Das Lausitzer Prinzenpaar 2019: Tobi I. und Vivien I. beim Karneval in Döbern (Quelle: Joe Kammer)
Bild: Joe Kammer

Interview | Lausitzer Prinzenpaar - "Nach dem Karneval ist vor dem Karneval"

Im bürgerlichen Beruf sind sie Steuerberater - doch während der närrischen Zeit ticken für das Prinzenpaar Tobi I. und Vivien I. die Uhren anders. Für ihr Ehrenamt pendeln sie sogar zwischen Nürnberg und Cottbus hin und her. Ein Gespräch mit zwei Überzeugungstätern.

rbb|24: Prinz Tobi I. und Prinzessin Vivien I., Sie herrschen in diesem Jahr über das närrische Volk in der Lausitz. Was verschaffte Ihnen die Ehre?

Tobi:
Wir haben uns quasi beworben durch unser närrisches Treiben im Döberner Karneval: Dort waren wir letztes Jahr schon das Prinzenpaar und haben wohl auf uns aufmerksam aufgemacht. Unseren jetzigen Hofmarschall Andreas Beil haben wir dort kennengelernt. Und der hat uns schließlich von seiner Idee begeistert, das Lausitzer Prinzenpaar zu geben.

Vivien: Unsere Inthronisierung war am 26. Oktober 2018. Unsere letzte Veranstaltung, die wir besuchen, ist sogar nach Aschermittwoch am 16.03.2019.

Waren Sie gleich beide davon überzeugt, mitzumachen?

Tobi: Ja! Als die Frage aufkam, wurden die Augen schon größer, und man hat gedacht: Wie cool wäre das! Wir hatten anfangs noch Fragen zu den Details, wie das genau abläuft, vor allem mit der Entfernung und Unterkunft, ob wir das so schaffen - wir leben beide in Nürnberg. Aber das konnte man ziemlich schnell alles klären, sodass wir uns sehr schnell entschieden hatten.

Sie beide wohnen in Nürnberg, Vivien kommt aus Döbern. Prinz Tobi: Was verschlägt einen Franken denn in den Lausitzer Karneval?

Tobi: Die Liebe zur Prinzessin und zum Karneval. Vivien feiert schon länger in Döbern Karneval, ich bin über sie dazugestoßen, und es war von Anfang an genau mein Ding.

Vivien: Seit 22 Jahren bin ich Mitglied des Döberner Karneval Clubs - und somit in die Fußstapfen meiner Mami getreten.

Sie sind also auch privat ein Paar!

Tobi: Ja, sie ist auch privat meine Prinzessin.

Vivien: Ich hatte Tobi 2017 mit dem Karnevalsvirus infiziert und jetzt haben wir diese gemeinsame Leidenschaft.

Was muss Mann oder Frau so mitbringen, um Prinz oder Prinzessin zu werden?

Tobi: Es gibt keine Qualifikationen, die man unbedingt haben muss. Man sollte einfach Spaß am Karneval haben, und das auch verkörpern.

Und was sind Ihre Hauptaufgaben?

Tobi: Wir repräsentieren die Lausitz beziehungsweise den Lausitzer Karneval. Wir durften zum Beispiel am 19. Februar beim Empfang der Tollitäten unserer Bundeskanzlerin in Berlin teilnehmen. Dort haben die Prinzenpaare ihr jeweiliges Bundesland repräsentiert. Und wir waren für das Land Brandenburg da. 

Haben Sie sich Rat geholt bei Ihren Vorgängern?

Vivien: Ja, selbstverständlich haben wir uns bei unseren Vorgängern Eindrücke eingeholt und waren immer im Austausch. Wir verstehen uns sehr gut mit dem ehemaligen Prinzen Steffen.

Welche besonderen Highlights gab es bislang in Ihrer Amtszeit?

Vivien: Toll war es, die anderen Prinzenpaare des Karneval Verbandes Lausitz kennenlernen zu dürfen, der Besuch bei der Kanzlerin, unser Neujahrsempfang, da gab es vieles. Eigentlich war alles ein große Überraschung.

Tobi: Höhepunkt war für mich die Gala "Heut steppt der Adler". Ich war zwar schon mal in einer Fernsehsendung, also im Publikum. Aber zu sehen, wie das in der Dimension funktioniert, vor den Kameras zu sprechen - das war aufregend für mich.

Könnte ja sein, dass Sie mal ganz schlecht gelaunt sind. Wie gehen Sie damit um?

Tobi: Durch unsere weite Anreise ist es, als taucht man für kurze Zeit ab in die Karnevalswelt, fernab vom Alltagsstress. Ich bin dann eigentlich immer entspannt und gut drauf und kann mich voll auf den Karneval konzentrieren.

Prinzenpaar zu sein ist eine Ehre, die wohl auch ganz schön ins Geld gehen kann!

Vivien: Klar gibt man Geld aus, aber das ist ja immer so bei einem Hobby oder Leidenschaft die man hat. Deshalb ist das nicht so wichtig. Uns stehen auch Sponsoren zur Seite, die uns während der Saison finanziell unterstützen.

Politik zu kritisieren ist weiterhin Ehrensache der Karnevalisten. Cottbus bringen viele in Verbindung mit Auseinandersetzungen zwischen Geflüchteten und Einheimischen, rechtsextremistischer Propaganda. Darf ein Prinzenpaar Position ergreifen?

Tobi: Klar dürften wir politisch sein, uns wird ja nicht der Mund verboten, aber wir wollen das gar nicht.

Vivien: Karneval heißt Spaß haben, und alles um uns herum zu vergessen. In der Fünften Jahreszeit distanziert man sich von politischen Themen.

Wie sieht ein typischer Tag für das Prinzenpaar aus?

Tobi: Ein typischer Tag, naja, viel interessanter ist bei uns die ganze Woche. Vivien ist Steuerberaterin, ich bin Steuerassistent in Nürnberg. Wir arbeiten von Montag bis Freitag, aktuell immer bis Donnerstag, fahren dann meist Donnerstagabend oder aber auch Freitagfrüh mit dem Zug nach Cottbus, bleiben bis Sonntag und fahren dann wieder mit dem Zug zurück nach Nürnberg. Da vergeht die Zeit wie im Flug!

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Worauf freuen Sie sich dann am meisten?

Tobi: Wegen unserer Vier-Tage-Woche hat sich einiges angestaut, das wir erledigen müssen, aber jetzt entspannter auf die dann freien Tage verteilen kann. Und wir können dann auch gemütlich in Ruhe auf der Couch sitzen und diese aufregende und schöne Zeit mit all den vielen tollen Eindrücken verarbeiten.

Nehmen Sie die närrische gute Laune danach mit in den Alltag?

Vivien: Klar, vor dem Karneval ist nach dem Karneval!

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Ula Brunner, Redaktion rbb|24

Sendung: rbb-Fernsehen, 3.3.2019, 20:15 Uhr

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