Dreharbeiten für auf der Forster Radrennbahn, Heinz Rühmann erster Radfahrer von rechts (Quelle: Sammlung Frank Henschel)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.10.2020 | Daniel Mastow | Bild: Quelle: Sammlung Frank Henschel

"Strich durch die Rechnung" - Verschollener Rühmann-Film wird in Forst wieder aufgeführt

1932 stand Forst in der Lausitz Kopf: Auf der Radrennbahn wurde der UFA-Film "Strich durch die Rechnung" gedreht, mit Heinz Rühmann und 2.000 Komparsen. Dann war der Film Jahrzehnte verschollen. Hobby-Historiker haben ihn wieder aufgespürt. Von Iris Wussmann

Wenn im "Forster Hof" die Lichter ausgehen und zu schnarrender Musik die ersten Schwarz-Weiß-Bilder über die Leinwand flackern, dann erleben die Zuschauer einen historischen Moment. 88 Jahre nach seiner Uraufführung 1932 genau an dieser Stelle wird erneut der Film "Strich durch die Rechnung" gezeigt, erstmals am Donnerstagabend - und das nach einer langen Odyssee.

Aufnahmen auf der Radrennbahn

Im Juli 1932 "weht die Ufa-Fahne in Forst", wie das Tageblatt damals schreibt. Auf der Radrennbahn werden die Außenaufnahmen für den Film "Strich durch die Rechnung"gedreht.

In den Hauptrollen: Heinz Rühmann, Käthe von Nagy und Tony van Eyck. Rühmann ist damals 30 Jahre alt und noch am Anfang seiner Karriere. In der Komödie spielt er den Rennfahrer Willy Streblow.

Zeitgleich mit der deutschen wird eine französische Fassung in Forst gedreht. Diese erlebt ihre Uraufführung im "Moulin Rouge" in Paris, läuft anschließend unter anderem in Ungarn und den USA.

Strich durch die Rechnung(Quelle: Sammlung Frank Henschel)
| Bild: Quelle: Sammlung Frank Henschel

Rühmann verletzt sich bei Dreharbeiten

Zunächst aber sorgen die internationalen Schauspieler für Glanz in Forst. Sie übernachten dort in den Hotels, speisen in den Gaststätten.

2.000 Komparsen sind bei den Dreharbeiten auf der Radrennbahn dabei, bei denen sich Heinz Rühmann verletzt, so dass der Dreh für einige Tage unterbrochen werden muss.

Rühmann soll sich derweil in den Lokalen von Guben vergnügt haben. Das ist eine von vielen Anekdoten, die der Forster Heimatforscher Frank Henschel gemeinsam mit dem Film ausgegraben hat.

Denn der erlebt eine von Krtitikern gelobte Urauffühung im Berliner Ufa-Filmpalast am Berliner Zoo, wird auch in Forst zig-mal gezeigt, geht aber dann in den Wirren des Zweiten Weltkrieges verloren. 1991 stoßen aus Forst stammende Filmemacher auf zehn Filmrollen, erwerben sie für mehrere Tausend US-Dollar.

Heinz Rühmann wird massiert(Quelle:Sammlung Frank Henschel)
Bild: Quelle: Sammlung PSV Forst

Zehn Minuten Ton müssen rekonstruiert werden

Einige Sequenzen verwenden sie in ihrem Film über Forst. Die Filmrollen erweisen sich aber als zu empfindlich, können nicht öffentlich präsentiert werden.

Auch Heimatforscher Frank Henschel sucht beharrlich nach dem Film. In Russland wird er fündig, findet eine brauchbare Kopie. Zehn Minuten sind allerdings ohne Ton. Sie können dank eines Drehbuchs des Films rekonstruiert werden, das sich seit 90 Jahren im Bestand des Forster Museums befindet. Der Gesamtfilm dauert 99 Minuten, das sind 2.708 Metern Filmmaterial.

Hunderte Forster werden bei den vier Aufführungen im "Forster Hof" erwartet. Mit Sicherheit werden sie nach den Eltern und Großeltern Ausschau halten, die damals dabei waren, als ihr Forst sich für einen Sommer im Filmglanz sonnte.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.10.2020, 16:10 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Der Film wurde am 25. OKTOBER 1932 in Berlin uraufgeführt. Vor 88 Jahren. Bitte. Gern geschehen.

  2. 4.

    @Christian Rudolph
    Es ist immer wieder erfreulich, solche moralisch hochwertigen Berichte zu lesen, wie selbstlos sie sich zur Zeit des NS verhalten hätten.
    Sie hätten wahrscheinlich während der NS-Zeit Herrn Goebbels kräftig den Marsch geblasen.
    Ihre hellseherischen Kenntnisse, wie es 20 Jahre später aussehen würde, hätte Ihre filmerische Karriere in den 50er Jahren gerettet - solange wären Sie Abstinenzler.

  3. 3.

    Lese ich da richtig: "88 Jahre nach seiner Uraufführung"?

  4. 2.

    Heinz Rühmann hat sich in der NS-Zeit unter dem Druck der schändlichen "Nürnberger Gesetze" von seiner damaligen jüdischen Frau Maria Bernheim scheiden lassen. Göbbels hatte ihm dazu geraten, damit er seine Nazikünstler-Karriere fortsetzen konnte. Diese Karriere konnte er auch in der BRD problemlos weiter fortsetzen. Wirklich kein Grund zu feiern, wenn jetzt olle Schinken mit ihm auftauchen.

  5. 1.

    ... Rühmann ist ein sehr beliebter Schauspieler... allerdings hat der Bruchpilot, aus den heutigen politisch korrekten Zeiten, den Nazis keinen Strich durch die Rechnung gemacht..

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