Das Reetdach eines Hauses in Lehde. (Quelle: rbb/Wußmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.12.2018 | Iris Wußmann | Bild: rbb/Wußmann

Lehde in Brandenburg - Besuch in der böllerfreien Zone

Hannover hat Raketen und Knaller aus der Stadt verbannt, in Berlin wird darüber heftig diskutiert. In Lehde, einem Dorf in Brandenburg, gilt zu Silvester aber schon lange Böllerverbot. Einige Gäste zieht es genau deshalb dorthin. Von Iris Wußmann

Ein extra Verbotsschild für Raketen und Knaller gibt es in dem 150 Einwohner Dörfchen Lehde (Oberspreewald-Lausitz) nicht. Aber dass Böller verboten sind, wisse hier sowieso jeder, sagt Jutta Pudenz, die auf den Kanälen der Ortschaft jahrzehntelang die Post mit dem Kahn ausgefahren hat. 

"Weil viele der Häuser hier noch mit Reetdach gedeckt sind, wird überhaupt nicht geknallt", sagt Pudenz. Die Lehdschen jedenfalls scheinen sehr gut ohne Krach und Qualm in der Silvesternacht auszukommen. Einwohner, die man hier kurz vor Jahreswechsel trifft, sagen, sie würden nichts vermissen - und das Böllerverbot befürworten. Die Brandgefahr sei zu hoch und auch für viele Haustiere sei die Lautstärke eine Belastung. 

Seit die Stadt Hannover ein Böllerverbot für zentrale Punkte der Innenstadt für die kommende Silvesternacht ausgesprochen hat, wird auch in Berlin und in Brandenburg heftig darüber diskutiert, Böller aus Innenstädten zu verbannen. Befürworter des Verbots stören sich an der Lautstärke und am Müll - führen aber auch die zahlreichen Verletzungen an, die sich Jahr für Jahr in der Silvesternacht ereignen. 

Lehde ist die einzige Oase der Ruhe weit und breit

Noch ist Lehde die einzige Oase der Ruhe weit und breit. Viele böllergestresste Großstädter kämen her, berichtet auch eine Mitarbeiterin einer Pension. Raus aus der Kampfzone, rein in die Natur - das scheine das Motto vieler Besucher zu sein. "Ich habe Gäste, die hier extra wegen der Ruhe herkommen und diesen Tamtam nicht wollen", sagt sie. 

Ursula und Ingeborg Krauth sind aus Zeuthen angereist und glücklich über ihre Ferienwohunung im ruhigen Lehde. "Unser Hund hat sich das letzte Silvester entsetzlich aufgeregt, deshalb sind wir geflüchtet", sagt Ingeborg Krauth. Auch Familie Spieß aus Halle hat sich ganz bewusst für Lehde entschieden. Beide sagen, sie genössen die Ruhe - diese Böllerei bräuchten Sie nicht. Stattdessen könne das Böllerverbot auch woanders Schule machen. 

Ein Vorbild für alle?

Lehde als Vorbild für alle? Feuerwehrmann Harry Filko sagt, er hätte nichts dagegen. "Ich könnte mir das schon vorstellen. Um die Uhrzeit ist ja meistens auch viel Alkohol im Spiel, und das artet mittlerweile aus, weil sich Leute gegenseitig beschießen." Gegen ein Feuerwerk von offizieller Seite habe er nichts einzuwenden. Aber wenn jeder "rumballern" könne, gebe es ziemlich viele Verletzungen. "Das muss eigentlich nicht sein", findet Filko. 

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.12.2018

Beitrag von Iris Wußmann

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13 Kommentare

  1. 13.

    Laut NDR können ungenutzes Feuerwerk (ohne Verpackung) und Blindgänger nach 30min im Wassereimer im Restmüll entsorgt werden. https://www.ndr.de/ratgeber/Vorsicht-beim-Feuerwerk-an-Silvester,silvester450.html

  2. 12.

    Alles richtig. Es wird aber leider immer deutlicher, dass Menschen immer weniger oder gar nicht mehr bereit dazu sind, für die Allgemeinheit oder die Umwelt auch nur im Geringsten auf ihr privates Wohlbefinden oder Amüsement zu verzichten. Es wird auch völlig ausgeblendet, dass manche Dinge nachhaltig krank machen, oder die Natur zerstören. Das Geböllere ist kein Recht auf das man pochen kann, wohl aber auf gute Luft und Lärmschutz. Das den „Knall-Köpfen“ ;-) verständlich zu machen ist fast aussichtslos, so wie es aussieht. Ich beneide alle Orte, die mit gemäßigtem oder keinem Geknalle das neue Jahr begrüßen dürfen!

  3. 10.

    Ich bin ganz bei Dir Alfred. Was mich am meisten ärgert ist, dass jedes Jahr kurz vor Sylvester diese Diskussion wieder los getreten wird und danach herrscht wieder Ruhe. Warum ist ein Verbot so schwierig. Suche mir auch eine Böller-Freie-Zone für das nächste Jahr, hie schaffen die Politiker es nicht - Schade

  4. 9.

    Danke Alfred, du sprichst mir ganz aus dem Herzen. Leider merken die Menschen erst wenn alles Kaputt ist, das sie selber dafür verantwortlich sind. Und dann ist es oft zu spät. Und unsere lieben Politiker haben sicher wirtschaftliche Interessen und wollen weiter an der Macht bleiben - weshalb sie nichts dagegen unternehmen.

  5. 8.

    @ Vielen Dank für diesen Beitrag. Eine Frage, die mich auch beschäftigt. Wäre schön, wenn ihr dazu auch berichten könnt. Was mache ich, wenn ich draussen auf der Straße und auf Spielplätzen legales und/oder illegales Feuerwerk/Böller finde? Wer ist da zuständig, wenn ich selbst Angst habe es an mich zu nehmen?
    Wo kann nach Sylvester übriggebliebenes Feuerwerk sicher gelagert werden? Beziehungsweise wo und wie kann es sicher entsorgt werden? Immer wieder sehe ich bei Freunden und Bekannten auch noch größere Mengen Restfeuerwerk nach dem Jahreswechsel. Dürfen die aufgehoben und zu anderen Anlässen abgebrannt werden? Wenn ja, wann und wo? Wenn nein, wohin damit?

  6. 7.

    Es geht darum, dass das in manchen Köpfen unvorstellbare doch mancherorts tatsächlich möglich ist! Und ich finde übrigens, dass nicht nur die Architektur eine Rolle spielen sollte, sondern auch die Natur! Unzählige Raketen und Böller fliegen in Gewässer und verschmutzen diese langfristig. In ländlichen Regionen schreckt man wochenlang das Wild unnötig auf. Und wenn ich jetzt noch daran denke, wie viele besoffene Idioten Raketengedöns dazu missbrauchen, um Rettungskräfte zu atackieren... Und die Luft! Himmel die Luft! Wo bleibt der Aufschrei aller Luftreinhalter? In diesem Land wird heftigst über den Dieselmotor und sein Verbot diskutiert und niemand wagt es auch nur, dem Deutschen das Geböller zu verbieten! Am 1.1. werden bundesweit 15,5 % der JÄHRLICH im Straßenverkehr verursachten Feinstaubbelastung freigesetzt! 15,5%! Und dann wollen 'se munter den Dieselmotor verbieten. Ehrlich, nennt mich doch linksrotgrün-versifft. Jeder der knallt, schaufelt sich sein eigenes Grab!

  7. 6.

    Ich flüchte mit meiner kleinen Hündin Tilly aus dem zu Silvester Kriegsartihgem Neukölln in die Böllerfrrie Altstadt von Osterode in den Harz. Mehrere Tage ist in Neukölln quasi Ausnahmezustand. Mir ist ein Tätsel warum das quasi als Naturgegebenes Traditionsrecht gilt das Jugendliche schon Tage vorher böllernd durch die Stadt ziehen dürfen. Von 1000 Menschen sind immer 20 schräge Typen dabei die Raketen und Böller ohne Umsicht zünden und ein Geistesgestörter der mit einer PyroKnarre wild um sich ballert. Zudem finde ich die Idee Alkohol und Feuerwerk zu kombinieren nicht grad grandios.
    Außerdem frage ich mich warum die Allgemeinheit für Schäden an Briefkästen, Telefonzellen, Mülleimern etc aufkommen soll und für die Beseitigung des Drecks zahlen soll. Auch frage ich mich was die Dieselverbotsdiskussion für einen Sinnmacht wenn zu Silvester 10% der Jahresmenge an Feinstaub (in Innenstädten noch mehr!) in die Atmosphäre geballert wird. Sicherheitstechnisch würde ich auch gern wissen ob die ganzen Feuerwerkverkaufsläden in Neukölln und Kreuzberg die Masse an „Sprengstoffen“ in ihren Läden wirklich sachgerecht lagern.
    Insgesamt stellt sich mir die Frage warum das alles sein muss.
    Wie gesagt. Ich muss drei Tage flüchten, trage Fahrt- und Hotelkosten um meinem Hund eine stressfreie Zeit zu ermöglichen- nur weil die Knallköppe sich ein anscheinend gottgegebenes Recht herausnehmen rumballern zu dürfen.

  8. 5.

    Neben Berlin gehört auch Brandenburg zu unserem Berichtsgebiet. Und weil insbesondere in Berlin gerade intensiv über ein Böllerverbot diskutiert wird, finden wir es interessant, aus einem Spreewald-Dorf zu berichten, wo es schon seit Langem ein Böllerverbot gibt. Dass die architektonischen Rahmenbedingungen, Einwohnerzahl usw. in Berlin und Lehde natürlich absolut anders sind, ist klar.

  9. 4.

    Ja, dass muß wirklich nicht sein! Lehde ist Kulturgut und das muss man schützen, auch vor Böller! Aber Berlin hat keine Schilfdächer und ganz, ganz wenig Fachwerk, also wo ist das Problem und wieso dieser Vergleich, rbb 24?

  10. 3.

    Wir kommen!!!!

  11. 2.

    Wie viel muss noch passieren bis der Senat aufwacht.

  12. 1.

    "Das muss eigentlich nicht sein" Ja das muss wirklich nicht sein!

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