Weltspiegel in Cottbus (Quelle: imago images/Rainer Weisflog)
Video: Brandenburg Aktuell | 07.12.2020 | R. Herkner | Bild: imago images/Rainer Weisflog

Fünf Gründe - Warum das digitale Filmfestival Cottbus richtig gut werden könnte

Wegen Corona bleiben die Kinosäle für den Rest des Jahres geschlossen. Doch das Filmfestival Cottbus, das am Dienstag beginnt, lebt im Stream weiter. Fünf Gründe, warum die digitale Ausgabe der analogen sogar überlegen sein könnte. Von Fabian Wallmeier

Das Filmfestival Cottbus hat die Zeichen der Zeit rechtzeitig erkannt. Schon bevor sich immer deutlicher abzeichnete, dass ab November ein Lockdown drohen würde, setzte es mit großer Kraft auf Streaming. Eine Hybrid-Ausgabe sollte es werden: mit an die Hygienevorschriften angepasste Kinovorstellungen in Cottbus - und mit einem umfangreichen Streaming-Angebot.

Es ist nun anders gekommen: Der Lockdown wurde vom November auf den Dezember ausgeweitet und so kann auch der Nachholtermin nicht im Kino stattfinden. Aber weil man beim Streaming-Angebot schon so gut aufgestellt war, kann nun immerhin der digitale Teil des 30. Filmfestivals Cottbus stattfinden. Dem Festival-Team ist es gelungen, von den ursprünglich 201 geplanten Filmen immerhin 150 im Stream zu zeigen, darunter auch die komplette Sektion Wettbewerb Spielfilm.

Natürlich ersetzt nichts das Kinoerlebnis: das gemeinsame Schauen eines Films auf großer Leinwand, den Austausch mit anderen zwischen zwei Festivalfilmen. Auch ich hätte lieber im schönen Saal des Weltspiegels die Filme geschaut, je nach Tageszeit mit einem doppelten Espresso oder einen Glas Weizen von der Bar. Gern hätte ich wieder die immer so angenehm freundlichen und zugewandten Fragen des Cottbuser Publikums an die Filmschaffenden in den vielen Q&As gehört, mit Bekannten und Unbekannten über die Filme geplaudert. Und von Herzen hätte ich es dem Festival-Team und den Cottbuser*innen gegönnt, in diesem Jahr besonders zu feiern - es ist nämlich das Jubiläums-Festival, die 30. Ausgabe.

Aber immerhin muss das Festival nun nicht ganz ausfallen - und die Streaming-Ausgabe (8. bis 31. Dezember) hat sogar ihre klaren Vorteile. Machen wir das Beste draus!

1. Das Festival der noch kürzeren Wege

In Cottbus hat man es nicht weit zwischen den Hauptspielstätten. Vom Weltspiegel bis zur Stadthalle läuft man zum Beispiel zehn Minuten, von dort weiter zur Kammerbühne des Staatstheaters gerade einmal sieben.

In diesem Jahr nun hat man es noch ein bisschen kommoder. Zwischen zwei Filmen bewegt man sich vielleicht mal vom Wohnzimmer in die Küche, um sich einen neuen Kaffee zu kochen. Und nicht zuletzt: Streamen kann man nicht nur in Cottbuser Wohnzimmern, sondern auch in Potsdam, Berlin, München, Saarbrücken. Ein klarer Vorteil ist das auch für mobilitätseingeschränkte Filmfans. Allerdings: Die internationalen, vor allem osteuropäischen Gäste, die sonst das Festival beleben haben dieses Jahr Pech - das Streaming-Angebot ist nämlich nur aus Deutschland erreichbar.

2. Viermal so viel Zeit zum Filmegucken

Das Filmfestival Cottbus geht traditionell von Dienstag bis Sonntag. Doch die Stream-Ausgabe ist exakt viermal so lang: Vom 8. bis 31. Dezember ist das Streaming-Angebot verfügbar - und das natürlich rund um die Uhr. Man kann sich also sein ganz individuelles Filmprogramm nach Lust und Laune zusammenstellen. So kann dann sogar der "Russische Tag", traditionell der Festival-Mittwoch, an dem im Weltspiegel eine kleine Auswahl russischer Filme gezeigt wird, 2020 fast zum russischen Monat erweitert werden.

Noch ein Vorteil des verlängerten Festivals: Es umfasst in diesem Jahr Weihnachten und Silvester. Wer also an und zwischen den Feiertagen Langeweile hat, vielleicht sogar coronabedingt allein zu Hause ist, kann sich die Zeit mit osteuropäischer Filmkunst vertreiben.

Aber Vorsicht: Auch für das digitale Festival gibt es, genau wie im Kinosaal, begrenzte Kontingente. Es lohnt sich also, einige Filme schon einmal vorzeitig zu buchen. Anschauen kann man sie sich dann auch später noch. Den gesamten Festivalzeitraum über kann das jeweilige Ticket eingelöst werden, anschließend hat man 24 Stunden Zeit um sich den Film anzusehen. Nur sehr wenige Filme sind nur für kürzere Zeit verfügbar: Die drei Wettbewerbsfilme "All the Pretty Little Horses", "In the Shadows" und "The Campaign" sind nur vom 8. bis 13. Dezember verfügbar - also exakt den Zeitraum, in dem das analoge Festival in den Cottbuser Spielstätten stattgefunden hätte.

3. Weniger Geld fürs Ticket zahlen

Man kann es nicht anders sagen: Die Streaming-Tickets beim Filmfestival Cottbus sind ausgesprochen günstig. Man zahlt nicht nur (zurecht) deutlich weniger als im Kinosaal, sondern auch im Vergleich mit anderen Filmfestivals, die in diesem Jahr coronabedingt einen Teil ihres Programms ins Netz verlegt haben. Waren dort Ticketpreise von sechs bis acht Euro üblich, kostet ein Ticket in Cottbus nur 3,99 Euro.

4. Nach der Preisverleihung ist vor dem Stream

Am Festival-Samstag werden traditionell die Preise des Festivals, die Lubinas, verliehen. Das ist auch in diesem Jahr so. Doch wer die ausgezeichneten Filme verpasst hatte, musste schon großes Glück haben, um sie im Anschluss noch zu sehen: Am Abschlusstag, dem Sonntag, ist naturgemäß dann nur noch ein kleiner Teil des Programms zu sehen.

Dieses Jahr dagegen geht das Festival der digitalen Preisverleihung am 12. Dezember noch satte 19 Tage weiter. Man kann also, sofern die Kontingente und sonstige Einschränkungen (s. "Viermal so viel Zeit zum Filmegucken) es zulassen, noch in aller Ruhe nachholen, was man verpasst hat.

5. Vielleicht mal wirklich alles gucken?

Komplettist*innen haben es auf Filmfestivals immer schwer: Niemals schafft man es, alles zu sehen. In Cottbus geht das Festival normalerweise von Dienstagabend bis zum frühen Sonntagabend. Selbst wenn man sich anstrengt: Einen Langfilm am Dienstag, jeweils fünf von Mittwoch bis Samstag und noch mal vier am Sonntag - mehr ist beim besten Willen nicht drin. 25 Filme macht das unterm Strich. Geht man dann noch davon aus, dass hier und da ein Kurzfilm vorab gezeigt wird oder man sich ein Kurzfilmprogramm ansieht, kommt man vielleicht auf 30.

Damit hätte man vom ursprünglich geplanten diesjährigen Programm (201 Einzelfilme) ein gutes Siebtel geschafft, von dem nun im Stream verfügbaren Anteil auch nicht mehr als ein Fünftel. Jetzt, wo man bis Ende des Jahres Zeit hat, scheint erstmals zumindest rechnerisch möglich, wirklich das komplette Angebot zu sehen: 150 Filme an 24 Tagen, macht pro Tag im Schnitt sechseinviertel, darunter auch Kurzfilme. Wer hat noch Resturlaub und nimmt die Herausforderung an?

Mehr Infos zum Filmfestival Cottbus

Bernd Buder ist Direktor des Filmfest Cottbus. (Quelle: rbb/RBB Kultur - Das Magazin)
rbb/RBB Kultur - Das Magazin

Video: RBB Kultur - Das Magazin | 05.12.2020 | Knut Elstermann

Beitrag von Fabian Wallmeier

1 Kommentar

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  1. 1.

    Sorry, aber ein stream kann niemals besser als ein Live Festival sein. Brauch man sich nicht schön reden...Fakt.

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