Eine Zecke ist am 27.05.2017 auf einem Blatt in einem Garten in Sieversdorf (Brandenburg) zu sehen. (Quelle: dpa/Pleul)
Bild: Video: Brandenburg Aktuell | 09.04.2019 | 19:30 Uhr

Geschichte eines Betroffenen - Zusammenbruch im Büro - wegen eines Zeckenbisses

Mit Anfang 40 wird Konrad Winkler nach einem Zeckenbiss arbeitsunfähig. Winkler erkrankt an Borreliose, sein Leben verändert sich massiv. Eine Impfung gibt es nicht, dafür aber andere Schutz- und Kontrollmöglichkeiten.

Seit über 20 Jahren ist Konrad Winkler zwangsweise in Rente - wegen eines Zeckenbisses. Winkler hat Borreliose, eine Krankheit, die vor allem durch Zecken und deren Larven, seltener durch Pferdebremsen oder Mücken übertragen werden kann. Jahrelang kann er seine Symptome nicht einordnen.

"Ich habe immer stark geschwollenen Knie bekommen und vor allem Hautausschläge, in der Zeit von Mai bis Oktober ungefähr", erzählt Winkler. Die Ärzte konnten ihm zunächst nicht helfen, eine Allergie wurde als Ursache vermutet. Als Winkler schließlich in seinem Büro zusammenbricht, kommt seine Hausärztin auf die richtige Diagnose: Borreliose.

Auswirkungen auf Körper und Geist

Mit der Diagnose ist die Leidensgeschichte von Konrad Winkler aber nicht vorbei. Er erkrankt zusätzlich an einer Neuro-Borreliose. "Ich konnte auf einmal nicht mehr lesen und hatte auch wirklich Wortfindungsstörungen", erzählt der 64-Jährige.

Mit Anfang 40 folgt dann die Frühverrentung. Heute kommt Winkler mit Medikamenten, vor allem mit Naturheilmitteln und mit permanentem Muskelaufbau durch den Tag.

Schutz durch Selbstkontrolle

Eine Zecke hat Konrad Winkler nie gesehen. Er geht davon aus, dass er vor rund 35 Jahren durch eine Larve infiziert wurde, auch Nymphe genannt. Das Beispiel von Winkler ist zwar extrem, zeigt aber auch, wie gefährlich ein Zeckenbiss sein kann. Anders als bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine grippeähnliche Virus-Erkrankung, bei der es zu Hirnhautentzündung kommen kann, kann man sich gegen Borreliose nicht impfen lassen. Lediglich Vorsicht und eine gründliche Kontrolle bieten Schutz vor der Krankheit.

Der Cottbuser Facharzt Michael Polte erklärt, worauf man bei der Kontrolle achten sollte. So hätten Zecken geradezu Lieblingsstellen am Körper. Zecken würden immer dorthin krabbeln, wo es warm und das Gewebe gut durchblutet ist. In die Kniekehlen oder in die Leistengegend etwa.

Zecken entfernen, aber richtig

Zecken sollten, sofern sie entdeckt werden, entfernt werden. Dafür sollte man spezielle Hilfsmittel nutzen, erklärt Polte. "Da gibt es in der Apotheke spezielle Zeckenzangen oder Schablonen", so der Mediziner. Die Hilfsmittel sorgen dafür, dass kein Druck auf den Zeckenkörper ausgeübt wird. Denn dabei würden die Keime, beispielsweise Borrelien herausgedrückt. Stattdessen sollte die Zecke am Kiefer gepackt und dann herausgezogen werden.

Wie schnell die Borreliose nach einem Biss ausbricht, ist unterschiedlich. erkennbar ist die Infektion an einem roten Kreis, der sich um die Einstichstelle bildet. Dann kann nach wenigen Tagen, teilweise aber auch erst nach Wochen der Fall sein. Dennoch kann, so Polte, selbst Jahre nach der Infektion eine Borreliose noch mit Antibiotika behandelt werden. Gelenk-, oder Hirnschäden können trotzdem auch nach Jahren nicht ausgeschlossen werden.

Für Konrad Winkler kam der Gang zum Arzt zu spät. Heilungschancen hat er keine mehr. Er muss mit der Krankheit leben.

Sendung: Brandenburg Aktuell | 09.04.2019 | 19:30 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Bitte NICHT mit diesen Zeckenzangen, die es u. a. im Tierbedarf gibt! Deren Backen sind zu breit, damit quetscht man die Zecke und injiziert sich mit allem, was sie an parasitärem Gesindel in sich trägt, selbst.
    Besser ist eine superspitze Pinzette oder eine Zeckenkarte.

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