Alexa und Manja Bieder von der Lacrima Trauerbegleitung (Foto: rbb/Screenshot)
Video: Brandenburg aktuell | 25.11.2018 | Anke Blumenthal | Bild: rbb

Trauergruppe für Kinder - "Solange es die Sterne gibt, werde ich dich nicht vergessen"

Sonntag ist Totensonntag. Für die neunjährige Alexa ist das kein besonderer Tag. Denn das Mädchen denkt immer an seinen Papa. Er ist bei einem Unfall ums Leben gekommen. Die Trauergruppe Lacrima hilft Alexa, das Erlebte zu verarbeiten. Von Anke Blumenthal

Gräber eindecken, der Toten gedenken. Am letzten Wochenende vor der Adventszeit ist Totensonntag. Doch wie schaffen es Kinder, den Tod von Mama oder Papa zu begreifen? In Brandenburg gibt es Kinder- und Jugendtrauergruppen, geleitet durch die Johanniter. Sie heißen Lacrima, nach dem lateinischem Wort für Träne. Wie wichtig diese Gruppen sind, zeigt ein Schicksal aus der Lausitz.

Seit drei Jahren geht die neunjährige Alexa aus Reuden bei Calau (Oberspreewald-Lausitz) regelmäßig zu Lacrima. Die Gruppe hilft dem Mädchen, den Tod seines Vaters zu verarbeiten. Der Lackiermeister starb bei einem Unfall auf dem Gelände seiner Firma im August 2015.

Ein Familienfoto, eine Kerze steht daneben (Foto: rbb/Screenshot)
Bild: rbb

Ein Brief an Papa

Zum ersten Mal zeigt Alexa ihre Erinnerungskiste zu Hause ihrer Trauerbegleiterin Manja Bieder. In der Lacrima-Gruppe in Cottbus füllen die Kinder auch eine Kiste. Weil die Gruppe für andere - auch für Reporter - tabu ist, treffen wir uns bei Alexa zu Hause.

Das Lieblingsstück des Mädchens ist ein neuer Brief an seinen Papa. "Weil er an Halloween nicht dabei sein konnte und weil ich ihm auch was schenken wollte," sagt Alexa und holt den Brief aus der Kiste. Vorlesen möchte sie ihn nicht, aber ihre Trauerbegleiterin darf es.

"Hallo Papi, wir wünschen Dir frohes Halloween, in Liebe Lexi und Mama. Ich liebe, solange es die Sterne gibt. Ich werde dich nie vergessen. Für immer vereint."

Alexa und ihre Familie trauern am Grab (Foto: rbb/Screenshot)
Die Familie trauert am GrabBild: rbb

Alexa ist ein Geschenk für die ganze Gruppe

Ein halbes Jahr nach dem Tod des Vaters trifft sich Alexa das erste Mal mit anderen Kindern in der Lacrima-Gruppe in Cottbus. Es war die Rettung für das Kind, sagt ihre Mama.

"Lexi hat dort eine Sicherheit bekommen. Raum und Zeit, um vielleicht auch Dinge auszusprechen, die sie sich hier nicht getraut hat", sagt die Mutter. "Weil sie vielleicht auch Angst hat, mir weh zu tun, weil das wieder hoch kommt. Weil ich weinen könnte." Wenn Alexa aus der Gruppe kommt, sei sie "wie beseelt".

"Weil das alles im Raum bleibt, kann ich dort besser über Papa reden", erklärt Alexa. "Manja hat gesagt, es bleibt alles im Raum. Da können wir auch weinen, wenn wir traurig sind."

Zehn Kinder sind in der Cottbuser Trauergruppe. Dass sich andere Kinder der Gruppe anvertrauen, liege auch an Alexa. "Durch ihre offene Art, und dadurch, dass sie so viel auch von ihrem Papa erzählt, macht sie es anderen Kindern einfacher, über den eigenen Verlust zu sprechen", so Begleiterin Manja Bieder.

Trauerhilfe - bald auch für Erwachsene

Die Lacrima-Gruppe in Cottbus ist eine von zwei Trauergruppen in Brandenburg. Im Jahr 2011 haben die Johanniter begonnen, Trauerzentren für Kinder und Jugendliche in Cottbus und Finsterwalde aufzubauen. Die Treffen finden einmal im Monat statt.

Weil Kinder bei der Trauer um Mama oder Papa oder die Schwester professionelle Hilfe brauchen, suchen die Johanniter Südbrandenburg Ehrenamtler. Interessierte können sich bei den Johannitern in Cottbus melden. Die Johanniter planen jetzt eine Trauergruppe für erwachsene Hinterbliebene.

Beitrag von Anke Blumenthal

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