Europäischer Grauwolf (Symbolbild, Quelle: imago/blickwinkel)
Bild: imago stock&people/blickwinkel

Drittes Kalb in vier Wochen gerissen - Wird der erste Problemwolf Brandenburgs erschossen?

Wieder schleicht sich ein Wolf an eine Kuhherde in Lindenau heran. Erneut reißt er ein junges Kalb - zum dritten Mal in wenigen Wochen, zum dritten Mal im selben Betrieb. Nun könnte er erschossen werden. Von Martin Schneider

Er hat zum dritten Mal in wenigen Wochen ein Kalb verloren, gerissen von einem Wolf: Bauer Andreas Kupfer von der Agrargenossenschaft Elster-Pulsnitz in Lindenau (Kreis Oberspreewald-Lausitz). Das Unternehmen plant nun, einen Antrag an das Landesumweltamt zu stellen: Der Problemwolf soll erschossen werden. Das sagte Walter Beckmann, der Vorstand der Agrargenossenschaft, am Mittwoch dem rbb.

Ein Wolf hatte ein Kalb auf der Weide, aber auch zwei im Stall angegriffen. Ob es sich um ein und dasselbe Tier handelt, ist noch nicht klar.

Bauernverband: Wolfsverodnung muss greifen

Es reiche, jetzt seien Konsequenzen nötig, sagte auch der Sprecher des Brandenburger Bauernverbandes, Tino Erstling, dem rbb. "An diesem Beispiel wird sich zeigen, ob die Wolfsverordnung greift und die Tötung des Wolfes durchgeführt wird." Alles andere sei den Weidetierhaltern nicht mehr vermittelbar. Erstling ergänzt: So eine Wolfsverodnung müsse greifen, gerade in solchen Fällen, "ansonsten ist sie nichts wert."

Als "Problemwolf" will Erstling das Tier aber nicht betiteln. Es zeige ein wolfstypisches Verhalten. "Der Wolf ist hungrig, er hat um diese Zeit Welpen. Das ist ein artgemäßes Verhalten. Was er erbeuten kann, erbeutet er." Die Frage sei eher, wie man mit der ständig steigenden Wolfspopulation umgehe, so Erstling.

Tierischer Schutz vorm Wolf: Esel, Alpaka, Guanako, Berghund

Konstruktiver Schutz vorm Wolf in Brandenburg (Quelle: rbb/Mark Albrecht)
rbb/Mark Albrecht

Ställe mit Strom sichern

Die Vorfälle in Lindeau sind nicht die einzigen in den vergangenen Wochen. Ende April wurde auch in Lieberose (Kreis Dahme-Spreewald) ein Kalb gerissen. Das circa 100 Kilogramm schwere Tier war in einer Stallanlage der Agrargenossenschaft Trebitz/Klein Muckrow untergebracht und von Wölfen durch ein Gitter ins Freie gezerrt worden.

Das Brandenburger Landesumweltamt hatte in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem rbb eingeräumt, dass es sich um mehrere Wölfe gehandelt haben könnte, die in der Stallanlage unterwegs waren. Die Behörde riet den betroffenen Landwirten auch, ihre Ställe mit Strom zu sichern. Auch müssten nachts die Ställe geschlossen werden.  

Die betroffenen Landwirte halten diese Auflagen für unzumutbar, weil damit eine artgerechte Haltung von Rindern unnötig erschwert und quasi unmöglich gemacht werde.

Erste Antrag auf Tötung wurde abgelehnt

Im März war zum ersten Mal eine Entscheidung zur Entnahme eines Wolfsrudels gefallen. Das Ergebnis: Die Tiere, die sich im Nuthe-Urstromtal angesiedelt hatten, durften nicht getötet werden. Ein entsprechender Antrag sei laut Landesumweltamt abgelehnt worden, weil dafür nach der Wolfsverordnung die Voraussetzungen fehlten.

Die Verordnung gilt seit dem 2. Februar. Sie regelt den Umgang mit so genannten Problemwölfen.

Seit sich die Tiere vor rund zehn Jahren wieder angesiedelt haben, sorgen sie für kontroverse Diskussionen. Tierschützer betonen, dass der Wolf ein geschütztes Tier ist. Bauern fürchten dagegen um ihre Weidetiere.  

Momentan leben etwa 200 Wölfe in Brandenburg, die meisten von ihnen in der Lausitz.  

Beitrag von Martin Schneider

Kommentar

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18 Kommentare

  1. 18.

    Aus wirtschaftlichen Gründen? Haben Sie schon mal ein schwer verletztes, von Wölfen lebendig angefressenes Tier gesehen? Das ist nicht Ausnahme, das ist Regelfall. Glauben Sie, es ist den Tierhaltern egal, wenn ihre Tiere bei lebendigem Leibe zerfetzt werden und unvorstellbaren Qualen ausgesetzt sind? Oder gehören Sie auch zu den Leuten, die an die Legende vom Kehlbiss glauben, wie Kinder an den Osterhasen? #Armutszeugnis

    Die hier gehaltenen Rinder sind keine Wildtiere sondern Haustiere. Oft sind sie hornlos, um schwere und tödliche Verletzungen der Halter zu minimieren. Seit wann ist es für ein Haustier "artgerecht", es der Wildnis auszuliefern? Bitte informieren Sie sich überhaupt erst mal, was ein Haustier ist, bevor Sie uns Ihre Bemerkungen zumuten.

  2. 17.

    Genau betrachtet gehört bei einer naturnahen und artgerechten Haltung von Rindern das Vorhandensein von Wölfen oder anderen Fressfeinden dazu, schließlich trennt in der Natur niemand die beiden Spezies. Das ist nur immer so eine Sache, wenn man das eine Will - das andere aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht.
    Dabei habe ich ja durchaus Verständnis für die Lage unserer Landwirte. Die Milchpreise im Keller, jedes Jahr Überschwemmungen oder Trockenheit, immer spärlichere Zahlungen aus Brüssel... Ist schon bitter, noch bitterer aber ist es, all seinen Frust an dem einzigen auszulassen, der sich nicht wehren kann.
    Liebe Landwirte, fahrt nach Berlin mit euren Traktoren, denn da sitzen die die euch das Leben schwer machen. Der Wolf ist euer kleinstes Problem...

  3. 16.

    Falsch. Der Wolf ist nicht per se vom Aussterben bedroht - er wird in Deutschland als gefährdet geführt. Deutschland bildet allerdings - wissenschaftlich bewiesen - den westlichen Rand einer viel größeren, bis nach Rußland reichenden Population - einer der größten Wolfspolpulationen der Welt.

  4. 15.

    Auch Ihre Bemerkungen zeugen von manifestierter Unkenntnis. Damit sind Sie hier freilich nicht der einzige. Wenn Sie einen wolfssicheren Zaun sehen wollen, gehen Sie bitte in den Tierpark: 3 Meter hoch und mit Untergrabschutz. Alle anderen Zaunkonstruktiuonen werden von Wölfen überwunden. Bitte benennen Sie uns die Baubehörde, die solche ein Ungetüm genehmigt. Ganz abgesehen von den Kosten bei hektarweiser Einzäunung.

  5. 14.

    Im Jahr 2017 wurden in Brandenburg laut Statistik ca. 230 Rinder von ihren Weiden gestohlen. In keiner dazu passenden Meldung wurde ein Abschuss von Viehdieben ins Gespräch gebracht. Komisch eigentlich, denn das "Vergehen" ist doch eigentlich ähnlich.
    Ja ja ich weiß, der Dieb ist ein Mensch (vermutlich) und der Wolf ist "nur" ein Tier (erwiesen) und da gebe ich zu, die Forderung nach vergleichbarer Bestrafung ist da unangemessen, aber dennoch, beim Wolf ist man schnell an der Flinte. Aber bei genauer Überlegung, der Wolf ist vom Aussterben bedroht und geschützt, der Dieb dagegen nicht...
    Na ja, sind auch nur so Gedankenspiele...

  6. 13.

    Das Problem besteht doch darin, dass durch die sich rasant vergrößernden Wolfsbestände eine Artgerechte Weidetierhaltung ganz erheblich erschwert wenn nicht gar unmöglich gemacht wird. Die dauerhafte Unterbringung in Ställen wird ja nicht umsonst aus Tierschutzkreisen kritisiert. Eine nachhaltige Regulierung könnte dieses Problem auf sachgerechte Weise lösen und zugleich dafür sorgen, dass der Wolf die Scheu vor Menschen nicht verliert.

  7. 12.

    Und was machen wir mit den Problempolitikern?

  8. 11.

    Der Wolf tötet nicht aus Konkurrenzgründen, sondern zur Nahrungsbeschaffung. Wenn Sie einen Wolf essen wollen fangen Sie sich doch einen...
    Der Bauernverband ist ein Lobbyverein, sonst nichts. Er sollte sich z.B. mal darum kümmern, wieviele Tiere täglich tot aus den Ställen gekarrt und auf den Müll geworfen werden, die wegen unsäglicher Haltungsbedingungen elendig verrecken.

  9. 10.

    Vielleicht sollte man anfangen die Weiden mit Tieren wieder strommäßig einzuzäunen, also ich meine damit - man braucht schon etwas Investition um ein Unternehmen zu führen.
    Wenn man das nicht tut, ist der Wolf ratz fatz drin, der Schaden ist doch unter den Umständen vorauszusehen.
    Da muss man doch nicht dem Wolf die Schuld in die Schuhe schieben, der checkt das nicht...

  10. 9.

    Sorry, aber das ist doch einfach nur unqualifiziert. "Herdenschutz"-esel einzusetzen, ist auch nur eine weitere Form der Tierquälerei - ein verantwortungsloses Tierexperiment. Die Tiere bleiben sicherlich stehen, sind aber NICHT in der Lage, einen Wolfsangriff abzuwehren. Herdenschutzesel sind nichts anderes als Kanonenfutter. Ich erspare es uns, Bilder von Herdenschutzeseln NACH einem Wolfsangriff zu verlinken. Der Anblick könnte zarte Gemüter verunsichern. Die Tiere sind dann nämlich entweder lebendig angefressen oder tot.

    Und was HSH angeht - dazu gibt es ja nun genug Videos, die zeigen, was mit einem Wolf passiert, wenn HSH ihn erwischen. Das sind nichts anderes als Hundekämpfe auf Leben und Tod. Natürlich kann man das gut finden. Dann muß man aber schon komplett empathie- und ethikbefreit sein.

  11. 8.

    Der Wolf möge bei Weide-/ Nutztieren bitte nur während der Bürozeiten vorbeischauen und sich bitte per Formular anmelden. Lächerlich diese Kategorisierungen einerseits und auch wie offen der Bauernverband diese Methodik zugibt - Es ist schließlich natürliches Wolfsverhalten, das oft als problematisch betitelt wurde.

    Man vergleiche bitte mehrere Faktoren: Die Anzahl an Weide-/ Nutztieren in Brandenburg mit der Anzahl gerissener Tiere durch definitiv oder nicht auszuschließen den Wolf sowie mit dem Ernährungsverhalten des Wolfs, bei dem sich zeigt, dass Nutztiere einen Beuteanteil von unter 1% (lfu) ausmachen.

    Bleibt die Frage, was mit den gerissenen Tieren geschehen wäre ohne Eingriffe durch Wölfe: Achja, sie würden meist für Menschen geschlachtet - na wenn darunter mal keine Problemmenschen sind...

  12. 7.

    Ausgerechnet in der Wurf-und Aufzuchtperiode wollen Landwirte den Abschuß eines Wolfes. Woher weiß man überhaupt , welcher Wolf für die Risse verantwortlich war? Oder ist es einfach egal, welcher Wolf geschossen wird? Im unglücklichsten Fall trifft es ein Elterntier und dann produziert nur noch mehr Nutztierrisse, weil dann das verbliebene Elternteil darauf angewiesen ist bequem zu erbeutende Tiere zu reißen. Bestes Beispiel ist das illegal zerschossene Rudel in Cuxhaven. Darüber die Mutter-Kindweiden so sicher wie möglich einzuzäunen und die Ställe abends zu schließen, wird wohl gar nicht erst nachgedacht...

  13. 6.

    Einerseits gehören Wölfe zur Natur und die Gefahr von Wolfsangriffen wäre quasi ein natürlicher Standortnachteil, andererseits wäre die Abwehr oder Tötung der Wölfe durch konkurrienende Tiere (hier Menschen) auch natürlich. Die Allgemeinheit nimmt den Bauern aber mit der Wolfsverordnung die Möglichkeit des Eigenschutzes von den Wölfen. Da eine allen Interessen gerecht werdende Lösung zu finden ist anscheinend nicht einfach.
    Zu fordern, dass die Stalltür nachts geschlossen wird, erscheint ja vernünftig, aber die möglichen Zugänge eines Stalls mit Strom zu sichern, dürfte nicht ganz billig sein. Möglicherweise wäre ein Jagddruck auf Wölfe auch sinnvoll, um ein Meideverhalten gegenüber Menschen und menschlichen Siedlungen zu erreichen.

  14. 5.

    Lieber Herr Schulze-Helmke, als Ergänzung zu Ihren erwähnten konstruktiven Herangehensweise. Bereits Ende 2016 wurde bei Brandenburg aktuell über "Esel, Alpaka und Hunde" als Wolfsschutz gesprochen (https://vimeo.com/192102717), das ZDF hat den Esel 2018 auch nochmal auf die Bildfläche gehoben (https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/esel-schrei-gegen-den-wolf-100.html). Beste Grüße

  15. 3.

    Liebes rbb-Team,
    hier hat sich sicher ein Fehler eingeschlichen, ist doch logisch:)
    "Momentan leben etwa 200 Wölfe in der Lausitz, die meisten von ihnen in der Lausitz. "

  16. 2.

    Der Wolf muss jagen, um zu überleben. Wenn ihm dann auf nicht entsprechend gesicherten Weiden ein Jagdziel auf dem Silbertablett serviert wird, nimmt er dieses Angebot gerne an.
    Nun soll er erschossen werden, weil der Bauer nicht in der Lage ist, seine Tiere zu sichern.
    Ich frage mich, wieso man hier von einem Problemwolf spricht, der nur seinem natürlichen Jagdinstinkt folgt.
    Jeder Bauer wird für den Verlust von Zuchtvieh entschädigt. Häuft sich das in einem Zuchtbetrieb, dann ist der Bauer schuld und nicht der Wolf.

  17. 1.

    Einen Wolf erschießen weil man den Stall nicht gesichert hat? Einfach auf Verdacht oder legt sich jemand gezielt auf die Lauer? Dann sind die Rinder aber immer noch nicht gesichert. Und ein toter Wolf kann keine Erfahrungen weitergeben. Verantwotung für die eigenen "Nutztiere" sieht anders aus. Konstruktive Lösungen wie "Landwirtschaft mit und nicht gegen Natur" auch.
    Facebookgruppe "Schützt die Wölfe"

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