Wildschwein im Saufang (Bild: MLUL)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.02.19 | Iris Wussmann | Bild: MLUL

Sogenannte Saufänge - Brandenburg setzt gegen Wildschweine DDR-Jagdmethode ein

Die Wildschweinpopulation in Brandenburg wächst. Die Tiere verursachen Schäden, zudem droht ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Jetzt greift das Agrarministerium auf eine alte, umstrittene Methode aus DDR-Zeiten zurück: die Saufänge. Von Iris Wussmann

Um die Wildschweinbestände in Brandenburg zu reduzieren, setzt das Agrarministerium jetzt auf eine Jagdmethode aus DDR-Zeiten: die sogenannten Saufänge. Das sind Metall-Käfige, die mit mit Kameras ausgestattet sind. 

Moderner Saufang (Bild: MLUL)
Moderner Saufang | Bild: MLUL

Mit Mais oder Weizen werden vor allem Frischlinge in die Käfige hineingelockt. Der Jäger sitzt in Sichtweite, um sofort das Tor zum Käfig per Reißleine schließen zu können.

Innerhalb weniger Minuten werden dann die Tiere im Käfig mit einem Kleinkalibergewehr erschossen. Normalerweise ist diese Methode - wie generell das Jagen mit Fallen - verboten. Die Situation mit den Wildschweinen ist aber eine besondere: Die Population in Brandenburg wächst immer weiter, die Schäden nehmen zu - zudem droht die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest.

Saufänge in Brandenburg

Saufänge in Südbrandenburg (Bild: MLUL)
Saufänge in Südbrandenburg | Bild: MLUL

"Schäden in Milliardenhöhe"

"Es ist natürlich ein ungeheurer Druck da, etwas zu tun, damit die Schweinepest hier nicht zum Tragen kommen kann", so Claus Seliger von der Landeswaldoberförsterei in Peitz (Spree-Neiße). "Das hätte Schäden in Milliardenhöhe im Bereich der Landwirtschaft zur Folge." Wenn die Pest ausbreche, gebe es einen Ausnahmezustand, so wie derzeit in Belgien. Das wolle man verhindern.

In ganz Brandenburg hat der Landesforst 13 Saufänge, doch nicht alle werden genutzt. Im Spree-Neiße-Kreis gibt es einen. Aber auch private Jäger können Saufänge beantragen. 37 von 41 Anträgen wurden bisher bewilligt.

Üben für den Ernstfall

Die Jagd mit dem Saufang ist auch unter Jägern umstritten, sagt Seliger. "Zum einen, weil manche Jäger immer noch nicht die Notwendigkeit sehen. Die sagen: 'Wir haben die Schweinepest doch noch gar nicht'. Andere Jäger lehnen es ab, weil es in ihren Augen so ein bisschen hinterhältig ist, mit so einer Falle zu jagen."

Die hohen Bestände seien aber eine Tatsache, an der keiner vorbeikomme. Schuld seien vor allem die zahlreichen Maisfelder, so Seliger. Diese böten ein üppiges Nahrungsangebot und erzeugen damit eine verlängerte Paarungszeit bei den Wildschweinen. Auch dagegen soll mit Saufängen vorgegangen werden. Man könne die Bache gleich erlegen, oder die Bache mit einem männlichen Frischling freilassen: Auch die Aufzucht des Jungen verhindert die Paarungszeit, erklärt Seliger.

Bisher wurden aber weder Bachen noch Frischlinge in dem Saufang erlegt. Für Claus Seliger ist der Käfig ohnehin nur eine Ergänzung zur Drückjagd. Nötig werden die Saufänge vor allem, wenn die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland angekommen ist.

Sendung: Antenne Brandenburg, 13.02.2019, 14:10 Uhr

Kommentar

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21 Kommentare

  1. 21.

    Weil kaum noch einer der Hobbyjäger Lust hat, wie Opa früher, im Winter morgens um 2 bei Vollmond zum Hochstand zu gehen und Stunden in der Kälte auf das Schwein zu warten. Hat damals schon kaum einer so gemacht. Ist auch recht ineffectiv. Dann werden oft alle Frischlingen der Bache geschossen, was zu einer erneute Paarung führt und eben neuen Jungen, statt eines bei der Bache zu lassen. Bei Füchsen, Waschbär und Co genau das selbe.

  2. 20.

    > Nötig werden die Saufänge vor allem, wenn die Afrikanische Schweinepest auch in Deutschland angekommen ist.<

    so lange will man also warten ?

  3. 19.

    Wieso bekämpft man das Problem nicht dort wo es entsteht und verbietet mal den ganzen Amateuren das Schießen der Leitkeiler. Oder beendet zumindest vorübergehend die Jagdpachten damit sich das System erholen kann!

  4. 18.

    Saufänge als "DDR-Jagdmethode" zu bezeichnen, ist unredlich. Sie ist laut §19 Bundesjagdgesetz von 1952 bis heute in der Bundesrepublik zulässig und bedarf lediglich der Genehmigung der zuständigen Behörde. Zudem wird sie von bundesdeutschen Behörden als waidmännisch und effektiv usw. gelobt. Sie ist auch keine Erfindung aus der Zeit der Teilung sondern wesentlich älter. Es stellt sich also die Frage, was die Autorin mit dieser Diskreditierung bezweckt.

  5. 17.

    Es gibt auch Menschen, die in Sachen Tier(wohl) entsprechend leben und es sich auch vor dem Hintergrund von Erfahrungen und Bekanntschaften entsprechender Klientel auch eine solche Meinung leisten können.
    Bevor der Vorwurf der Bigotterie in den Raum gestellt wird, sollte hinterfragt werden.

  6. 16.

    Die Saufänge, wie abgebildet kann keinen aufgesetzten Schuss ermöglichen, da sich das Tier bewegen kann und wird - also bleiben Sie bitte bei der Wahrheit - vielen Dank.

  7. 15.

    #hinterhältig #unwaidmännisch
    Da zeigt sich wieder die ganze Bigotterie der Gesellschaft. Was ist daran qualitativ der Unterschied zur "hinterhältigen" Massentierhaltung? Am Ende steht in beiden Fällen der Tod des Tieres, wobei das Wildschein immerhin vorher (halbwegs) artgerecht gelebt hat, sofern man das heutzutage noch so nennen kann in unserer nicht ursprünglichen Nutzlandschaft.

  8. 14.

    Wildschweinfleisch ist gut und keine Bückware. Alleine schon die Wildschweinsalami kann ich nur empfehlen. Es gibt mittlerweile Läden die reines Wild anbieten.

  9. 13.

    Hätten Sie das Gelesene auch verstanden (keine Beleidigung wie auch das vorhergeschriebene) hätten Sie nicht persönlich beleidigt reagiert.
    Ein aufgesetzter Schuss bei einem panischen Tier? Das ist nicht wahr, es sein denn, die Falle ist so eng, dass sich das Tier darin nicht mehr bewegen kann.
    Was ist daran bitte waidmännisch? Das ist Tierquälerei, ganz simpel.

  10. 12.

    Fragt mal Derk Ehlert - jagst Du mehr SChweine (also tötlich natürlich) werden mehr neue Ferkelchen auftauchen. Der Bestand bleibt sozusagen gleich :-) fand ich auch interessant, soviel Plan hätte ich den Schweinen ja auch nicht wirklich zugetraut. In Kleinmachnow haben wir uns an die Schweine gewöhnt. Rasen im Vorgarten? Völlig überbewertet. Auch sind die SChweinderl sozial viel netter als die meisten Kläffer hier.
    Schweinepest. Vogelgrippe. Ameisenplage. Vielleicht sollten wir die Massentierhaltung mal kritischer überdenken als die Abschussprämien für Wildschweinderl?

    (abgesehen davon: wo landen eigentlich die ganzen abgeschossene Wildschweine? Vermutlich Bückware...)

  11. 11.

    Die übliche Jagdmethode der Hobbyjäger besteht doch schon immer darin, einen PKW-Anhänger voll Mais 50 m vom Hochsitz ins Gelände zu kippen und dann die Schweine abzuknallen. Was ist daran bitte waidmännisch?

  12. 10.

    Wenn Sie keine Ahnung haben, müssen Sie nicht versuchen, dass mit Beleidigungen zu kompensieren.
    Natürlich werde ich dabei sein, denn unserer Jagdgenossenschaft ist es erlaubt, mit genau diesen Fallen der Wildschweinkopulation Herr zu werden.
    Ich könnte Sie dazu einladen. Was also passiert? Ein aufgesetzter Schuss. Das passiert!
    Aber Sie schwafeln ja lieber.

  13. 8.

    Was in der DDR schon nützte, kommt jetzt zum Einsatz. War eben nicht alles schlecht in der DDR.
    Ich hoffe, diese Jagdmethode wird auch am Wannsee, im Spandauer-, Tegler Forst u.a. eingesetzt.

  14. 7.

    Wenn man keine Ahnung halt einfach mal still sein. Der Großteil der Jäger übt jährlich seine Schußqualitäten und meistens sitzen die Schüsse genau. Das es mal zu einer Nachsuche kommt ist natürlich nicht schön und auch nicht gewollt. Dafür hat man dann aber in aller Regel einen brauchbaren Hund um dem Tier eine lange Qual zu ersparen. Kleiner Tip: Fragen Sie doch einfach einen Jäger in Ihrer Umgebung ob Sie ihn mal begleiten können um sich ein Bild vor Ort zu machen.

  15. 6.

    Ein, in einer Falle befindliches Tier ist wohl kaum mit einem gezielten Schuss zu töten, weil die Tiere dort drinnen in Panik geraten und mit Sicherheit nicht einfach stehen bleiben. Jeder sollte mal dabei sein um sich ein Bild zu machen, wie grausam und unwaidmännisch da gehandelt wird. Die ballern rum, die Schweine schreien vor Panik und Schmerz, bis sie irgendwann mal jämmerlich gequält sterben.
    Diese Art und Weise ist anwidernd. Nur ein völlig empathieloser Mensch kann sowas. Jeder Jäger, der verantwortungsvoll mit der Jagd umgeht, lehnt das ab.

  16. 5.

    Nach vielen Berichten, haben diese "Hobby-Jaeger" in der freien Wildbahn Probleme Wildschweine toedlich zu treffen. Oft muss nachgesucht werden, um den angeschossenen Tieren einen gnaedigen Fangschuss zu geben ( manchmal wehren sich die cleveren Schweinchen , mit Recht!) Beim angstrebten (unwaidmaennischem)Jagen auf Tiere in der Falle werden die Gruenroecke hoffentlich besser treffen ohne die Wildschweine lange zu quaelen - oder?

  17. 4.

    Ein umdenken beginnt damit einzugestehen das Massentierhaltung zu"Milliarden Schäden" führt(führen kann).
    Kleinere Einheiten=geringeres Risiko. Trifft übrigens auch bei einer dezentralen Stromversorgung zu.

  18. 3.

    Also ich fände die Afrikanische Schweinepest in Deutschland doppelt hilfreich. Sie dezimiert endlich die explodierenden Wildschweinbestände und macht die Massenschweinehaltung unwirtschaftlich, die durch die unglaublichen Güllemengen unser Grundwasser vergiften. Weniger ist mehr! Die „Schäden“ hätten doch nur die Aktionäre dieser riesigen Schweinemastanlagen. Recht so!

  19. 2.

    Ergo ist, genauso wie beim von manchen Jäger*innen erwünschten Abschuss von Wölfen, die eigene Lebensmittelindustrie ausschlaggebend für solche Verzweiflungstaten und nicht etwa Umwelt- oder Tierschutz.

    Man will also mit der achso erfolgreichen Methode die verlängerte Paarungszeit kompensieren? Was passiert denn bei freilebenden Säugetieren, wenn diese ihre Jungtiere verlieren? Richtig, sie werden früher wieder paarungsbereit.

    Wahrscheinlich wird diese Idee von denselben Jäger*innen befürwortet, die gerne den Wolf in seinem Bestand "regulieren" möchten. Selbstredend, dass dieser Predator aktuell der einzige ist, der Wildschwein auf dem Speiseplan hat, wenn auch deutlich seltener als Rot- oder Damwild.

    Hauptsache es wird geschossen. Was soll das sein? Jagdlogik?

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