Für die kommende Spielzeit 2022/2023 - Dreier-Gespann leitet künftig Schauspiel am Staatstheater Cottbus

Mo 25.10.21 | 21:51 Uhr | Von Josefine Jahn
  1
Auf einer Pressekonferenz wird das neue Leitungsteam der Schauspielsparte vom Staatstheater Cottbus mit Armin Petras (l-r), Franziska Benack und Philipp Rosendahl vorgestellt. (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Inforadio | 25.10.2021 | Sylvia Belka-Lorenz | Bild: dpa/P. Pleul

Das Staatstheater Cottbus bekommt ab der kommenden Spielzeit eine neue Schauspieldirektion: Franziska Benack, Armin Petras und Philipp Rosendahl bilden das Dreier-Team. Diese Form der Führung ist bundesweit recht neu. Von Josefine Jahn

Mit einem Dreier-Team stellt sich das Schauspiel am Staatstheater Cottbus für die kommende Spielzeit 2022/2023 auf. Franziska Benack, Armin Petras und Philipp Rosendahl übernehmen die künstlerische Leitung der Sparte gleichberechtigt: Benack als geschäftsführende Dramaturgin, Petras als Hausautor und Hausregisseur und Rosendahl ebenfalls als Hausregisseur.

"Wir kennen uns schon eine Weile und sind gewohnt, miteinander zu arbeiten", sagte Benack am Montag zur neuen Besetzung in der Dramaturgie. Alle Drei vereine der Glaube an das Stadttheater. Diese Form der Führung sei auch bundesweit relativ neu, ergänzte Rosendahl. Das Ensemble und auch die Stadtgesellschaft solle in die Arbeit mit einbezogen werden. Für die kommende Spielsaison lägen bereits über 100 Vorschläge von Titeln auf dem Tisch.

Auf der Suche nach Sehnsüchten

Benack arbeitet bereits als geschäftsführende Dramaturgin des Cottbuser Schauspiels. Zuvor war sie etwa am Staatstheater Stuttgart und am Theater Bremen als Produktionsleiterin und Dramaturgin engagiert. Die 1985 in Frankfurt (Oder) Geborene hat Familie in Cottbus und ist darüber hinaus mit Studierenden der Brandenburgischen Technischen Universität befreundet, sagt sie. Ihre Kontakte hat sie bereits in der laufenden Spielzeit genutzt, um herauszufinden, was die Cottbuserinnen und Cottbuser bewegt.

Das will sie, gemeinsam mit ihren beiden Kollegen, auch in der Zukunft tun: "Wo kann man Sehnsüchte wieder wecken? Das ist ja das, was wir suchen. Sowohl Sehnsüchte, die vorhanden sind, als auch die, von denen die Leute noch gar nicht wissen, können wir wieder erwecken. Überall, wo ich mit Menschen ins Gespräch kommen kann, tue ich das auch", so Benack. Gemeinsam mit Armin Petras und Philipp Rosendahl ist sie auf der Suche, nach weiteren Formen des Austauschs rund um das Theater.

"Die Leute aus dem Hamsterbau rauskriegen"

Amin Petras, Jahrgang 1964, ist seit 2020 Hausautor und freier Regisseur am Staatstheater Cottbus, mehrere Jahre leitete er das Maxim-Gorki-Theater Berlin und das Schauspiel Stuttgart. Er erläutert das zunächst vorderste Ziel des Trios: die Menschen wieder für das Theater zu begeistern. "Nach diesen anderthalb Jahren Corona und nach den Schwierigkeiten, dem 'Sich-verschanzen' im Hamsterbau, müssen wir die Leute erst einmal wieder rauskriegen, dass sie Lust haben, ins Theater zu gehen."

Die Zusammenarbeit mit zwei jüngeren Kollegen scheut er nicht. Im Gegenteil. Alle drei sind sich einig, dass der Diskurs befruchtend ist. So kommt ein Austausch zustande, wie er immer wieder in der Gesellschaft wichtig ist, meint Philipp Rosendahl, 1990 in Düsseldorf geboren und jetzt ebenfalls Hausregisseur am Staatstheater. "Wie können wir, mit drei unterschiedlichen Hintergründen und einer unterschiedlichen Altersstruktur trotzdem, oder gerade deshalb, miteinander in ein echtes Gespräch kommen?", formuliert Rosendahl seinen Anspruch. Die Kunst, die dann in kommenden Inszenierungen entsteht, solle alle Widersprüche und Diskussionen abbilden.

Auswahl zwischen Klassikern und moderner Literatur

Bisher habe man etwa 100 Stücke im Blick, von denen man für die Spielzeit 2022/23 eine Auswahl treffen wolle. Es soll eine Mischung aus Klassikern und moderner Literatur auf die Bühne kommen, derzeit arbeite man unter anderem an einer spartenübergreifenden Musiktheaterproduktion. Konkreteres für die kommenden drei Jahre will das Trio in etwa sechs Monaten preisgeben.

Fest steht bereits, dass aus dem Ensemble des Cottbuser Staatstheaters, trotz des Direktionswechsels, niemand entlassen wird. Mehr Gehalt gibt es für die drei Mitglieder der Schauspieldirektion nicht, alle bekleiden jeweils andere Posten am Haus.

Hintergründe zu Heynens Rückzug noch nicht vollständig geklärt

Die bisherige Schauspieldirektorin Ruth Heynen hatte das Theater im Juli verlassen. Die Hintergründe dafür sind nach wie vor nicht vollständig geklärt. Man habe sich im Guten getrennt, wiederholt Intendant Stephan Märki. Und ergänzt: "Manchmal merkt man erst während der Zusammenarbeit, ob man zueinander passt." Jetzt folgt das Wagnis, die Stelle auf drei Personen zu verteilen.

Die Auswahl Heynens Nachfolge sei nun "in enger Abstimmung zwischen dem Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), dem Intendanten Stephan Märki und dem Schauspielensemble" erfolgt.

Sendung: Inforadio, 25.10.2021, 17:55 Uhr

Beitrag von Josefine Jahn

1 Kommentar

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 1.

    Vonr mir aus können die da 10 Chefs haben. Wenn der Steuerzahler nicht mehr als bisher zur Kasse gebeten wird. Denn immer wenn ich "Stiftung" höre, hier vom "Stiftungsrat der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder)" werde ich hellhörig. Denn bei dieser Sorte von "Stiftungen" ist es wie mit der "Heinrich Böll Stiftung" von den Grünen, "Stiften" tut da nur der Steuerzahler.

Nächster Artikel