75. Geburtstag Theater Senftenberg - Die Bühne als zweites Zuhause

Sa 23.10.21 | 08:07 Uhr
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Mirko Warnatz probt auf der Bühne einen Auftritt
Audio: Antenne Brandenburg | 22.10.2021 | Aline Lepsch | Bild: rbb/Aline Lepsch

Das Festwochenende am Theater Senftenberg zeigt die Geschichte der Neuen Bühne als eine Collage aus alten Stücken, Briefen von Wegbereitern bis hin zum Blick junger Leute. Mit dabei ist Mirko Warnatz, der eigentlich mal Kohlekumpel war. Von Aline Lepsch

Er kann zurecht als ein Urgestein des Theaters bezeichnet werden: Mirko Warnatz, seit 34 Jahren ist er an diesem Haus. Im Tagebau hat davor unter Kohlekumpeln gearbeitet bis er schließlich zur Kunst wechselte. Als Bühnentechniker zunächst und seit 1988 Inspizient am Theater der Bergarbeiter, wie die heutige Neue Bühne Senftenberg damals noch hieß.

Die Wendezeit war auch für ihn die wahrscheinlich spannendste Zeit in seinem Leben. In dieser Festwoche zum Jubiläum werden Erinnerungen ins Bewusstsein geholt. So denkt er daran, wie groß das Bangen damals war, ob es für das Theater überhaupt eine neue Spielzeit geben werde. Es wurde kleiner gedacht um zu überleben. Die Finanzierung des Theaters übernahmen Stadt, Landkreis und Land.

Geburtstags-Werbung am Eingang zur Neuen Bühne in Senftenberg
Geburtstagsaufsteller an der Neuen Bühne Senftenberg | Bild: rbb/Aline Lepsch

"Manchmal werd' ich heute noch auf der Strasse angesprochen"

Warnatz Zeit auf der Bühne begann als Zufall. Der damalige Intendant Heinz Klevenow sprach den jungen Mann an, er wusste um dessen Musikalität. Irgendjemand war ausgefallen, er, der Mann aus der Kohle, sollte einspringen, erinnert sich Mirko Warnatz. Und er hat es getan, immer und immer wieder. Seine Leistungen haben offensichtlich überzeugt, erklärt er sich den Wechsel auf die Bühne. Auch nachfolgenden Intendanten haben ihn immer wieder besetzt. "Es gab Spielzeiten, da habe ich fast nur noch gespielt und nicht mehr inspiziert", resümiert er diese Zeit.

"Manchmal werd' ich heute noch auf der Strasse angesprochen. 'Otto, wir brauchen dich', das war eine Figur, die ich zehn Jahre am Amphitheater als Dauercamper gespielt habe bei "Camping, Camping". Man hat das Gefühl, die Leute mögen das und dann macht es auch Spaß."

Das Festwochenende zeigt die Geschichte der Neuen Bühne als eine Collage aus alten Stücken, Briefen von Wegbereitern bis hin zum Blick junger Leute, wie sie sich das Theater in 75 Jahren vorstellen.

Für Intendant Manuel Soubeyrand endet mit dieser Spielzeit seine Arbeit in dieser Funktion am Theater, er geht in den Ruhestand. Aber er hat Wünsche, Visionen. Das Theater möge ein Pflock in der kulturellen Entwicklung in der Lausitz werden.

"Wir haben den Traum, dass mit dem Kulturplan Lausitz, der am 3. November vorgestellt wird, dass wir unsere Idee einer Ponton-Bühne für die Seen verwirklicht bekommen können", beschreibt Soubeyrand seine Vision. Und vielleicht werde aus der Neuen Bühne Senftenberg mit dem Amphitheater am Senftenberg See perspektivisch auch ein Lausitz-Theater, sagt der Intendant.

Mirko Warnatz in einem Probenraum der Neuen Bühne in SenftenbergBei der Probe: Mirko Warnatz

"Mir fällt nichts besseres ein"

Für Mirko Warnatz geht das Leben auf der Bühne und dahinter auch nach dem Jubiläum weiter. Die Neue Bühne Senftenberg ist sein zweites Zuhause. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, mal woanders zu arbeiten, sagt er "ich denke immer mal wieder darüber nach, aber mir fällt nichts besseres ein", und lacht dabei.

Das Festprogramm zum 75. Geburtstag des Theaters in Senftenberg wird nur an diesem Wochenende gespielt und ist ausverkauft. Doch es gibt viel Material, dass in der Corona-Zeit erarbeitet wurde und nur darauf wartet, gesehen zu werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 22.10.2021, 15:40 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    "Im Tagebau hat davor unter Kohlekumpeln gearbeitet bis er schließlich zur Kunst wechselte. " Ist das ein grammatikalisch richtiger Satz oder fehlt da was (*er")?

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