Paul Zabel erntet Tomaten in der Antarktis (Quelle: DLR)
Audio: Antenne Brandenburg | 09.01.19 | Christian Matthée | Bild: DLR

Pflanzenzucht in der Antarktis - Tomaten für den etwas längeren Weltraumflug

Knapp ein Jahr verbrachte Raumfahrtingenieur Paul Zabel im ewigen Eis der Antarktis. Auf einer Forschungsstation testete er, wie man in lebensfeindlichen Umgebungen Gemüse anbauen kann. Mit Erfolg. Seine Arbeit ist ein Meilenstein der Weltraumforschung.

Fast ein Jahr hat der Lübbenauer Paul Zabel im Auftrag des des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Antarktis verbracht. Seine Aufgabe: Herausfinden unter welchen Bedingungen Salat und Gemüse in lebensfeindlichen Umgebungen gedeihen können. Das Experiment diente der Vorbereitung für Expeditionen zu anderen Planeten.

Seit Ende letzten Jahres ist Zabel wieder in Deutschland, am Mittwoch gab er in Bremen eine Pressekonferenz. Während Gurken, Salat, Tomaten und Kohlrabi kiloweise geerntet werden konnten, haben Erdbeer- und Paprikapflanzen kaum Früchte getragen.

Paul Zabel bei der Pressekonferenz nach der Expedition (Bild: Wolfgang Loock/radiobremen)
Pressekonferenz nach der Expedition | Bild: radiobremen/Wolfgang Loock

"So viele Sterne habe ich noch nie in meinem Leben gesehen"

Für Zabel war es ein einmaliges Erlebnis. "Abenteuer ist es auf jeden Fall, so fernab der Zivilisation zu überleben, wenn das Überleben auch von der Technik abhängt", so der Antarktisforscher am Mittwoch. "Das ist schon beeindruckend das mal mitgemacht zu haben, auch mit so wenigen Leuten mal ein Jahr zusammengelebt zu haben."

Bei der Frage nach besonderen Erinnerungen muss der Raumfahrtingenieur erst einmal überlegen. "Polarlichter, extreme Stürme, die man sich so gar nicht in Deutschland vorstellen kann, sternklare Nächte, so viele Sterne habe ich noch nie in meinem Leben gesehen", so Zabel. "Pinguine dabei zu beobachten wie sie brüten und Kinder kriegen oder zu wissen, dass man die Station am laufen halten muss um zu überleben."

Besonders eindrucksvoll sei der erste Sonnenaufgang nach der Polarnacht gewesen. Dabei hätten alle zehn Expeditionsteilnehmer draußen vor der Station gestanden.

Polarnacht beginnt für Paul Zabel in der Antarktis (Quelle: DLR)
Polarnacht beginnt für Paul Zabel in der Antarktis | Bild: DLR

Vorbereitungen auf Gemüseanbau im Weltraum

Jetzt müssen die Ergebnisse der Expedition ausgewertet werden. Ziel ist ein funktionstüchtiges Weltraumgewächshaus. Für Daniel Schubert, den Projektleiter beim DLR hat Zabel eine wichtige Vorarbeit geleistet. "Wir werden, wenn wir zum Mond oder Mars fliegen, auf jeden Fall ein Gewächshaus dabei haben", so Schubert. Dafür gebe es zahlreiche Gründe. "Frische Nahrung, Sauerstoffgenerierung, Wasserrecycling, es gibt so viele Dinge. Da ist dieses Projekt wirklich ein Meilenstein." Denn Nahrung kann aufgrund der hohen Transportkosten nicht in großen Mengen zu einer Marsmission mitgenommen werden, die Produktion vor Ort sei daher notwendig.

Für einen oder zwei Monate will Paul Zabel noch einmal in die Antarktis zurückkehren. Ein ganzes Jahr soll es aber nicht mehr sein.

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.01.2019, 15:40 Uhr;

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich hab die Sendung wieder gefunden.
    https://www.zdf.de/kinder/purplus/ernaehrung-der-zukunft-100.html
    Ab 12:46 läuft der Beitrag mit Paul Zabel.

  2. 1.

    Im ZDF lief vor kurzem eine Sendung bei der Paul Zabel dabei war. "Pur+ - Ernährung der Zukunft". Es ging nebenbei auch darum Gewächshäuser senkrecht auf zubauen und um Insekten als Nahrungsmittel. Leider ist die Sendung nicht mehr in der Mediathek.

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