Der Storch und sein Herrchen (Foto: rbb/Kabisch)
Audio: Antenne Brandenburg | 08.06.2018 | Anja Kabisch | Bild: rbb

Kurioses Haustier in Neu Zauche - Storch "Klecks 4" stellt ein Dorf auf den Kopf

Minischweine, Äffchen und Riesenschildkröten - es gibt die ausgefallensten Haustiere. Aber dass jemand einen Storch behütet, gibt es wahrscheinlich nur in Neu Zauche zwischen Burg und Lübben. Dort wohnt "Klecks 4". Von Anja Kabisch

Majestätisch stolziert der Storch im Garten von Werner Staritz zwischen Salat und Zwiebeln umher. Er lässt sich nicht von der neugierigen Reporterin und erst recht nicht von Gärtnermeister Staritz aus der Ruhe bringen. Denn hier im Garten in Neu Zauche (Kreis Dahme-Spreewald) ist er zu Hause, seit er vor genau einem Jahr aus dem elterlichen Nest fiel.

Tränen und Tierarzt

"Er ist unser Ziehkind." So rührig spricht Staritz von dem Storch, der "im Prinzip drei Mal neu geboren wurde".

"Klecks 4" schlüpfte am 27. Mai 2017. Nur wenige Tage später, am 8. Juni, fiel er aus dem Nest. Werner Staritz und seine Frau fanden ihn und päppelten ihn hoch. Ende August wurde er dann flügge - und sollte nach Afrika. "Er war auch mit den Jungstörchen aus dem Gebiet herumgezogen", sagt Rentner Staritz.

Eine Woche lang war der Storch unterwegs. Doch an einem Sonnabend im September "stand er wieder bei uns im Garten, traurig. Und da haben wir gesehen: offener Bruch." Das Bein war durchgebrochen. "Da sind mir auch ein bisschen die Tränen gekommen", erinnert sich Staritz. Sofort ging er mit dem Storch zum Tierarzt.

Jeden Tag rieb er das Storchenbein mit selbstgemachten Kräuterölen ein, dazu gab es Antibiotika. Dann passierte das Wunder: "Klecks 4" rappelte sich wieder auf.

   

"Wenn ihm langweilig ist, geht er Leuten hinterher."

Der Storch überwinterte im Gewächshaus, verputzte mehr als 600 Büchsen Katzenfutter und Mäuse, die sein Storchenvater in zehn Fallen sammelte. Mehr und mehr genoss "Klecks 4" sein Leben in Werner Staritz' Garten - aber auch auf der anderen Seite des Gartenzauns. "Wenn ihm langweilig ist, guckt er wo viele Leute sind und schließt sich ihnen an."

Er folgte ihnen dann auch mal bis an die Tische einer Gaststätte. "Die Leute haben sich amüsiert und Fotos gemacht", erzählt Werner Staritz amüsiert. "Dann sage ich: 'Kommst du jetzt nach Hause!' Da haben die Gaststättengäste gedacht, ich bin nicht ganz da. Aber der Storch kam angewetzt." Zusammen ging es zurück in Staritz' Garten.

Nur schlafen darf Klecks 4 dort nicht. Denn in seinem alten Storchenhorst sitzen seine Eltern mit seinen neuen Geschwistern - und der Storchenpapa erkennt ihn nicht mehr als Kind an. Deswegen sucht er sich Schlafplätze im Ort. Die Dächer der Nachbarn gehen auch.

Trennungsprobleme

"Klecks 4" folgt Werner Staritz auf Schritt und Tritt. Der Storch kontrolliert, was Staritz auf dem Acker macht. Ob er irgendwann mal gen Süden fliegt? Der Rentner ist skeptisch. "Ich bin sein Beziehungspunkt. Ich denke, es wird schwierig sein, ihn wieder auszuwildern." Aber genau das wünscht er sich: dass "Klecks 4" sich den Jungstörchen auf dem Hof eines Tages anschließt - und im September mit seinen Geschwistern losfliegt.

Bildergalerie Storch "Klecks 4" in Neu Zauche

Beitrag von Anja Kabisch

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Entschuldigung - ich meinte natürlich Herr Staritz - vielleicht kann der RBB das im Text korrigieren?

  2. 1.

    Hut ab Herr Starick!! Das ist schon etwas ganz Besonderes! Ich wünsche Klecks 4 dass er es schafft ein ganz normales Storchenleben zu führen! Und wenn nicht - ich denke es wird ihm "Zu Hause" weiterhin an nichts mangeln...

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