Brand in der Lieberoser Heide aus der Vogelperspektive (Foto: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 12.09.2018 |Philipp Manske | Bild: rbb

Brandstiftung als mögliche Ursache - Großbrand in Lieberoser Heide noch immer nicht unter Kontrolle

In der Lieberoser Heide nördlich von Cottbus hat der Wind das Feuer weiter angefacht: Auf dem munitionsbelasteten Gelände stehen inzwischen rund 200 Hektar in Flammen. Wertvolle Moore wurden zerstört. Vieles deutet auf Brandstiftung hin.

Der Waldbrand in der Lieberoser Heide (Dahme-Spreewald), einem ehemaligen Truppenübungsplatz, hat sich in den vergangenen 24 Stunden deutlich ausgeweitet. Am Mittwoch brannten nördlich von Cottbus nach Behördenangaben rund 200 Hektar - damit war die in Flammen stehende Fläche zehnmal so groß wie noch am Dienstagabend. Bis zu 200 Einsatzkräfte waren an den Löscharbeiten beteiligt, am Mittwochabend waren es nach Angaben einer Sprecherin noch 115. Zwei Löschhubschrauber von Bundeswehr und Bundespolizei waren im Einsatz.

Zudem sei ein Panzer auf dem Weg zum Einsatzort, teilte am Abend eine Kreis-Sprecherin mit. Bei diesem handelt es sich um einen Pionierpanzer vom Typ "Dachs", der schwere Lasten aus dem Weg räumen kann und bereits beim Waldbrand in Treuenbrietzen zum Einsatz kam. Er soll Schneisen in das unwegsame Gelände schlagen, damit sich das Feuer nicht weiter ausbreitet.

Wertvolle Moore zerstört

Noch immer ist der Brand nicht unter Kontrolle. Ein Waldbrandschutzstreifen verhindert bislang, dass sich das Feuer auch Richtung Norden ausbreitet. Es gibt nur wenigen Stellen, von denen aus man löschen kann.

Der ökologische Schaden war hier bisher gering, weil sich die Natur schnell erholt. Doch jetzt haben die Flammen binnen Sekunden wertvolle Moore zerstört, die über Jahrtausende entstanden waren. Die Feuerwehr kann nur zuschauen: "Momentan können wir es nicht bekämpfen, wir sind auf Munitionsverdachtflächen – belasteten Flächen Das ist Totalreservat – das ist für uns absolutes No-Go", sagte Ronald Judis, Kreisbrandmeister Dahme-Spreewald, am Mittwoch dem rbb. 

Landesbeauftragter hält Brandstiftung für möglich

"Brandstiftung kann nicht ausgeschlossen werden", sagte der brandenburgische Waldbrandschutz-Beauftragte Raimund Engel und bezog sich damit auf die Art und Weise, wie das Feuer entstanden war. Die beiden ersten Brände seien am Montag innerhalb von nur zwei Stunden und in einem Abstand von nur einem Kilometer ausgebrochen, sagte Engel. Der Wind hat das Feuer über Nacht immer weiter vorangetrieben. Das Brandgebiet mit mehreren Feuerstellen liegt zwischen Klein Liebitz und Byhleguhre-Byhlen nördlich von Cottbus.

Wie der Landkreis am frühen Mittwochabend mitteilte, konnten verschiedene Brandherde im Laufe des Nachmittags gelöscht werden, etwa nördlich von Byhlen. Haupteinsatzgebiet sei nun das Gebiet östlich von Byhlen in Richtung Drachhausen.

Bundeswehr-Transportpanzer vom Typ Fuchs (Quelle: rbb/Sebastian Schiller)Transportpanzer der Bundeswehr vom Typ "Fuchs"

Neben den Feuerwehren aus Cottbus sowie aus Dahme-Spreewald, Spree-Neiße und Oberspreewald-Lausitz seien auch Helfer des Technischen Hilfswerkes (THW), des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) im Einsatz, teilte der Landkreis mit. Die Löscharbeiten gestalten sich demnach äußerst schwierig, weil die Brandfläche auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz mit Kampfmitteln stark belastet ist. Daher können die Feuerwehrkräfte immer nur an den Rändern der riesigen Brandfläche löschen.

Für zusätzliche Unterstützung sollen zwei gepanzerte Fahrzeuge der Bundeswehr sorgen: Neben dem "Dachs", der sich bereits auf dem Weg in die Lieberoser Heide befindet, soll ab Donnerstag auch ein Transportpanzer vom Typ "Fuchs" zum Einsatz kommen. Er kann sich auf dem munitionsbelasteten Gelände sicherer bewegen als die Feuerwehr-Fahrzeuge.

Warnung wegen Rauchentwicklung

Mit Hilfe des THW sei zudem eine Wasserversorgung aufgebaut worden, mit der die Ortschaften Klein Liebitz und Groß Liebitz gesichert werden. Zur Unterstützung der Wasserversorgung an der Einsatzstelle seien Container aufgestellt worden. Evakuierungen von Wohnorten sind nach Angaben der Feuerwehr-Regionalleitstelle Lausitz nicht notwendig. Außerdem schlägt das THW Schneisen in die Brandgebiete, damit die Löschkräfte besser eingesetzt werden können.  

Wegen der starken Rauchentwicklung wurde für den südlichen Teil des Landkreises Oder-Spree am Mittwochmorgen eine amtliche Gefahreninformation herausgegeben. Fenster und Türen sollten dort geschlossen bleiben.

Weiterhin höchste Gefahrenstufe im Süden des Landes

Seit Tagen hat es in der Lieberoser Heide an mehreren Stellen gebrannt. Teilweise konnten die Flammen gelöscht werden, doch dann kamen am Dienstag neue Feuer hinzu. Der Brandschutzbeauftragte Raimund Engel sprach am Dienstag zudem von einer zunehmenden Waldbrandgefahr. In sechs Regionen im Süden Brandenburgs gelte am Mittwoch die höchste Gefahrenstufe.

Die Bundespolizei ist im September 2018 in der Lieberoser Heide mit Löschhubschraubern unterwegs. (Bild: rbb/Jasmin Schomber)Die Bundespolizei ist mit Löschhubschraubern im Einsatz

Großes Feuer bei Treuenbrietzen im August

Mehr als 440 Mal hat es bislang in diesem Jahr in Brandenburgs Wäldern gebrannt. Den ersten Brand gab es Engel zufolge bereits am 4. März - bei Bodenfrost. Im August hielt ein rund 400 Hektar großes Feuer Anwohner und Einsatzkräfte rund um Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) in Atem. Auch bei Jüterbog (Teltow-Fläming) und in der Lieberoser Heide (Dahme-Spreewald) kam es zu riesigen Waldbränden.

Luftbilder zeigen enorme Schäden bei Treuenbrietzen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

9 Kommentare

  1. 9.

    Die Kollegen von Antenne Brandenburg haben alles richtig gemacht. Es gab eine offizielle Gefahrenmeldung für den südlichen Teil des Landkreises Oder-Spree. Dieser grenzt an den Landkreis Dahme-Spreewald und offenbar waren Rauchwolken vom Brand in der Lieberoser Heide gestern bis in den benachbarten Landkreis Oder-Spree gezogen. Deshalb gab es die offizielle Gefahrenmeldung.

  2. 8.

    Die Brände sind eigentlich nicht schlimm. Einerseits brennt der Wald ja nur, weil dort zuviele trockene Nadelbäume stehen, die eh weg müssen, weil der Klimawandel uns zurück zu Laubwäldern zwingt. Und andererseits würde niemand die „Munitionsverdachtsflächen“ jemals beräumen, da das unbezahlbar wäre. Daher gut um jede Granate, die nun das Feuer entschärft und die dann niemanden mehr töten kann. Also kontrolliert abbrennen lassen. Solange keine Siedlung bedroht ist, muss man sich keine Sorgen machen.

    Also wo ist das Problem? In 10 Jahren ist da allerschönster junger Laubwald.

  3. 7.

    …den Brandstiftern sollen die Finger abfaulen! Sie wissen offensichtlich gar nicht, was sie anrichten. Sie sorgen wieder dafür, dass die Einsatzkräfte bis zur Erschöpfung arbeiten und sich in Gefahr bringen müssen; verbreiten Angst und Schrecken in den benachbarten Ortschaften; zerstören die Natur… Ich hoffe sehr, dass diesmal zumindest niemand um sein Hab und Gut bangen muss. Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf???

  4. 6.

    Es war kein anderes Feuer in dem Sinne.die Brandfläche sie am Montag brannte wurde gelöscht,aber leider durch den Wind wieder angefacht wurde.Zu dem Zeitpunkt ahnte ja niemand das noch ein weiteres Feuer ausbricht,und auf grund der relativ günstigen witterung am dienstag morgrn wurde der Hubschrauber am Montag und Dienstag nicht zum Einsatz gebracht.

  5. 5.

    Hallo,
    ich glaube Sie beziehen sich auf einen Artikel über ein anderes Feuer (bereits gelöscht; ohne Hubschrauber).
    Jetzt: neues Feuer --> größer --> mit Hubschrauber :)

  6. 3.

    Bitte mal den Kollegen von Antenne Brandenburg Bescheid sagen, das die Lieberoser Heide im Süden des Landkreises Dahmespreewald und nicht im Landkreis Oder Spree liegt. Kommt da immer in den Nachrichten das dort eine Warnung herausgegeben wurde.

  7. 2.

    Nach unseren Informationen sind Hubschrauber im Einsatz.

    "Ein Hubschrauber der Bundespolizei löscht das Feuer aus der Luft. Ein weiterer Hubschrauber der Bundeswehr wird gegen Mittag zur Unterstützung erwartet."

  8. 1.

    Glaube Montag gelesen zu haben, dass ein Löschhubschrauber bereit gemacht wurde, dieser aber wegen Windstille abbestellt wurde. Man dachte selber löschen zu können. Klar, ein Hubschrauber kostet Geld. Ist es aber angesichts der Trockenheit und Munitionsbelastung nicht wichtiger, möglichst schnell und sicher zu löschen?

Das könnte Sie auch interessieren

Archivbild: Tagung der Kohlekommission in Brandenburg. (Quelle: rbb/Brandenburg Aktuell)
rbb/Brandenburg Aktuell

Interview | Diskussion um Ausstiegsdatum - Kohlekommission unter Druck

Raus aus der Braunkohle bis 2038? Mit diesem Vorstoß hat Roland Pofalla, Vorsitzender der Kohlekommission, die am Dienstag zusammenkommt, sich nicht nur Freunde gemacht. Was die Diskussion für die Region bedeutet, erklärt Andreas Rausch aus dem rbb-Studio Cottbus.