies sieht unsere FDGO ausdrücklich so vor - es gibt also kein Recht auf eine linksgerichtete Gesellschaft, genauso wenig wie umgekehrt.
    Daher tausche ich einfach mal ihre Worte:

    Für jemand, der links außen steht, ist logischerweise *alles* andere rechts.

  11. 14.

    Für jemand, der rechts außen steht, ist logischerweise *alles* andere links.

  12. 12.

    Ich bin auch für die Freiheit der Kunst. Was alles gefördert wird, sollte jedoch diskutierbar in einem Landtag sein, ohne gleich wieder einen Aufschrei gegen die AFD zu inszenieren.
    Bei anderen Parteien sind derartige Anfragen im Landtag auch keine Pressemitteilung wert, es sei denn voller Lobeshimbeeren im Kampf gegen "Rechts", was auch alles so heutzutage für Rechts gehalten wird.
    Ich weiß es ist Wahlkampf, aber vielleicht wäre eine Restsachlichkeit mal ganz gut, es wird immer einen gewissen Prozentsatz an Bürgern geben, die anfangen sich Gedanken zu machen, warum so und so, da und da berichtet wird.

  13. 10.

    ...und die, die gar nicht richtig wissen, wem sie da in die Falle gehen, sind meist diejenigen, die es sich gar nicht leisten können, AfDler zu sein. Einkommensschwache, Alleinerziehende, Kinderreiche z.b. gehören zu denen, die bei der AfD durchs Raster fallen würden. Es ist mir unbegreiflich, dass das nicht erkannt wird.

  14. 9.

    "Demokratisch" hat etwas mit freien Wahlen zu tun, aber doch nicht mit Aufführungen.
    Weiß der das nicht?

  15. 8.

    Das ist ja das Schlimme, ein geringer Teil kapiert nicht wem sie da wie die Lemminge hinterherlaufen, der andere Teil ist sich darüber total im klaren wen sie da wählen.

    Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch...

  16. 7.

    Es ist ziemlich offensichtlich, dass die AfD ein Klima der Einschüchterung und Selbstzensur erzeugen will. Jeder, der in das Visier der AfD kommt, soll sich zukünftig überlegen, was er sagt. Und jeder, der noch nicht davon betroffen ist, soll in Angst versetzt werden. Diese Leute waren schon mal in Deutschland an der Macht... Ich hoffe immer noch, dass den Menschen, die der AfD hinterher laufen, klar wird, wen sie da unterstützen.

  17. 6.

    Vermutlich fühlt sich Kalbitz direkt angesprochen.

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