Dietmar Woidke bei der Vorstellung Lausitz Festival (Foto: rbb/Erler)
Audio: Antenne Brandenburg | 07.09.2020 | Sascha Erler | Bild: rbb/Erler

Konzerte, Lesungen, Diskussionen beim Lausitz-Festival - Wie der Strukturwandel mit Kultur beleuchtet werden soll

Wie blicken Kulturschaffende auf den Strukturwandel in der Lausitz? Brandenburg und Sachsen stellen im September das erste grenzüberschreitende Lausitz-Festival auf die Beine, mit internationalen Künstlern. Jetzt wurde das Programm vorgestellt. Von Sascha Erler

Die Milliarden für den Strukturwandel in der Lausitz sind gerade erst frisch beschlossen, da denken viele zuerst an neue Arbeitsplätze, Forschung oder die Ansiedlung von Unternehmen. Brandenburg und Sachsen wollen aber auch den Kulturwandel in den Köpfen vorantreiben.

Das Lausitz-Festival findet vom 25. September bis 16. Oktober statt - mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern, 50 Konzerten, Lesungen, Diskussionen und Installationen. Wie das mitten in Corona-Zeiten funktionieren kann war eine der Fragen, die bei der Programmvorstellung durch den Intendanten des Festivals und die Ministerpräsidenten als Schirmherren am Montag in Cottbus besprochen wurde.

Intendant mit internationalem Blick

Drei Herren stehen auf der Bühne, die europäisch denken. Brandenburg und Sachsen wollen gemeinsam den Scheinwerfer auf die Lausitz richten, wie der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) es formuliert. "Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Perspektiven für die Region - das sind alles harte Fakten. Aber was wir brauchen ist auch die Inspiration und dafür brauchen wir auch die Kunst."

Und da wird geklotzt. Musiker, Philosophen und Künstler von Weltrang werden sich ab Ende September bis Mitte Oktober in der Lausitz ein Stelldichein geben. Auftrittsorte sind unter anderem der Klostersaal der ehemaligen Haftanstalt Luckau (Dahme-Spreewald), das Staatstheater Cottbus, die Orangerie Muskauer Park in Bad Muskau (Görlitz)und der Ostdeutsche Rosengarten Forst (Spree-Neiße)

Auch die Wahl des Festival-Intendanten ist ein Signal. Daniel Kühnel ist Intendant und Geschäftsführer der Symphoniker Hamburg, bringt internationale Erfahrung in die Lausitz und den internationalen Blick. Die Region müsse sich, so wie jetzt bei diesem Festival, Landesgrenzen-übergreifend präsentieren. "Von London aus gesehen oder gar New York oder Rio de Janeiro muss es unbedingt eine Region sein." Er ist der Meinung, dass der Schulterschluss beider Länder sehr wichtig war, "um die Begeisterung zu erzeugen, die wir jetzt sehen."

Anfängliche Skepsis

Wobei das mit dem Schulterschluss mit viel Poltern gestartet ist. Im vergangenen Jahr war Sachsen vorausgeprescht, hatte ein erstes eigenes Lausitz-Festival auf die Beine gestellt. Die Brandenburger fühlten sich nicht mitgenommen. Viele Kulturschaffende aus der Region waren auch mit Blick auf die Intendantenwahl skeptisch: Da kommt jemand aus Hamburg und will uns zeigen, wie man richtig Kultur macht.

Die Frage ist laut Kühnel, wie die involvierten Menschen vor Ort und von außerhalb bereit sind, sich auf die gemeinsame Idee einzulassen, "die jenseits von sich geht". Da habe er in den vergangenen Monaten und Jahren "in der Lausitz eine unglaublich große Bereitschaft erlebt."

Das Denken über den Strukturwandel erweitern

Herausgekommen ist ein Programm mit 50 Veranstaltungen über die komplette Lausitz verteilt. Internationale Künstler, Video-Installationen, Konzerte, Vortragsreihen, Schauspiel. Sie alle beschäftigen sich im weitesten Sinne mit der Frage: Wie wird es weitergehen mit der Lausitz? "Es muss auch eine kulturelle Antwort geben. Und die bereichert nicht nur um weitere Möglichkeiten, sondern auch um eine Dimension des Denkens", sagt der Intendant. "Wie wir über etwas denken ist auch entscheidend dafür, wie etwas am Ende wird."

Das Programm hat Daniel Kühnel in nicht einmal sechs Wochen zusammengestellt. Das sei für die Planung eines solchen Festivals eigentlich ein Witz. "Wir haben uns entschieden, das Unmögliche möglich zu machen." Wegen der Corona-Pandemie hätte das Festival beinah nicht stattfinden können. Nun wurde ein Hygiene-Konzept für alle Veranstaltungen erstellt und die Besucherzahl wird auf ein Drittel der Normalkapazität reduziert. Und so werde es eine Art Rohbau eines Festivals geben, ein "großes Richtfest eines Gebäudes, das schon erkennbar ist und sehr große Begeisterung entfacht", sagt der Intendant.

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1 Kommentar

  1. 1.

    "Herausgekommen ist ein Programm mit 50 Veranstaltungen über die komplette Lausitz verteilt. Internationale Künstler, Video-Installationen, Konzerte, Vortragsreihen, Schauspiel. " Wenns Geld gibt, kommen viele internationale Künstler. Menschen vor Ort haben davon bestenfalls sehr kurzfristig etwas.

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