Mauerreste auf dem Oberkirchplatz in Cottbus (Foto: rbb/Schomber)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.09.2018 | Jasmin Schomber | Bild: rbb/Jasmin Schomber

Bei Bauarbeiten entdeckt - Streit um archäologische Fundstücke in Cottbus

In Cottbus wird gerade Historisches ausgegraben, zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen. Und zum zweiten Mal streiten sich Archäologen mit der Stadt, was mit dem Fund am Oberkirchplatz passieren soll. Sichtbar machen? Zuschütten? Von Jasmin Schomber

Baustelle Cottbuser Oberkirchplatz, hier soll alles neu und schick werden. Ein riesengroßes Loch ist aktuell zusehen, ringsherum ein Bauzaun. Aber wer stehen bleibt, sieht alte Grundmauern und alte Straßen, denn hier wird Geschichte ausgegraben. Und dann wieder zugeschüttet? Die Brandenburgische Genealogische Gesellschaft plädiert dafür, dass der Fund sichtbar bleibt. Die Stadt Cottbus erwidert, dass das nicht möglich ist. Es sei schlichtweg zu teuer.

Es geht um Fundamentenreste, die durch Arbeiten an der Oberkirche freigelegt wurden. Gebäudeecken, Kellerräume, die alte Lateinschule von 1300.

Jahrhundertealte Mauerreste

Wolfgang Bauch bezeichnet es als wahren geschichtlichen Schatz. Er ist Mitglied der Genealogischen Gesellschaft - und Cottbuser: "Wir können hier ins Erdreich und damit in unsere Cottbuser Geschichte schauen." Er erinnert an die slawische Besiedlung. "Die Stadt ist ja gewachsen. Wir haben hier Kellerräume aus dem Mittelalter, wir sehen eine freigelegte Kopfsteinpflasterstraße", sagt er begeistert.

Mauerreste auf dem Oberkirchplatz in Cottbus (Foto: rbb/Schomber)
Bild: rbb/Jasmin Schomber

Nutzungsideen laut Stadt "nicht machbar"

Die Genealogische Gesellschaft "Roter Adler" will, dass Teile der Entdeckungen sichtbar in den neuen Platz eingebunden werden. Ein Teil könnte begehbar gemacht oder als Geschichtsfenster gestaltet werden. Damit könnte mit dicken befahrbaren Plexiglassscheiben der Blick nach unten weiter möglich sein, ist der Verein überzeugt.

"Nicht machbar", sagt Stadtsprecher Jan Glossmann. Man könne sich das im Detail angucken, es sei aber zu erahnen, "dass die Kosten für solche Vorhaben derart immens hoch sind, dass es zum einen niemand bezahlen kann, zum anderen der Bauablauf völlig durcheinander käme." Außerdem wäre die aktuelle Idee nicht barrierefrei, betont Glossmann und ergänzt: "Der Platz ist für andere Nutzungen, als Veranstaltungsort und für den Wochenmarkt, vorgesehen."

Wolfgang Bauch widerspricht dem Stadtsprecher vor allem beim Punkt Finanzen. "Es sind auch für andere Projekte immer wieder Gelder da. Da muss man verantworlichbewusst schauen, ob es die Möglichkeit gibt, Fördermittel zu bekommen." Ihn ärgert, dass der Vorschlag der Genealogischen Gesellschaft "sofort und ungeprüft" zurückgewiesen wurde.

Kein Kompromiss in Sicht

Eine Kompromisslösung gibt es derzeit nicht. Die Stadt hält an ihrem Plan fest, sagt Glossmann: "Der Fund wird so bearbeitet und gesichert, wie es bei archologischen Untersuchungen notwendig ist. Er wird freigelegt, dokumentiert und dann können die Fachleute forschen."

Geplant ist ein Messingband, dass an die Lateinschule erinnert. Es soll in das künftige Plaster eingebaut werden. Für die Genealogische Gesellchschaft ist das zu wenig. Wiederholt werde ihrer Meinug nach in Cottbus Geschichte einfach verschüttet und nicht erlebbar gemacht.

Generelle Kritik an der Stadt

Die Genealogische Gesellschaft "Roter Adler" kritisiert auch, dass die Stadt ähnliche Projekte nicht erhalten hat. Zuletzt war heftig umstritten, dass der gefundene Ziegelbrennofen aus dem Mittelalter nicht sichtbar gemacht wurde. Stadt und Denkmalschutz hatten sich im Juli darauf verständigt, den Ofen unter der Erde zu konservieren. Der Ziegelbrennofen wurde mit Spezialtextil eingepackt und wieder zugeschüttet. Diese Art der Konservierung verhindert einen Zerfall des historischen Bauwerks. Was bleibt, ist die Dokumentation des Fundes.

Der Fund des Ziegelbrennofens aus dem 14./15. Jahrhundert war eine archäologische Sensation. Er war bei Bauarbeiten entdeckt worden. Die Wände sind noch erhalten, die Form ist zu erkennen.

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