Patric Seibert filmt Schauspielerin Barbara Dussler
Audio: Antenne Brandenburg | 27.01.2021 | Josefine Jahn | Bild: Staatstheater/Marlies Kross

Holocaust-Gedenken - Staatstheater Cottbus inszeniert Bachmanns und Celans Liebe

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland - Anlass für ein Online-Projekt am Staatstheater Cottbus. Eine szenische Lesung des Briefwechsels zwischen Paul Celan und Ingeborg Bachman. Und Erinnerung an den Librettisten Fritz Löhner-Beda. Von Josefine Jahn

"Toujours l'amours", immer die Liebe, gesungen von Schauspielerin Barbara Dussler, stammt aus der Feder des österreichischen Librettisten Fritz Löhner-Beda, der 1942 im KZ Auschwitz ermordet wurde. An ihn erinnert das Staatstheater Cottbus mit einem szenischen-musikalischen Zusammenschnitt. Für Dramaturg, Regisseur und Puppen-Spieler Patric Seibert-Wolf ist das Online-Projekt eine Herausforderung. "Es ist etwas ganz anderes mit seinem Publikum nicht direkt interagieren zu können. Im Theater kann man auf Zuschauer reagieren, das ist einem hier vollkommen verwehrt", beschreibt er die Situation.

Gemeinsam mit Barbara Dussler und dem musikalischen Leiter Frank Bernard am Klavier lässt Seibert-Wolf, der mit einer Klappmaul-Puppe Fritz Löhner-Beda verkörpert, musikalische Blüten des Österreichers wieder aufleben.

Beim Dreh: Schauspielerin Barbara Dussler und Patrick Seibert mit der Fritz Löhner-Beda-Puppe
Beim Dreh: Dussler, Seibert mit Fritz Löhner-Beda-Puppe | Bild: Staatstheater/Marlies Kross

"Diese Briefe sind teilweise verletzend, teilweise sehr, sehr liebevoll"

Ein weiteres Projekt befasst sich mit dem Briefwechsel Paul Celans und Ingeborg Bachmanns. Ihr Briefwechsel ist das Zeugnis zweier Menschen, die sich liebten, die einander brauchten und doch nicht miteinander leben konnten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Shoah fanden sich die evangelische Kärntnerin aus Klagenfurt und der Jude aus Czernowitz in Wien. In sechs gemeinsamen Wochen verschmolzen ihre Lebenswelten und sie entwickelten einen gemeinsamen Raum für ihre dichterische Sprache, skizziert das Cottbuser Staatstheater in einer Presseinformation die Beziehung der beiden.

Barbara Dussler und Patric Seibert-Wolf rezitieren aus dem Brief-Band "Herzzeit", der im Suhrkamp Verlag erschienen ist. "Diese Briefe sind teilweise verletzend, teilweise sehr, sehr liebevoll. Es wird um Sprache gerungen, Sprache, die Deutsche und Juden wieder zusammenbringen können. Und diese Liebe scheitert auch an dieser Vergangenheit. Und das wollen wir szenisch darstellen", erklärt Seibert-Wolf.

Patric Seibert filmt Schauspielerin Barbara Dussler
Patric Seibert filmt Schauspielerin Barbara Dussler | Bild: Staatstheater/Marlies Kross

Geprobt und aufgezeichnet unter den geltenden Hygienevorschriften sind beide Projekte für alle Beteiligten eine besondere Art, zu arbeiten. Das Resultat sind zwei digitale Projekte, die erinnern, an zwei der bedeutendsten, deutschsprachigen Dichterinnen und Dichter: Ingeborg Bachmann und Paul Celan, und an den Librettisten Fritz Löhner-Beda, dessen Lieder bis heute bekannt sind.

Anlässlich des von den Vereinten Nationen zum Holocaust-Gedenktag ausgerufenen 27. Januar wird am Freitag das Stück zum Bachmann-Celan-Briefwechsel online gestellt, die filmische Miniatur über Fritz Löhner-Beda wird am 29. Januar veröffentlicht.

Beides wird auf der Internetseite des Staatstheaters, sowie auf dem Youtube-Kanal des Staatstheaters kostenlos und dauerhaft abrufbar sein.

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