Wohnwagen und Trabant (Quelle: Privat)
Audio: Antenne Brandenburg |16.07.2018 | Iris Wußmann | Bild: Privat

Sonderausstellung in Senftenberg - Urlaub hinter dem Eisernen Vorhang

Gefangen im eigenen Land, Reisen nicht möglich. Diese Vorurteile grassieren bis heute über die ehemalige DDR. Wie hat man in da seinen Urlaub verbracht? Wer durfte überhaupt ins Ausland?  Damit befasst sich eine neue Ausstellung in Senftenberg. Von Iris Wußmann

Begriffe wie Interhotel, Jugendtourist oder TOUREX-Zug findet man heute bei Reiseveranstaltern nicht mehr. In der DDR waren sie wesentlicher Bestandteil der Reisevorbereitung. Im Museum Schloss und Festung Senftenberg will man das Reisegefühl in der DDR noch einmal aufleben lassen - und mischt dafür offizielle Reisen und private Urlaubsmomente.

Mareike Linnemeier, Kuratorin der Ausstellung "Urlaub in der DDR" (Bild: Iris Wußmann/rbb)
Mareike Linnemeier, Kuratorin der Ausstellung | Bild: rbb/Iris Wußmann

"Das beliebteste Ziel war die Ostsee"

Viele fühlen sich sofort an FDGB-Heime (vom Freien Deutschen Gewerkschaftsbund) und Camping-Urlaub erinnert, wenn es um die Ferien in der DDR geht. Fast weltberühmt ist zum Beispiel das "Dübener Ei", der aerodynamische Campinganhänger, von dem nur 2.000 gebaut wurden. Einer von ihnen steht jetzt im Schlosshof in Senftenberg.

Die Ostsee war tatsächlich das beliebteste Urlaubsziel der Ostdeutschen. Aber auch Auslandsreisen waren durchaus möglich, sofern es in einen sozialistischen Bruderstaat ging. So stand vor allem Ungarn hoch im Kurs, dort konnte man die begehrten Westprodukte kaufen, wie die Kuratorin der Sonderausstellung, Mareike Linnemeier, sagt.  

Die Ausstellung beschäftigt sich mit den verschiedenen Reiseformen, dabei kommt das Zelten natürlich nicht zu kurz. Aber auch der Einfluss des Staates auf den Urlaub ist ein großes Thema, genauso wie die Mobilität. All das ohne DDR-Verklärung. Linnemeier will ein differenziertes Bild zeichnen.

Urlaub in der DDR. Werbetafel Nordkap der DDR. (Quelle: privat/Sammlung Museum OSL)
Werbetafel am Nordkap begrüßt DDR-Urlauber | Bild: privat/Sammlung Museum OSL

Ein künstlicher See als Alternative zum Meer

Auch der Regionaltourismus wird behandelt, damit vor allem der Senftenberger See. Ein ehemaliger Tagebau schien wie dafür gemacht, einen künstlichen See zu erschaffen. Der Bedarf an Urlaubsplätzen an der Ostsee konnte nicht gedeckt werden, die Regierung musste sich also etwas einfallen lassen. So kam der Tourismus in eine Region, die davon bis dahin noch nichts gehört hatte. Heute gilt das Lausitzer Seenland als einer der Touristenmagnete Brandenburgs. Wer hätte gedacht, dass der DDR-Bergbau solche Folgen mit sich bringt.

Video: Tagesschau, 16.07.2018, 17 Uhr

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