Cottbuser Polizeibeamte bei der Spurensicherung (Bild: Iris Wussmann/rbb)
Video: rbb|24 | 02.01.19 | Daniel Jorewitz | Bild: rbb/Iris Wussmann

Gewalt überschattet Jahreswechsel - Stellungnahme der Stadt Cottbus löst heftige Kritik aus

In der Silvesternacht hat in Cottbus ein Unbekannter auf einen 28-Jährigen eingestochen. Die Polizei sprach zunächst voreilig von einem unbekannten Ausländer als Täter und die Stadt gab schnell ein Statement heraus. Das stieß auf viel Kritik.

Die offizielle Erklärung der Stadt Cottbus zu einem Gewaltvorfall in der Silvesternacht hat eine heftige Kontroverse im Internet ausgelöst. Ein Unbekannter hatte der Polizei zufolge auf einen 28-jährigen Deutschen eingestochen, der zunächst einen Streit schlichten wollte. Der Angegriffene kam ins Krankenhaus, seine Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich, hieß es. 

Die Polizei hatte zunächst berichtet, bei dem Angreifer handele es sich um einen Ausländer. Später entschuldigte sie sich auf Twitter für die "unglückliche Formulierung". Laut Zeugenaussage sei das Aussehen eines Tatverdächtigen lediglich als "südländisch" beschrieben worden, hieß es dann. 

Noch am Neujahrstag hatte die Stadt Cottbus - gestützt auf die erste Angabe der Polizei - ein Statement veröffentlicht. Dort hieß es wörtlich: "Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben." Gleichzeitig mahnte die Stadt, dass zunächst Hergang und Hintergründe der Tat aufgeklärt werden und der oder die Täter gefunden werden müssten, "damit die Justiz zum Zuge kommen kann".

Viel Empörung - aber auch Zuspruch

Das Statement löste in den sozialen Netzwerken teils heftige Reaktionen aus. Zahlreiche Nutzer empörten sich über die Formulierungen und wünschten sich einen angemesseneren Ton, weniger Mutmaßungen. Auch warfen sie der Stadt Drohungen vor. Vielfach wurde kritisiert, dass bereits von einem ausländischen Täter gesprochen wurde, obwohl dieser noch unbekannt sei. Andere Nutzer hingegen lobten die klaren Worte der Stadt und wünschten sich, dass den Worten nun auch Taten folgen.

Die AfD-Stadtverordnete Marianne Spring-Räumschüssel hält die Formulierung nach eigener Aussage noch für zu lasch. Die Landtagsabgeordnete Andrea Johlige (Linke) dagegen sagte, sie fühle sich an Plakate der NPD erinnert.

Stadtsprecher Jan Gloßmann im Interview (Bild: Iris Wussmann/rbb)
Stadtsprecher Jan Gloßmann | Bild: rbb/Iris Wussmann

Stadtsprecher rechtfertigt sich

Unterdessen hat der Sprecher der Stadt Cottbus, Jan Gloßmann, seine Presseerklärung verteidigt. Er betonte gegenüber dem rbb die Formulierung im Konjunktiv. "Sollte es sich herausstellen, sollte ein Ausländer entsprechend verurteilt werden und damit die Basis gegeben sein für ausländerrechtliche Schritte, dann werden wir diese einleiten. Etwas anders steht nicht in der Stellungnahme drin, auch wenn sie – das gebe ich gerne zu – durchaus in drastischen Worten gehalten ist." Das sei vor dem Hintergrund der Situation in Cottbus vielleicht auch erklärbar, so Gloßmann.

Wie er der "Lausitzer Rundschau" sagte, wird in den nächsten Tagen geklärt, welche Maßnahmen getroffen werden. Über eine mögliche Waffenverbotszone wolle man mit dem Land sprechen, so Gloßmann weiter. Bis dahin müsse herausgefunden werden, ob es sich bei dem Täter wie in dem Statement benannt tatsächlich um einen Ausländer handele und falls ja, welchen Aufenthaltsstatus er habe.

Gewaltvorfälle in der Silvesternacht

Gegen 3.45 Uhr am Dienstagmorgen war es im Bereich des Cottbuser Stadtbrunnens zu dem Messerangriff auf den 28-Jährigen gekommen. Nachdem der Mann zunächst einen Streit schlichten wollte, seien mehrere Personen hinzugekommen. Die Stimmung sei gekippt, woraufhin ein noch unbekannter Täter mehrfach mit einer Waffe auf den 28-Jährigen eingestochen habe und ihn dadurch verletzte. Der Angegriffene sei in ein Krankenhaus gebracht worden, die Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich gewesen. 

Die Cottbuser Polizei bei der Spurensicherung (Bild: Iris Wussmann/rbb)
Die Cottbuser Polizei bei der Spurensicherung | Bild: rbb/Iris Wussmann

Drei Stunden zuvor war es zu einer Auseinsandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen. Aus einer Gruppe heraus sei ein Feuerwerkskörper geworfen worden, durch den einer der Beteiligten ein Knalltrauma erlitten habe. Daraufhin habe sich eine verbale Auseinandersetzung ergeben. Die eine Gruppe, die laut Polizei aus Ausländern bestand, wuchs auf etwa ein Dutzend. Die andere Gruppe bestand demnach aus vier Deutschen im Alter zwischen 18 und 26 Jahren. Sie seien geschlagen und getreten worden, so die Polizei. Die Verletzten konnten ambulant versorgt werden.

In beiden Fällen wird derzeit nach Zeugen gesucht. Die Polizei richtete eine eigene Ermittlungsgruppe "Brunnen" ein. Am Mittwochvormittag wurden am Stadtbrunnen Spuren gesichert.

In beiden Fällen wird derzeit nach Zeugen gesucht. Die Polizei richtete eine eigene Ermittlungsgruppe "Brunnen" ein. Am Mittwochvormittag wurden am Stadtbrunnen Spuren gesichert.
In beiden Fällen wird derzeit nach Zeugen gesucht. Die Polizei richtete eine eigene Ermittlungsgruppe "Brunnen" ein. Am Mittwochvormittag wurden am Stadtbrunnen Spuren gesichert.

Erinnerungen an Jahresanfang 2018

Bereits vor einem Jahr war Cottbus durch mehrere Vorfälle zwischen Ausländern und Deutschen in die Schlagzeilen geraten. In der Folge kam es zu zahlreichen Demonstrationen durch den aus Golßen (Dahme-Spreewald) stammenden rechtsgerichteten Verein "Zukunft Heimat", an denen teilweise Tausende Menschen teilnahmen. Auch Gegendemonstrationen fanden statt.

Als Reaktion veranstaltete die Stadt Bürgerdialoge in verschiedenen Stadtteilen. Oberbürgermeister Holger Kelch (CDU) erreichte beim Land Brandenburg einen Zuweisungsstop von Geflüchteten aus der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt nach Cottbus. Gemeinsame Streifen von Polizei und Ordnungsamt und eine Alkoholverbotszone in der Innenstadt wurden eingerichtet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.01.2019, 15:10 Uhr

Kommentarfunktion am 03.01.2019, 18.35 Uhr geschlossen. Zu diesem Thema gibt es einen aktuelleren Beitrag.

63 Kommentare

  1. 63.

    Es ist bezeichnend dass ausgerechnet ein Sprecher der Stadt, die ein riesiges Problen mit Rechtsextremismus hat und wo 30 % der Cottbuser eine rechtsextreme "Partei" wählen, genau deren Vokabular benutzt.

    Es gab auch woanders Messerstechereien, es gab aber nirgenwo anders solche verbalen Ausfälle. Darüber können ihre Beschwichtigungsversuche nicht hinwegtäuschen.

  2. 62.

    Doch, nur hieß es damals die "Itak..." und andere rassistische Schimpfwörter hätten Messer.

    Insofern hat sich nicht verändert, außer dass in meiner Jugend keine 30 % eine rechtsextreme Partei gewählt haben und Rechtsextreme ungestört ihre Aufmärsche wie in Cottbus durchführen konnten.

  3. 61.

    Genau so ist es. Das Problem liegt darin, dass in der Diskussion inzwischen jegliche Verhältnismäßigkeit aufgegeben wurde und alles, was nicht ins eigene Meinungsbild passt, als rechtsradikal abgestempelt wird, in der Hoffnung, dann wäre die Diskussion über das Thema erledigt. Ist es aber nicht. Die Menschen in Cottbus bewegt es immer noch, wenn sie aufgrund einiger weniger, unbelehrbarer und hochkrimineller Jugendlicher sich nicht mehr unbesorgt in ihrer Stadt bewegen können. Dann ist ein Rechtsstaat in der Pflicht, Recht, Ordnung und Sicherheit wieder herzustellen, notfalls auch mit drastischen Maßnahmen, bis hin zur Ausweisung. Nichts anderes hat der Stadtsprecher angekündigt. Er hat weder pauschalisiert, noch vorverurteilt, noch gegen Ausländer gehetzt sondern sich ausschließlich auf die bisher bekannten Anhaltspunkte bezogen. Dass Cottbus noch andere Probleme hat ist richtig, hat aber hiermit nichts zu tun.

  4. 60.

    Und wir brauchen keinen Klassensprecher, der meint, gegenteilige Meinungen als die von Rechtsradikalen zu klassitizieren und zu verunglimpfen.

  5. 59.

    Und Deutschland braucht keine Menschen, die mit faschistischen Verbalausfällen um sich werfen, weder in Cottbus noch anderswo.

  6. 58.

    Sie können also gar nicht begründen, welches "Regime" in Cottbus einen ausländischen Täter zur "Verrohung" verlanlasst haben sollte, aber schreiben eben irgendwas. Wie Sie den Cottbusser oder der anzen Gegend die sieben Messeranstiche anlasten wollten, ist schon sehr verdreht.
    Dass Cottbus sich maximal für Zuwanderung zur Verfügung gestellt hatte, weil man damit wieder über 100.000 Einwohner kommen wollte, und unter den nicht bewältigten Problemen leidet, wird denen jetzt auch noch negativ vorgeworfen.
    Zuwanderungsfreundlichkeit soll also neuerdings "rechtsextrem" sein und gebasht werden dürfen.
    Logik ist in so einem Gerede einfach nicht zu finden.

  7. 57.

    Die Kommune kann nicht über Abschiebung entscheiden, sondern es wurde nur von "klar machen" gesprochen, dass bei Gewaltstraftaten theoretisch das Asylrecht entfällt, auch wenn die danach weiterhin hier geduldet werden. Bei den Leuten, die gerade in Amberg 12 Personen verprügelt haben, wurde bereits nach 24 h mitgeteilt, das diese Täter alle nicht abgeschoben werden, da z. B. nach Syrien generell nicht abgeschoben wird.
    Die Kommune kann maximal einen Wegzug von auffälligen Problembürgern veranlassen.

  8. 56.

    Um was geht es hier? Ein Mensch wurde heimtückisch niedergestochen und die Polizei sucht den Täter. Der Täter, so unabhängig von einander, sagten aus, dass die später niedergestochen Person einen Streit schlichten wollte und dann von einer Bis dato unbekannten Person angegriffen wurde. Auch, dass sich es sich um die messernde Person zu einem Nichtdeutschen handelt, der in den Kreisen der hier befindlichen "Schutzsuchenden" zu finden ist. Der Stadtsprecher Gloßmann sagte folgerichtig: "Sollte es sich herausstellen, sollte ein Ausländer entsprechend verurteilt werden und damit die Basis gegeben sein für ausländerrechtliche Schritte, dann werden wir diese einleiten." Asylsuchende, die kriminell geworden sind gehören abgeschoben, konsequent und zeitnah. Sie schädigen nicht zuletzt auch das Ansehen derer, die sich die BRD als ihre neue Heimat wünschen und alle Anstrengungen dafür unternehmen. Es kann also nur um finden, urteilen, abschieben, gehen. Nichts anderes hat Herr Gloßmann gesagt.

  9. 54.

    Sowohl Cottbus als auch Groß-Schacksdorf-Simmersdorf befinden sich im Süd-OSTEN Brandenburgs. Auch wenn Sie es drei mal falsch schreiben. Und Mißbrauch und Mißhandlung ist KEIN Alleinstellungsmerkmal der Brandenburger Bevölkerung. Wer so etwas behauptet, ist keinen Deut besser als die NPD.

  10. 53.

    "Sollte der oder die Täter hier noch ein Gastrecht genießen und kein unbeschriebenes Blatt sein, werden wir nicht zögern, ihm oder ihnen klarzumachen, dass er oder sie ein Ticket in die Heimat zu lösen haben."

    Was mich ja doch erstaunt: Anscheinend kann eine Kommune über das Aufenthaltsrecht im negativen wie positiven Sinne nach Gutdünken entscheiden, unabhängig von den geltenden Bundesgesetzen.

    Die Aussage: "Wer erst einmal im Land ist, den (oder die) wird man praktisch nicht wieder los" ist zwar inzwischen erwiesene Wahrheit, führt aber schon seit Jahren zur Zensur des Kommentars im ÖR, so wohl auch diesmal, tolle Leistung.

  11. 50.

    SIEBEN Messerstiche hatt der Verletzte, und hier wird der Pressesprecher und ganz Cottbus in die rechte Ecke gestellt, einfach unglaublich.

  12. 49.

    Ich kann die Aussage von Herrn Gloßmann nur begrüßen. Sollte es sich bewahrheiten, dass es sich hier um einen Schutzsuchenden handelt, der diesen feigen Übergriff tätige, muss ihn die volle Härte des Gesetzes erreichen. Auch eine zeitnahe Zurückführung in sein Herkunftsland muss zu Disposition stehen.

  13. 48.

    Natürlich, "früher" trug niemand ein Messer bei sich und es gab auch keine Kriminalität - wer es glaubt...

  14. 47.

    GM, ich bezog mich auf gar kein Post, nicht 31, nicht das Ihre, keines. Ich schrieb ganz so für mich, welchen Eindruck der Süd!westen! Brandenburgs auf die übrige Weltbevölkerung erweckt. Hat auch nichts mit dem Zitat eine Bürgermeisters oder so zu tun. Nur der Fakt dass da gekloppt wird, mit und ohne Messer, gesoffen, gestritten - und sonst nix. Und im Nachbarort Groß-Schacksdorf-Simmersdorf hat man noch ein weiteres Hobby. Und es ist nicht (!), Menschen in Schränken zu verstecken.

  15. 46.

    Ich kann meine Schwäche in Bezug auf rechtslinks (welches links meinst du?) nicht leugnen, in diesem Falle also Südosten. Egal, Cottbus gibts gottlob nur einmal, Groß-Schacksdorf-Simmersdorf auch. Puh. Da weiss man, wo es ist. Guten Abend.

  16. 45.

    Seit Monaten verkauft die Bundesregierung ihre Asylpolitik als habe sie diese fortlaufend verschärft und angepasst.
    Das ist offensichtlich nicht der Fall.
    Wie auch der Fall des Bodyguards von Bin Laden zeigte, war es erst die Weigerung Tunesiens, den Mann wieder zurück auszulieferm, die MAL zu einem wirklichen Abschieben führte - während etliche diesem Mann und den ganzen Umständen noch wochenlang geradezu hinterher weinten.
    Deutschland schiebt nur in Länder ab, in denen solchen Leuten keine schwere Strafe droht und legt immer höhere Menschenrechtsstandards für Abschiebungen fest, die kaum ein Land auf der Welt erreichen kann außerhalb Europas.

    Ich finde es eher schlimm, wie hier die Bevölkerung durch die Politik für dumm verkauft wird.

  17. 44.

    Wenn man gewisse Dinge so sieht, kommt man zwangsläufig auf die Frage, ob man seine Ethik, Moral und bisherige Einstellung nicht mal grundsätzlich überdenken sollte und eben den neuen Gewohnheiten anpassen müsste, um selbst nicht unter die Räder zu kommen. Verabschieden wir uns also von dem, was uns bisher gelehrt wurde, denn nur so sind neue, unbekannte, bisher nicht zugehörige Probleme lösbar. Die Geschichte zeigte immer, wer sich nicht einstellen kann, hat verloren!

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