Zwei Waggons des Personenzugs haben sich bei dem Aufprall auf gerichtet und sind auf die Lok gekracht. (Quelle: Ulrich Jänckner)
Audio: Antenne Brandenburg | 13.03.19 | Josefine Jahn | Bild: Ulrich Jänckner

30. Jahrestag Zugunglück in Tauer - "Einen Unfall in dem Ausmaß habe ich nie gesehen"

13. März 1989: Der Lokführer eines Personenzuges übersieht auf einer eingleisigen Strecke bei Tauer ein Haltesignal und kollidiert mit einem Güterzug. Drei Menschen sterben, fünf weitere sind schwer verletzt. 30 Jahre nach dem Unglück erinnern sich zwei Augenzeugen.

Drei Tote, mehrere Schwerverletzte und vollkommen zerstörte Züge und Gleise - die Bilanz des Zugunglücks in Tauer bei Peitz (Spree-Neiße) vor genau 30 Jahren. Weil ein Lokführer ein Haltesignal übersehen hatte, war sein Zug mit einem Güterzug frontal aufeinander geprallt.

Ulrich Jänckner aus Cottbus war einer der ersten an der Unglücksstelle. Der damals 48-Jährige war technischer Leiter im Bahnbetriebswerk und musste die Aufräumarbeiten koordinieren. Gegen 14 Uhr ist Jänckner mit seinem Trupp am Unfallort. 

Gesammelte Bilder von Ulrich Jänckner (Bild: Florian Ludwig/rbb)
Gesammelte Bilder von Ulrich Jänckner | Bild: rbb/Florian Ludwig

"Zwei Loks zusammengefahren, ineinander verkeilt"

Seit 1967 ist der heute 78-Jährige mit verschiedenen Bahnunfällen beschäftigt gewesen. "Einen Unfall in dem Ausmaß habe ich aber noch nie gesehen", erzählt Jänckner. Die Bilder hat er bis heute im Kopf. "Zwei Loks zusammengefahren, ineinander verkeilt und auf der Reisezuglok waren noch zwei Reisezugwagen übereinander geschoben."

Bei 70 km/h sei der Tacho des Personenzuges stehen geblieben, so Jänckner. Der Lokführer, der das Haltesignal übersehen hatte, habe sich noch in einen der hinteren Waggons retten können. Später kann er von den Rettungskräften aus einem Fenster befreit werden. Im Laufe der Rettungsarbeiten werden drei Leichen geborgen. Bei allen handelte es sich um Eisenbahner auf dem Weg zur Arbeit.

All das dokumentiert Jänckner mit seinem Fotoapparat.

Ulrich Jänckner im Studio (Bild: Florian Ludwig/rbb)
Ulrich Jänckner im Studio von Antenne Brandenburg | Bild: rbb/Florian Ludwig

Deutsche und russische Soldaten helfen

Neben dem Hauptingenieur Ulrich Jänckner hat ein weiterer Cottbuser das Geschehen dokumentiert. Der Fotograf Rainer Weisflog war damals 33 Jahre alt. Er arbeitete für die DDR-Nachrichtenagentur ADN und erinnert sich noch heute an die Fahrt zum Gelände, über einen Feldweg mit sporadischem Kopfsteinpflaster.

Es sei ihm vor allem aufgefallen, wie gut die Einsatzkräfte zusammenarbeiten. "Das reibungslose Zusammenspiel von Russen und Deutschen, also sowjetischen Offizieren, die dort halfen", sagt Weisflog. Deutsche Soldaten waren da, Polizei war da, Feuerwehr, Sanitätsdienst", zählt er auf.

Erst am Abend gelingt es, die zusammengeprallten Loks zu bergen. Die Aktuelle Kamera meldete nüchtern: "Um 17 Uhr konnte der Zugverkehr auf dem gesperrten Streckenabschnitt wieder aufgenommen werden."

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