Kundgebung bei Cottbuser Stadthalle (Bild: Martin Schneider/rbb)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.02.19 | Anja Kabisch | Bild: rbb/Martin Schneider

Gedenkveranstaltung und Sternmarsch - Cottbus erinnert an Bombardierung vor 74 Jahren

Der Freitag in Cottbus stand im Zeichen der Erinnerung an die Opfer des Bombardements vom 15. Februar 1945. Bei einer Gedenkveranstaltung am Bahnhof waren auch Zeitzeugen dabei. Ein Sternmarsch zur Stadthalle richtete sich gegen Fremdenfeindlichkeit.

Der Opfer des Bombenangriffs vom 15. Februar 1945 ist am Freitag in Cottbus gedacht worden. Den Auftakt bildete am Mittag eine Gedenkveranstaltung im Cottbuser Hauptbahnhof, der vor 74 Jahren von den Alliierten bombardiert wurde. Bei dem Angriff starben knapp 1.000 Menschen, 13.000 wurden obdachlos.

Gedenkveranstaltung am Bahnhof Cottbus (Bild: Anja Kabisch/rbb)
Gedenkveranstaltung am Hauptbahnhof | Bild: rbb/Anja Kabisch

Gedenkveranstaltung im Cottbuser Hauptbahnhof

Das Gedenken begann am Freitag um 11.45 Uhr. Zu dieser Zeit hatten die alliierten Bomber Cottbus erreicht. Veranstalter war die Gemeinde der Cottbuser Lutherkirche, die bei dem Angriff ebenfalls stark beschädigt wurde.

Bei der Veranstaltung waren auch Zeitzeugen anwesend. "So wie heute, wunderschöner Sonnenschein - Fliegeralarm, wir saßen im Keller und dann wurde es dunkel. Wir wussten nicht, ob wir aus dieser Dunkelheit noch einmal herauskommen", sagte eine Besucherin. "Da werden Kindheitserinnerungen wach", erzählte ein anderer. "Es sind nicht die schönsten, wenn ich meine Schwester und andere noch weinen höre. Wir waren auch verschüttet und mussten warten, bis wir wieder befreit wurden."

Ungefähr 100 Menschen beteiligten sich an der Gedenkveranstaltung.

Sternmarsch am Nachmittag

Am Nachmittag fand zusätzlich ein Sternmarsch zur Cottbuser Stadthalle statt. Der Marsch wurde vom Bündnis "Cottbuser Aufbruch" veranstaltet und richtete sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für Weltoffenheit.

Ulrike Menzel, Superintendentin des Kirchenkreises Cottbus warb im Rahmen der Gedenkveranstaltung am Vormittag für den Marsch. "Wir müssen zeigen, wem diese Stadt gehört und dass diese Stadt weltoffen ist und dass wir für eine bunte Stadt Cottbus stehen, in der Menschen aus allen Ländern der Welt sich willkommen fühlen dürfen", so Menzel. 

Ankunft der Demonstrationszüge (Bild: Martin Schneider/rbb)
Ankunft der Demonstrationszüge | Bild: rbb/Martin Schneider

OB Kelch: "Extremismus rechtzeitig stoppen"

Auch der Cottbuser Oberbürgermeister (OB) Holger Kelch nahm an der Kundgebung teil. Er forderte  die Cottbuserinnen und Cottbuser auf, sich weiter für eine friedvolle und offene Stadt einzusetzen. "Dieser Tag ist ein Tag der Stille im Gedenken an die Opfer und Verletzten, ein Tag der Erinnerung und der Mahnung", sagte Kelch.

Der 15. Februar sei auch ein Tag der Ermutigung, die aus den Gräueln des Krieges erwachsene Verantwortung wahrzunehmen und die Erinnerung weiterzutragen. Schon vor dem Sternmarsch hatte er gesagt, es gehe darum, "nicht zuzulassen, dass es einmal wieder einen Krieg gibt, aber auch sorgsam Obacht zu geben, welche Menschen hier zukünftig das Wort führen". Und weiter: "Alles was in Richtung Extremismus, was auf Rassenhass ausgerichtet ist, müssen wir rechtzeitig stoppen."

An der Abschlusskundgebung an der Cottbuser Stadthalle nahmen mehrere hundert Menschen teil. Sternmarsch und Kundgebung verliefen laut Polizei "störungsfrei". 

Auch der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch nahm an der Kundgebung teil. Er forderte  die Cottbuserinnen und Cottbuser auf, sich weiter für eine friedvolle und offene Stadt einzusetzen. "Dieser Tag ist ein Tag der Stille im Gedenken an die Opfer und Verletzten, ein Tag der Erinnerung und der Mahnung", sagte Kelch. Der 15. Februar sei auch ein Tag der Ermutigung, die aus den Gräueln des Krieges erwachsene Verantwortung wahrzunehmen und die Erinnerung weiterzutragen. Vor dem Sternmarsch hatte er gesagt, es gehe darum, "nicht zuzulassen, dass es einmal wieder einen Krieg gibt, aber auch sorgsam Obacht zu geben, welche Menschen hier zukünftig das Wort führen". Und weiter: "Alles was in Richtung Extremismus, was auf Rassenhass ausgerichtet ist, müssen wir rechtzeitig stoppen."

An der Abschlusskundgebung an der Cottbuser Stadthalle nahmen mehrere hundert Menschen teil. Sternmarsch und Kundgebung verliefen laut Polizei "störungsfrei". 

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 10.

    Die Demokratie ist in Gefahr und damit auch der Frieden, glücklicherweise gibt es viele Menschen, die ihre Haltung für den Frieden und den Erhalt der Demokratie bei dieser Kundgebung zeigen und sich offen dem Extremismus entgegenstellen, der immer häufiger in Europa zu beobachten ist. Deshalb ist es jetzt noch wichtiger, dass es solche Kundgebungen und Bekenntnisse für den Erhalt der Demokratie und den der Menschenrechte gibt.

  2. 9.

    Über dieses Stöckchen springe ich gerne. Rechtsextreme (also die echten Neonazis) interessieren sich doch gar nicht für die Opfer. Deren Ideologie hat ja erst zur Katastrophe geführt. Wenn die eine solche Gedenkveranstaltung initiieren, dann empfinde ich das als Provokation der Demokratie und Verhöhnung der Opfer. Das muss und darf auch klipp und klar so genannt werden, diese Bühne will ich diesen Typen nicht lautlos überlassen. Dass heute gerne mal alles rechte in die Kategorie "rechtsextrem" gepackt wird, ist ein anderes Thema. Das empfinde ich als gefährlich, da es echte Rechtsextreme verharmlost.

  3. 8.

    WER wurde denn von WEM vereinnahmt? Sie denken sich solche Sätze völlig beliebig aus. Jetzt wird das also sogar schon stigmatisiert, wenn sich Zeitzeugen treffen.
    In meiner Schule durften früher Leute von einer erlebten Bombardierung erzählen, ohne dass solche Zeitzeugenerzählungen irgendwie auch nur in die Nähe von Rechtsextremen gerückt wurden. So eine Frage stellte sich gar nicht, es ging um Kriegserlebnisse und nicht um irgendwelche willkürlichen ideologischen Behauptungen.

  4. 7.

    "Dass amn die Vereinnahmung von Kriegsopfern durch Rechtsextreme verhindern muss, ist doch unstrittig." Da springen Sie aber auch über's hingehaltene polemische Stöckchen: Wann denn, wo denn? Wenn man etwas nur deswegen behauptet, um das polemisch vorwurfsvoll "kritisieren" zu können, heißt das Strohmannpolemik. = nicht anlassbezogen

  5. 6.

    Sie unterschlagen die Großangriffe ab 10. Mai 1940 Nacht für Nacht auf das Ruhrgebiet auf: Oberhausen, Castrop-Rauxel, Wanne-Eickel, Dortmund, Gelsenkirchen, Bottrop, Hamm, Soest, Schwerte, Osnabrück, Münster, Duisburg, Köln, Düsseldorf und Essen.

    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_auf_das_Ruhrgebiet

    London wurde erst ab im September und Coventry erst im November 1940 bombardiert.

    >>„Von Essen abgesehen haben wir niemals ein besonderes Industriewerk als Ziel gewählt. Die Zerstörung von Industrieanlagen erschien uns stets als eine Art Sonderprämie. Unser eigentliches Ziel war immer die Innenstadt.“
    – Arthur Harris[23][24][25]<< Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Luftkrieg_im_Zweiten_Weltkrieg

    Die Ausstattung der RAF mit Unmengen leistungsstarker Langstreckenbomber ab 1930 basierte auf den Doktrinen Trenchards und Giulio Douhets über Flächenbombardements.

    Die Bombenopfer betrugen auf britischer Seite 60.595, auf deutscher Seite bis zu 600.000.

  6. 5.

    Wenn Sie Artikel und Kommentar aufmerksam gelesen hätten, würden Sie erkennen können, dass beide Themen überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Dass amn die Vereinnahmung von Kriegsopfern durch Rechtsextreme verhindern muss, ist doch unstrittig. Dagegen hat G.M. gar nichts geschrieben.
    Was in diesem Zusammenhang aber die Forderung "weltoffen", auch vor dem Hintergrund von unzähligen ausländischen Studenten in Cottbus zu tun hat, erschließt sich mir auch nicht. Da kann man sich schon fragen, wer die Kriegsopfer wirklich alles für seine politische Agenda instrumentalisiert. Kann man nicht einmal einfach nur der Zivilisten gedenken, die unschuldig ums Leben gekommen sind, weil ein vom deutschen Reich angezettelter verbrecherischer Krieg zurückgeschlagen hat? Wie Moritz richtig schrieb: "Krieg ist Scheiße"!

  7. 4.

    Sich gegen Krieg einerseits und gegen die Instrumentalisierung von Kriegsopfern durch Rechtsextreme andererseits einzusetzen, ist in Ihren Augen nicht nötig? Nichts hören, sehen oder sagen? Genau im um eine derart selbstbezogene, unsolidarische Sicht zu verhindern, gibt es solche Veranstaltungen. Oder aber Sie stehen Vorbenannten ideologisch sehr nahe.

    Allerdings hätte man sich seitens Verantstaltenden und Teilnehmenden nicht von Holger Kelch vereinnehmen lassen dürfen. Er stand und steht für eine gegenüber dem Rechtsextremismus normalisierende Politik. Ob das rechte Narrative sind, die er in Diskussionsrunden verbreitet oder Teile seiner Angestellten, die offen rechtsextremes Vokabular und Denkweise übernehmen. Es ist kein Wunder, dass er mit der antirassistischen Selbsstinszenierung krachend scheitert, wenn er von zu bekämpfenden "Rassenhass" spricht. Es gibt keine Rassen. Das Gegenteil zu behaupten, ist eine Form von Rassismus. Er kann sich in der Folge als OB verabschieden.

  8. 3.

    "Wir müssen zeigen, wem diese Stadt gehört und dass diese Stadt weltoffen ist" - nee, Cottbus ist ohnehin weltoffen. Enorm hohe Zuwanderungsrate in kurzer Zeit plus die schon ewig anwesenden ausländischen Studenten usw. Wie kann man das eigentlich "nicht" mitbekommen, wenn man dort lebt, oder läuft da die politische Korrektheit gleich wieder los? Und als Anwohner auf der Straße "Respekt zeigen" müssen, ist ja wohl der falsche Weg.

  9. 2.

    Das ist ehrlich gesagt Humbug. Mit solch einer Aussage kann man alles erklären. Dennoch sind Menschen gestorben. Krieg ist einfach Scheisse und der Opfer zu gedenken nie verkehrt.

  10. 1.

    Bei deutschen Gedenkveranstaltung zum Thema Bombadierung denke ich zuerst an London. Ursache und Wirkung!

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