Slawenburg will neues Konzept umsetzen - Landesdenkmalamt kritisiert Event-Pläne für Slawenburg Raddusch

Mi 15.12.21 | 18:31 Uhr
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Schafe weiden vor der Slawenburg Raddusch (Foto: rbb/Friedrich)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.12.2021 | Daniel Friedrich | Bild: rbb/Friedrich

Die Slawenburg Raddusch (Oberspreewald-Lausitz) will sich thematisch weiter öffnen. Das hat Geschäftsführer Bernhard Gigacher am Mittwoch angekündigt. Künftig soll die slawische Dauerausstellung durch besondere Ausstellungen und Events ergänzt werden.

"Es gilt jetzt auf zwei Ebenen zu arbeiten", so Gigacher, "so dass wir die Permanentausstellung, vor allem für die historisch-archäologisch Interessierten, immer ergänzen mit Sonderausstellungen". Im Außenbereich sollen interaktive Angebote dazukommen. "Interaktive Angebote bedeutet ja nicht nur Remmidemmi", sagt der Geschäftsführer.

Passen Events zum Museums-Auftrag?

So soll es viele Angebote geben, die ein "Erlebnislernen" ermöglichen und Kreativität stärken. "Alles mus ein Lernprozess sein - und trotzdem unterhaltsam und ein Erlebnis werden", sagt Gigacher.

Kritik an den Plänen gibt es vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege, das einen Teil der Ausstellungsstücke leiht. Veranstaltungen wie ein Hexenfestival würden nicht zum Auftrag eines archäologischen und damit auch historischen Museums passen, so Sprecher Christof Krauskopf.

"Der ᾽Hexentanz im Rochusthal᾽ ist ja eher ein Fantasyspektakel." Wenn bei so einer Veranstaltung Personen" als Hexen kostümiert herumlaufen", werde das der "historischen Realität der Hexenverfolgung überhaupt nicht gerecht", so Krauskopf. "Sie wurden denunziert und viele von ihnen verurteilt und grausam ermordet." Das Hexen-Festival hatte im Oktober über 7.000 Gäste in die Lausitz gezogen. Das entspricht etwa einem Zehntel der Jahresbesucher.

Christof Krauskopf sieht es auch kritisch, dass die Slawenburg bald Gewinne abwerfen soll. Ein historisches Museum könne seiner Ansicht nach dem Vermittlungsauftrag nicht gerecht werden, wenn man einen Gewinn erwirtschaften will. Jetzt soll es intensive Gespräche zwischen Geschäftsführung und dem Landesdenkmalamt geben.

Mit Informationen von Daniel Friedrich.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.12.2021, 16:30 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Mich als Vetschauer ärgern die Aussagen von Herrn Krauskopf doch sehr - verkennen sie doch die Situation vor Ort.

    Die historische Daueraustellung IN der Burg ist archäologisch fachlich betreut und natürlich ein rein musealer Bestandteil der so auch NIE zur Disposition stand - im Gegenteil es wurde mit viel Kraftaufwand in den letzten Jahren eine wunderbare neue Dauerausstellung geschaffen.

    Das GESAMTE Areal gehört aber der kleinen aber feinen Stadt Vetschau mit nicht mal 8.000 Einwohnern. Diese muss sämtliche Kosten des Geländes tragen. Das geht nunmal nur wenn die REG (und nicht die "museale Slawnburg" selbst)auch etwas Geld verdient.

    Die Aktivitäten im Außenbereich hatten nie den Anspruch historisch-archäologisch-fachlich absolut korrekt zu sein - sie sind schlicht und einfach ein Angebot für Familien und Kinder NEBEN dem Museum. Mein Gott jede Burgruine macht Mittelaltermärkte - die müssen auch nicht 100% geschichtlich korrekt sein.

  2. 4.

    Mein Erleben von Raddusch. Vom Parkplatz zur "Burg" schlender ich durch eine platte Steppenlandschaft, gerahmt von malerischen "Betreten Verboten" Schildern. "Renaturierung" aha, soso.
    In der Ferne seh ich den imposanten, slawischen Burgwall. Je näher ich komme desto mehr kratzer bekommt das Bild. "Was macht denn die Stahltür da? Achso, alles Pappe.
    Ich komme durchs Tor und sehe die Stahstreben. Desillusioniert gehts dann in die Ausstellung. Plexiglas Kästen und Rohre voll geschütteter Keramik, kaum Erläuterungen. "Komisches Ausstellungskonzept" denke ich. Im letzten Raum kommt dann die Auflösung. Zahlreiche Tafeln zeigen mir den segenbringende Tagebau. "Und gäb es nicht den fantastischen Tagebau,der ganze Landschaften umwühlt, gäbe es auch nicht diese fantastische Menge an Archäologie. Und weil wir vom Tagebau das alles nur aus Liebe zum Menschen machen schenken wir euch noch dieses Museum" ist sinngemäß dort zu lesen. Wow, so geht Marketing.

  3. 3.

    Das richtige Maß finden ist schwer. Hoffentlich streiten die Richtigen darüber...

  4. 2.

    Besteht dieses Land eigentlich nur noch aus Spassbremsen? Dauerhafte Auststellung, temporäre Events, ein Teil des Gewinns wird bestimmt in den Erhalt der Burg fliessen - die ist ja letztlich das "Zugpferd". Also hat bestimmt auch der Betreiber Interesse daran. Könnte also durchaus eine Win-Win-Situation für alle werden.
    Hexentanz im Rochusthal hört sich doch gut an. Meine Güte, was kommt als nächstes von Herrn Krauskopf? Eine BI für Besenverbot in der Walpurgisnacht?

  5. 1.

    Es scheint analog wie mit dem Infotainment bei den Medien zu sein: Eingeführt, damit das Dargestellte den Ruch des Staubtrockenen und Althergebrachten endlich überwindet, dann, wenn das Spannungsfeld, wenn der Zielkonflikt nicht bewusst wird, kippt das irgendwann um in die Förderung billigen Klamauks bzw. effekthaschender Schlagzeilen, sodass unspektakuläres Leben dabei durch das Raster fällt. Das hat dann keinen Marktwert, keine Auflage, keine Einschaltquote.

    Es gibt eine Darstellung abseits davon, dass Langeweile aufkommen muss. Und wenn sich das Entertainment faktisch verselbstständigt, gelten die Regeln des Entertainments und nicht mehr der Information.

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