Villa Wolf in Gubin - Wie ein zerstörter Mies-van-der-Rohe-Bau rekonstruiert werden soll

Freigelegtes Untergeschoss der Villa Wolf: 80 Prozent der Fläche sind mittlerweile freigelegt, die Fläche des Untergeschosses beträgt 300 Quadratmeter. (Foto: rbb/Jahn)
Bild: rbb/Jahn

Der kastenartige Backsteinbau, die Villa Wolf in Gubin, gilt als erstes "modernes" Haus des legendären Bauhaus-Architekten Mies van der Rohe. Vor fast 100 Jahren wurde es gebaut, im Krieg zerstört, die Ruinen überwuchert. Ein Verein hat nun kühne Pläne.

Immer mehr kommt vom Bauhaus-Erstlingswerk des Architekten Mies van der Rohe - der Villa Wolf in Gubin - ans Tageslicht. Inzwischen konnten 80 Prozent der Überreste freigelegt werden. Dabei handelt es sich um das 300 Quadratmeter große Untergeschoss.

Van der Rohe hatte vor rund 100 Jahren die Villa, einen kastenartigen Backsteinbau, erschaffen. Von 1926 bis 1945 stand sie in Guben, auf dem Gebiet des heutigen polnischen Gubin. Im zweiten Weltkrieg wurde die Villa zerstört.

Von der Ruine zum Museum?

Geplant ist es, sie nun originalgetreu zu rekonstruieren. "Es soll ein Mies van der Rohe-Museum werden", sagt Florian Mausbach, der Vorsitzende des Fördervereins Villa Wolf, bei einem Gang über die Grabungsstelle am Freitag. "Es gibt noch kein Van der Rohe-Museum auf der Welt. Es wäre das erste."

In diesem Gebäude soll vor allem das europäische Werk des Architekten gezeigt werden, seine frühe Entwicklung aus einer traditionellen Arbeit "hin zur radikalen modernen Architektur." Später schuf der deutsch-amerikanische Architekt weltweit bedeutende Hochhäuser und Bauten.

Florian Mausbach, Vorsitzender des Fördervereins Villa Wolf, zeigt einen Fund, der beim Freilegen des Kellers der Villa Wolf entdeckt wurde. (Foto: rbb/Jahn)Florian Mausbach, Vorsitzender des Fördervereins Villa Wolf, zeigt einen Fund

Ein "Meilenstein" der modernen Baugeschichte

Für die Umsetzung der Pläne werden voraussichtlich zwei bis drei Millionen Euro gebraucht. Dafür stellen die Städte Guben und Gubin Förderanträge, unter anderem bei der Europäischen Union.

Seit vielen Jahren wirbt der Förderverein Villa Wolf für das Projekt - und das hat seinen Grund, sagt Mausbach. "Es ist ein Meilenstein der modernen Baugeschichte. Diese Villa Wolf war das erste moderne Haus, das Mies van der Rohe gebaut hat." Zuvor habe er in Potsdam und Berlin sehr traditionelle Villen gebaut.

Die Villa Wolf sei dann ein "diskretes Gebäude" geworden, sagt Mausbach. Es habe einen versteckten Eingang gehabt und sei ein Gebäude für den familiären Rückzug gewesen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.07.2021, 16:10

4 Kommentare

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  1. 4.

    Leider haben Sie Recht. Und egal wen man im September wählt, es wird sich kaum was ändern. Selbst bei sprudelnden Steuereinnahmen war kein Geld da :(.

    Es ist immer die Rede vom reichen Deutschland, wenn es darum geht unser erarbeitetes Geld an fremde Länder zu verteilen. Wenn es um Altersarmut oder Sanierungen innerhalb Deutschlands geht sind die Kassen leer.

  2. 3.

    Das finde ich gut. Gerade in Goblin kann dies ein wichtiges Signal sein. Denke nicht, dass wegen eines zukünftigen Museums nur eine Schultoilette, ein Schlagloch mehr saniert wird oder die Digitalisierung mehr Fortschritte macht. Hier fehlt es vorrangig an politischem Willen. Im September hat aber jeder die Möglichkeit dies für den Bund oder Berlin mit zu bestimmen und sich auch selbst mit einzubringen.

  3. 2.

    Wieso sollte es für so etwas Fördergelder geben? Es ist nicht das Original das restauriert werden muss, sondern quasi ein Neubau.

    Schulen und öffentl. Gebäude sind oftmals stark sanierungsbedürftig, viele Behörden sind meilenweit von der Digitalisierung entfernt und in den Löchern der Straßen kann man kleine Schiffchen schwimmen lassen, aber hey haut die Kohle raus für Museen.

  4. 1.

    Das würde mich sehr freuen! Ein Mies van der Rohe Museum. Ästhetik pur!

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