Luchs im Profil in der Dämmerung (Foto: Uwe Dittmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 16.04.2018 | Anke Blumenthal | Bild: Uwe Dittmann

Sensation in der Lausitz - Luchs wandert Rekordstrecke aus dem Harz

Da staunen die Experten vom Luchssprojekt Harz nicht schlecht: Ihr markierter und als verschollen geglaubter Luchs ist nach zwei Jahren in der Lausitz aufgetaucht. Ein Spremberger Naturfotograf bekam ihn vor die Kamera. Von Iris Wussmann

Die erste Meldung erreicht den Naturfotografen Uwe Dittmann im Februar, Wochen nachdem im Tagebaugelände bei Welzow ein "Tier, größer als ein Fuchs" gesichtet wurde.

Er winkt ab: Die Wahrscheinlichkeit, das Tier nach so langer Zeit vor die Linse zu bekommen, ist gleich Null. Doch dann kommt zu Ostern die zweite Sichtung bei ihm erwacht das Jagdfieber. Der Naturfotograf sammelt alle Informationen, kundschaftet das Gelände aus und legt sich auf die Lauer. Und er hat beinahe unfassbares Glück: Innerhalb kürzester Zeit hat er das scheue Raubtier tatsächlich vor der Kamera.

Kontrollblick mit dem Feldstecher

Es ist dämmrig, regnet etwas und als Dittmann einen grauen Schatten vorbeiziehen sieht, muss er doch erstmal den Feldstecher zücken. "Zunächst dachte ich, das wären ein paar Hasen, die da herumtoben". Doch dann ist klar: Er hat tatsächlich einen Luchs vor der Kamera und hält mit dem Teleobjektiv drauf.

Für den Fotografen, der schon oft Wölfe in der Lausitz abgelichtet hat, keine besondere Sache. "Man trifft sich, man sieht sich, man geht auseinander", beschreibt er die für ihn unspektakuläre Begegnung.  

Im Harz wird sie dafür umso euphorischer aufgenommen. Denn der Luchs hatte eine Ohrmarke und konnte dank des Fotos als ein Tier aus dem dortigen Luchsprojekt identifiziert werden.

Sensationelle Langstreckenwanderung

Die Experten dort hatten das vor zwei Jahren gekennzeichnete Tier schon nahezu aufgegeben. Dass es jetzt im Lausitzer Tagebaugelände bei Welzow wieder aufgetaucht ist, bezeichnet Ole Anders, der Leiter des Luchsprojektes, als Sensation. "Er hat mit einer Luftlinie von 220 Kilometern die weiteste Strecke zurückgelegt, die je für einen Harzluchs nachgewiesen wurde", so Anders.

Mit dem Luchsprojekt Harz wurde Anfang 2000 erstmals in Deutschland ein Wiederansiedlungsversuch gestartet. Die Zahlen sind beeindruckend: Mittlerweile leben rund 80 Tiere in den Harzer Bergen. Dem markierten Jungtier ist das Revier dort offenbar zu eng geworden und es ist losgewandert. Ob der Luchs durch die weiten offenen Flächen der Magdeburger Börde gelaufen ist, weiß auch Anders nicht. Auf alle Fälle werde er kein Problem mit dem ebenfalls in der Lausitz lebenden Wolf haben und genügend Nahrung finden.

Luchs allein in der Lausitz

Da er ohne Weibchen in die Lausitz gekommen ist, wird er allerdings nicht zur Ausbreitung der Art beitragen, schränkt Ole Anders die Erwartungen in Richtung Luchsnachwuchs ein.

Bleiben also die sensationelle Wanderstrecke des Harzer Luchses, der erste Nachweis in der Lausitz und vielleicht dann doch noch ein bißchen Hoffnung: Vielleicht geht ein Weibchen den gleichen Weg. Es gebe schon Beweise, dass sich außerhalb des Harzes Männchen und Weibchen getroffen und vermehrt haben.

Allerdings seien Weibchen nicht ganz so wanderfreudig, die Chancen auf eine traute Zweisamkeit in der Lusitz also eher gering. Aber das hatte der Spremberger Naturfotograf auf seiner Kamerapirsch ja auch gedacht....

Kommentar

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7 Kommentare

  1. 7.

    Der Wolf gehört ebenso hierher wie der Luchs - beides sind heimische Wildtiere, die durch den Menschen vertrieben und fast ausgerottet wurden. Bevor Mensch sich in dieser Region niederließ, waren Wolf und Luchs hier ungestört - also gehören diese Arten eher hierher als Mensch und Mensch sollte sich mit der Natur arrangieren und dies auch können.

  2. 6.

    Genau - bin gespannt, wann die Weidetierzüchter aufschreien und den Abschuss der Luchse fordern.....
    Ein hübsches Tier - ich hoffe, es hat ein langes Leben

  3. 4.

    Worauf begründen Sie diesen Unsinn? Beide Arten wurden in Deutschland etwa zur gleichen Zeit ausgerottet.

  4. 3.

    Warum nicht einfach ein Luchsweibchen in seinem Revier auswildern?

  5. 2.

    ...im Gegensatz zum Wolf gehört der Luchs ja auch immer noch hierher!

  6. 1.

    Hau lieber schnell wieder ab, lieber Luchs. Hier wird auf alles geballert was wackelt...

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