Stephan Märki, Intendant und Operndirektor des Staatstheaters Cottbus ab Spielzeit 2020/21; © Marlies Kross
Bild: Marlies Kross

Interview | Neuer Cottbuser Intendant - "Das Staatstheater ist unterfinanziert"

Stephan Märki übernimmt zwar erst nächstes Jahr das Staatstheater Cottbus, ist aber jetzt schon in der Stadt aktiv. Im Interview spricht der künftige Intendant über enge finanzielle Spielräume - und sagt, was er sich von seinen Mitarbeitern wünscht.

Obwohl Stephan Amadeus Märki den Posten als Intendant des Cottbuser Staatstheaters erst im Herbst 2020 offiziell antritt, zieht er im Hintergrund schon fließig die Fäden. Drei Tage pro Woche ist er schon jetzt in Cottbus. Am Donnerstag nimmt der 64-jährige Schweizer zum ersten Mal an einem Jahresempfang des Cottbuser Staatstheaters teil. rbb|24 hat vorab mit Märki gesprochen.   

rbb|24: Herr Märki, wie ist denn Ihr erster Eindruck von den Schauspielern, Musikern, Tänzern, Sängern - von der Mannschaft insgesamt?

Stephan Märki: Ich habe auf jeden Fall vielerorts hochmotivierte Mitarbeiter vorgefunden. Ich denke, man kann sehr viel erreichen, wenn jeder Mitarbeiter überlegt: Selbst wenn ich jetzt 30 Jahre in dem Beruf bin - was könnte ich vielleicht doch nochmal besser machen? Dass jeder sich überlegt: Gibt es vielleicht noch andere Wege auf der Landkarte als die, die ich bisher gegangen bin? Wenn das jeder tut und wenn man das dann mit einem gemeinsamen Ziel tut, kann man, glaube ich sehr viel erreichen .

Wie sehen Sie denn die Finanzierung des Staatstheaters?

Man muss dazu sagen, dass das Staatstheater im Verhältnis zu seinen Aufgaben und im Verhältnis zu anderen Staatstheatern unterfinanziert ist. Da sind die Spielräume erstmal sehr eng. Das sind vielfältige Aufgaben. Eine der wichtigsten ist erstmal, die Tarifsteigerungen unter Dach und Fach zu bringen, denn eine Tariftreue für ein Staatstheater ist eigentlich Pflicht. Es geht ja darum, Kontinuität und aus Künstlersicht notwendige Neuerungen in ein vernünftiges Miteinander zu bringen.

Das bedeutet: Tolles Team, aber knappe Kassen. Wie lässt sich daraus ein Programm machen?

Es hat einfach etwas mit Qualität zu tun, so simpel und naiv wie das vielleicht klingt. Den Leuten nach dem Mund zu reden, ist nie der richtige Weg. Aber natürlich besteht das Angebot eines Staatstheaters mit vier Sparten darin, möglichst viel Publikum anzusprechen. Was ich darunter verstehe: auf das Publikum zuzugehen, aber das bitte mit Geist und mit Intellekt und auch mit Verführung zum Nachdenken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Sendung: Antenne Brandenburg, 20.06.2019, 16:10 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Das Land subventioniert das Staatstheater mit 15 Mio. € in diesem Jahr, aber der Publikumszuspruch hält sich in Grenzen. Bei einer Vorstellung in der Kammerbühne (eine weitere Spielstätte) waren wir nur etwa 20 Zuschauer - und hinterher wusste ich auch warum. Das große Haus mit 600 Plätzen ist auch eher selten ausverkauft. Für die letzte Spielzeit werden 127.414 Besucher ausgewiesen. Die gesamte freie Theaterszene in Brandenburg erhält vom
    Land 1,3 Mio. € Subventionen und kommt auf 'mehr als 200.000 Zuschauer'.
    Meine provokante These: Das Staatstheater ist durch die üppigen Landeszuweisungen in der Lage am Geschmack des Publikums vorbei zu produzieren.

  2. 1.

    "zieht er im Hintergrund schon fließig die Fäden." - Ja, wer mit der Enlassung von langjährigen Mitarbeitern anfängt, tut das allerdings.

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