Debatte um Gleichberechtigung - Wird die Hymne der Lausitzer Sorben umgeschrieben?

Mo 31.01.22 | 16:47 Uhr
Frauen vom Spreewälder Frauenchor aus Lübben singen in sorbisch-wendischen Festagstrachten im Spreewald (Foto: dpa/Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 03.02.2022 | Gregor Kliem | Bild: dpa-Zentralbild

Die sorbische Hymne "Rjana Łužica" (deutsch: "Schöne Lausitz") sorgt aktuell für eine Diskussion. Es geht um die Frage, ob das Lied der Sorben "weiblicher" werden soll.

Nach Auffassung von Dawid Statnik, dem Vorsitzenden des Dachverbandes der Lausitzer Sorben und Wenden "Domowina", lasse eine Textzeile die Hälfte des sorbischen Volkes außen vor: "Mögen aus deinem Schoß Männer hervorgehen, würdig ewigen Gedenkens!"

Der Verband teilte am Montag mit [domowina.de], dass Statnik seine Position jetzt auf einer Tagung des Domowina-Bundesvorstandes bekräftigt habe, diese Passage der Hymne "nicht mehr zu unterschreiben, weil hier die bessere Hälfte unseres Volkes fehlt, die Frauen."

Keine Entscheidung "von oben herab"

Zuvor hatte die sorbische wissenschaftliche Gesellschaft "Macica Serbska" wegen dieser Textzeile zu einer öffentlichen Diskussion aufgerufen. Sie schlage vor, den Text "behutsam zu ändern und das parallele Singen der originalen und bearbeiten Version zuzulassen", heißt es in der Mitteilung der Domowina am Montag. Das finde in gewisser Weise schon jetzt statt, "wenn Ober- und Niedersorben die Hymne zusammen singen."

Der neue Text würden lauten "Mögen aus deinem Schoß Frauen, Männer hervorgehen, würdig ewigen Gedenkens". Der Dachverbandsvorsitzende Dawid Statnik hält den Vorschlag für "zeitgemäß und berechtigt". Man werde darüber aber nicht "von oben herab" entscheiden, weil es nicht um einen amtlichen Akt, sondern um gesellschaftliche Verständigung gehe.

Dem rbb sagte Statnik, dass sich grundsätzlich die Frage stelle, ob sich die Hymne über den Text hinaus noch weiter verändern sollte, "vielleicht neue Strophen dazukommen. Sie ist zurzeit in Moll, das klingt etwas traurig. Wir sind heute aber in einer Zeit, in der wir auch viele Chancen sehen." Es könne auch passieren, dass einmal eine andere Hymne kommt, so Statnik.

Hymne basiert auf Gedicht aus 19. Jahrhundert

Für die sorbische Hymne hatte Awgust Kocor (1822-1904) ein Gedicht von Handrij Zejler (1804-1872) vertont. Dessen erste und letzte Strophe wird seit Generationen als sorbische Hymne gesungen. 2022 begehen die Sorben als "Zejler-Kocor-Jahr" in Erinnerung an den 150. Todestag von Zejler und den 200. Geburtstag von Kocor.

Neu ist die Forderung nach einer Änderung der Hymne nicht, doch jetzt, im Jubiläumsjahr der Urheber, soll Bewegung in die Diskussion kommen. Die "Maćica Serbska" plant laut Domowina zusammen mit der sorbischen Zeitung eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zu dem Thema, wenn es die Pandemie-Lage wieder möglich mache.

In der Lausitz sind rund 60.000 Sorben und Wenden zu Hause. Die meisten leben in der Region zwischen Bautzen und Cottbus.

Wie die Hymne klingt, können Sie mit einem Klick ins Titelbild hören.

Sendung: rbb, serbski kulturny magacin, 01.02.2022, 12:00 Uhr

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