Intensivsprachkurs in Cottbus - Wenn Schwaben in der Lausitz Sorbisch lernen

Audio: Antenne Brandenburg | 02.07.2021 | Jasmin Schomber | Bild: dpa-Zentralbild

"Powědamy něnto serbski" heißt "Wir sprechen jetzt Sorbisch" - und trifft nun auch auf rund 50 Erwachsene zu, die gerade einen Intensivsprachkurs in Cottbus hinter sich haben. Noch nie hatte der Kurs so einen großen Zulauf. Von Ines Neumann

Zum Ende der ersten Brandenburger Ferienwoche gab es in Cottbus schon wieder Zeugnisse. Am Freitag haben sie die Männer und Frauen überreicht bekommen, die in der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur einen Kompaktsprachkurs mitgemacht haben.

54 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie Polen haben fünf Tage lang intensiv Niedersorbisch gepaukt, beziehungsweise Wendisch, wie es in der Niederlausitz traditionell genannt wird. "Wir haben dieses Jahr ganz viele junge Leute dabei - und einen Rekord", sagt Schulleiterin Ute Henschel. Seit 1995 gibt es dieses Angebot in den Sommerferien. Doch so viele Anmeldungen wie in diesem Jahr habe es noch nie gegeben.

Sprache lernern für die Großmutter

Die Grundvoraussetzungen der Teilnehmer sind völlig unterschiedlich. In fünf Kursen mit unterschiedlichem Sprachniveau lernen absolute Anfänger genauso wie diejenigen, die schon fließend die Sprache sprechen. Die Motivation der Einzelnen ist unterschiedlich, sagt Henschel. "Entweder sie brauchen es für Beruf, oder aber für die Familie oder sie haben eine wendische Großmutter."

Und so sitzen im Kurs junge Leute aus der Region, für die die sorbische Sprache zum Alltag gehört, Angestellte aus sorbischen Institutionen oder Sprachinteressierte wie Nora Martin aus der Nähe von Frankfurt/Main: "Es macht sehr viel Spaß, eine neue Sprache zu lernen, die so anders ist als die, die ich bisher gelernt habe", sagt Martin.

Auch vertreten ist das Schwabenland: Teilnehmer Klaus Weyrether ist aus Stuttgart nach Cottbus gekommen. Seine Vorfahren sprachen die Minderheitensprache Patouà, deren letzter Sprecher 1952 starb. "Das Wendisch-Niedersorbische interessiert mich eigentlich schon seit meinem Jugendalter. Jetzt war es einfach mal an der Zeit, hier vor Ort die Sprache richtig zu erlernen", sagt Weyrether.

Kursteilnehmer erleben Sorbische Kultur

Aus Bonn angereist ist Morten Pohl, der ursprünglich aus Vetschau kommt. Er ist dabei, weil für ihn "die sorbische Sprache und Kultur untrennbar mit der Lausitz zusammenhängen und demnach auch ein wichtiger Bestandteil von Heimat ist."

Auch der Kompaktkurs legt Wert auf die kulturelle Seite der Sorben/Wenden. Nach dem Unterricht an der Schule wird mal getanzt, mal geht es in eine sorbische Kunstausstellung und mal auf Wanderung zu den Relikten abgebaggerter sorbischer Dörfer. Gesprochen wird dabei die ganze Zeit Sorbisch.

Die Kursteilnehmer singen im Freien (Foto: rbb/Neumann)Singen ist wichtig zum Erleben der Sprache, momentan ist es aber nur im Freien erlaubt.

Mit die weiteste Anreise hatte Robert Bielecki. Er ist einer von drei Teilnehmern, die aus Polen kommen. Ihn interessiere die Sprache nicht nur, weil sie mit dem Polnischen verwandt ist - seine Familie kommt aus der Lausitz. "Meine Vorfahren wanderten nach Polen aus. Es waren mehrere Familien, die in der Gegend von Krakau zusammengekommen sind." Und auch dort war die Sprache präsent. "Ich konnte da auch als kleiner Bub erleben, dass bei Festen nach polnischen Liedern auch Wendisch gesungen wurde."

Gesungen wurde auch im Cottbuser Kompaktsprachkurs. Denn das Singen sei wichtig zum Erleben der Sprache, sagt Schulleiterin Ute Henschel. Und mit sorbischer Musik endet schließlich auch der Intensivsprachkurs - am Samstag auf einer Kahnfahrt durch den Spreewald.

Beitrag von Ines Neumann

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dass im oestlichen Deutschland slawische Sprachen gesprochen werden, wusste ich. Unbekannt war mir bisher eine romanische Tradition im Suedwesten. Aber vermutlich ist mit dem Patoua "nur" der deutsche Zweig des okzitanischen, also alpin-franzoesischen und -italienischen, Patois zur Ruhe gegangen, das ja hinter der Grenze durchaus noch lebt? - Vllt koennte mit Lausitzer Know-How im Laendle eine grenzueberschreitende Sprachtradition wiederbelebt werden? Das waere im Sinne einer europaeisch-regionalen Identitaet eine weitere schoene Sache, finde ich.

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