Drei junge Pyrenäenhunde der Schäferei Kaltschmidt aus Preschen auf einer Schafweide.
Video: Brandenburg aktuell | 12.11.2018 | Theresa Krinninger | Bild: rbb/Theresa Krinning

"Sie fressen uns die Haare vom Kopf" - Herdenschutzhunde zu teuer für Lausitzer Schäfer

Herdenschutzhunde sind eigentlich der perfekte Schutz vor Wölfen. Doch kaum ein Lausitzer Schäfer kann sich die Hunde leisten. Für Schäferin Michaela Kaltschmidt aus Preschen (Spree-Neisse) rechnet sich die Schafzucht deshalb kaum noch. Sie überlegt aufzugeben. 

Michaela Kaltschmidt aus Preschen im Landkreis Spree-Neiße ist Schäferin aus Leidenschaft. Vor zehn Jahren hat sich ihr Familienbetrieb der Schafzucht verschrieben. Doch mit der Rückkehr des Wolfes nach Deutschland sind auch die Sorgen der Kaltschmidts gewachsen.

Um ihre 1.000 Schafe vor Wolfsangriffen zu schützen, haben sich die Kaltschmidts zwölf Herdenschutzhunde zugelegt. Seitdem die bis zu 60 Kilogramm schweren Schutzhunde da sind, hat es bei dem Familienbetrieb keine Risse mehr gegeben. Allerdings kostet jeder einzelne Hund etwa 2.500 Euro im Jahr an Futter und Tierarztkosten.

Für Michaela Kaltschmidt sind das gut 30.000 Euro im Jahr. Die Schafzucht rechnet sich dadurch fast gar nicht mehr. Die Kaltschmidts überlegen deshalb das Handtuch zu werfen und die Schafzucht einzustellen.

Schäferin Michaela Kaltschmidt aus Preschen mit drei jungen Pyrenäenhunden auf einer Schafweide.
Schäferin Michaela Kaltschmidt | Bild: rbb/Theresa Krinning

Brandenburg unterstützt nur den Kauf der Hunde

Seit Frühsommer 2016 gibt es in Brandenburg ein Programm, das den Kauf von Herdenschutzhunden unterstützt. Es wurde aufgelegt, weil die Zahl der Wolfsangriffe auf Schafe, Rinder und Ziegen immer mehr zugenommen hatte. Je nach Alter und Ausbildung kostet so ein Herdenschutzhund zwischen 1.000 und über 5.000 Euro.

Doch auf den Folgekosten für Futter und Tierarztbesuche bleiben die Schäfer komplett allein sitzen, sie werden nicht vom Land Brandenburg übernommen. Damit sich die Schafzucht überhauptz noch rechne, müsse sich das Land Brandenburg aber auch an diesen Kosten beteiligen, fordert Michaela Kaltschmidt. 

Immer mehr Wölfe in Brandenburg

Die Zahl der Wölfe in Brandenburg ist in den vergangenen Jahren förmlich explodiert. Nach Zahlen des Landesumweltamtes gibt es zwischen Neiße und Prignitz mittlerweile 26 Wolfsrudel. Jedes einzelne Rudel besteht aus fünf bis zehn Wölfen. In der Lausitz gibt es sogar das größte Wolfsvorkommen in ganz Deutschland.

Da Wölfe haben keine natürlichen Feinde haben, können sich die Rudel nahezu ungestört vermehren und ausbreiten. Hinzu kommt, dass der Wolf streng geschützt ist. Trotzdem werden im Land Brandenburg immer wieder getötete Wölfe gefunden. Einigen wurde der Kopf abgeschlagen, andere wurden erschossen.

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 21.

    Herje ! Weshalb finanziert das Land Brandenburg nicht schon längst allen Nutztierhaltern KOMPLETT alle Kosten für die äußerst effizienten Herdenschutzhunde?? Diese Gelder sind doch wirklich aufzutreiben ! Das ist jedenfalls die friedlichste und natürlichste Lösung, um endlich diese endlosen, oft viel zu aggressiven Diskussionen um den Wolf zu beenden! Lebt endlich damit, dass die NATUR nicht vom Menschen arrogant kontrolliert wird sondern SELBSTÄNDIG lebt und wir Menschen nur ein kleiner, bescheidener Teil davon sind ! Einfach mal über den eigenen zu klein geratenen Horizont in andere Länder sehen, wie die mit ihrer Natur/Tieren/Wolf umgehen...

  2. 20.

    Eine Herde sollte man schützen, sonst :

    https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/150-Schafe-gestohlen-Schaefer-setzt-Belohnung-aus,schafe566.html

  3. 19.

    Ich finde Wölfe auch toll. Wenn es so einfach wäre würde ich auch jährlich ein Schaf zum füttern abgeben, wenn es sicher wäre das die anderen 6 verschont bleiben und dieser gang jeden Morgen zu den Schafen nicht mehr mit Angst begleitet wird. Einsperren Nachts bringt auch nicht. Im Nachbarort wurde auch schon am Tage gerissen.Waren aber NUR Schafe.

  4. 18.

    Die Wölfe sind zurückgekommen und sind ein Segen für uns und unsere heile Umwelt. Die Schäden die entstehen, können doch wohl locker durch Subventionen, die es schon überall in der Agrarwirtschaft gibt, kompensiert werden. So lange der Wolf nicht zur Plage wird, sollte ein "Entnehmen" nur im legitimierten Sonderfall möglich sein.

  5. 17.

    Verena scheint der Lautsprecher von Bauernverband zu sein und eine glühende Befürwortern der Wolfstötung.
    Aber: ich habe noch nicht gehört, das Wölfe (oder ein Einzelgänger) Rinder angegriffen haben. Kälber vielleicht, dass will ich mal nicht in Frage stellen. Das aber dadurch unsere Versorgung in Gefahr ist. Letztlich bekommt der Züchter und die Besitzer der Herden einen finanziellen Ausgleich für den Wolfsriss. Bei den fallenden Fleischereien ist die sogar höher als der derzeitige Kilopreis für Schlachtvieh. Man muss das nur beantragen. Dazu gehört es, dass der Jäger den Riss bestätigt. Natürlich ist es aufwendiger, als einen Wolf zu töten und mancher Schäfer ist von dem Papierkram überfordert.
    Ich bin kein Ökonomie oder ein verspinnerter Umweltschützer, aber ich finde Wölfe gut, die sich wieder ansiedelnden Luchse schön. Dafür sollten wohl ein, zwei Schafe drin sein, den Wölfe gehören zu unserer schönen Heimat.

  6. 16.

    Sie wissen, dass Sie übertreiben. Aber egal. Vielleicht geht ja auch in der Landwirtschaft der Trend hin zu Großbetrieben, die anders Wirtschaften können. In der übrigen Produktion und im Handel ist das normal. Außerdem weiß ich nichts was Sie wollen? Die Schäferin selbst sagt ja, mit den Hunden ist es eben nur teuer. Sie redet nicht vom Töten des Wolfes. Und um Bauern geht es im Beitrag auch nicht. Die Schäferin meint nur, sie wolle nicht länger, weil sie nicht genug Geld verdient.

  7. 15.

    Na dann sehen Sie mal zu, wo sie in Zukunft Ihre Nahrung her bekommen. Denn allen Bauern geht es im Grunde so. Es rechnet sich nicht und sie müssen sich verabschieden aus dem Geschäft.

  8. 13.

    Na sicher. Wenn der Wolf es steht weg ist jagen die Wolfnichtbefürworter nicht passende Menschen aus purer Langeweile. So einen absurden Unsinn wie von Ihnen hab ich in dem Zusammenhang lange nicht gelesen.

  9. 12.

    Man könnte das Fleisch im Laden auch ein paar Cent teurer machen. Die Dumpingpreise, die wir für Fleisch hinlegen sind ja ohnehin nicht mit artgerechter Haltung vereinbar.

  10. 10.

    Dann laber ich auch mal. Ich weiß nicht, welche 12 Wolfskenner Sie meinen. DIe Schäferin sagt, seit sie die HSH hat, wurde kein Schaf mehr gerissen. Es geht ihr lediglich um die Kosten. Hier greift die EU nun in die Tasche. Die Schäferin berichet nicht über Wolfsschäden. Sie reden von unserer Welt und meinen vermutlich Ihr Dorf. Denn es gibt sogar in Deutschland noch Gegenden, in denen es keine Wölfe gibt. Europaweit auch. Deswegen sind Wölfe auch geschützt. So, da Sie dies ja auch als Gelaber empfinden werden, ich keine Frage gestellt habe, bitte ich doch auf eine Antwort zu verzichten. Denn unsere Ansichten sind zu unterschiedlich.

  11. 9.

    Ich staune über die vielen Wolfskenner. Alle labern und geben “gute” Ratschläge. Sie sind von dem Unfug nicht betroffen. Der Wolf breitet sich ungehindert aus und richtet große Schäden an. Er gehört in der derzeitigen Menge nicht in unser Welt. Aber all die zwölf Wolfskenner werden erst dann wach wenn Menschen zu Schaden gekommen ist. Dann ist das Geschrei wieder groß.

  12. 8.

    Scheint viel, kommt aber auf die Anzahl der Herden an. Viele haben zwei Rassen bei den Schafen, und dann müssen die Bocklämmer raus, damit es keine Inzucht gibt. Dann zu jeder Herde drei Hunde, dann passt das. Das ist nur ein Beispiel.
    Ein anderes: pro 100 Schafe 2-3 Hunde...

  13. 7.

    Da läuft was falsch bei den Schäfern: Tiere besitzen, aber diese nicht schützen können.... die Lösung aber ist NICHT, den Wolf deswegen auszurotten - nein, die Lösung ist auf anderer Ebene zu suchen.
    Und an Alle, die die Ausrottung des Wolfes so sehr befürworten: Macht Euch mal Gedanken über Eure Idee eines Feindbildes. Ist der Wolf erst ausgerottet, dann sucht ihr Euch doch gleich das nächste Opfer oder nicht ? Liegt das Problem da nicht bei Euch und nicht beim Wolf ? Mal drüber nachdenken :-)

  14. 5.

    Dann ist die Lösung ja nah:

    https://www.bmu.de/pressemitteilung/100-prozent-staatliche-unterstuetzung-fuer-vorsorge-und-entschaedigung-bei-wolfsrissen-moeglich/

  15. 4.

    Zu teuer, nicht machbar, ohne Erfolg - jammern auf hohem Niveau.
    Stattdessen lieber Wölfe ausrotten - das kostet nichts, den die armen leidenden Schäfer müssen es ja nicht selber tun. Dafür gibt es trophäengeile Jäger, die sich schon immer einen ausgestopften Wolf ins Zimmer stellen wollten.
    Ich bin beileibe kein Öko oder ein verschrobener Umweltschützer, aber das ist engstirnig und dumm.

  16. 3.

    Jeder Unternehmen muss mit sich veränderenden Rahmenbedingungen umgehen können. Wer damit nicht klarkommt, muss sich halt aus dem Markt verabschieden, oder betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Was sich nicht rechnet, wird halt nicht (mehr) gemacht.
    Aber ist schon klar worum es geht, Bauern und Tierzüchter sind Weltmeister im Erschreien von Subventionen.

  17. 2.

    Solange die Landwirtschaftpolitik nicht beisteuert und den Unterhalt der Herdenschutzhunde subventioniert, werden Schäfer und Jäger, ebenso die Politiker in Land- und Forstwirtschaft das Abknallen einer heimischen Wildtierart weiter forcieren.
    Da muss Verbraucher halt das Geizverhalten aufgeben und bereit sein, mehr zu zahlen. Dieses "Geiz ist geil" Gehabe ist in allen Wirtschaftszweigen nur noch abstoßend.
    Gönnen können muss wieder gelernt werden.

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