Polizeieinsatz in Bagenz (Bild: Phillip Manske/rbb)
Audio: Brandenburg aktuell | 11.04.19 | Phillipp Manske | Bild: rbb/Phillip Manske

Gerüchte verursachen rechten Angriff in Bagenz - Vermummte skandieren "Ausländer raus" vor Herberge

Eine Gruppe von Maskierten hat eine Jugendherberge in Bagenz (Spree-Neiße) tyrannisiert und fremdenfeindliche Parolen gerufen. Auslöser waren Gerüchte über eine Vergewaltigung und ein Tötungsdelikt. Die Polizei konnte sieben Tatverdächtige ermitteln.

Vermummte sind am Mittwochabend mit Baseballschlägern und Zaunlatten bewaffnet vor eine Jugendherberge in Bagenz (Spree-Neiße) gezogen. Sie warfen Böller auf das Grundstück und riefen fremdenfeinliche Parolen. Das teilte die Polizei am Donnerstag mit. Sieben Tatverdächtige im Alter zwischen 18 und 26 Jahren seien vorläufig festgenommen worden. Ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen.

Nach ersten Erkenntnissen der Polizei bezog sich die Aktion auf Berichte in sozialen Medien, wonach es an dem Ort zuvor zu Straftaten gekommen sein soll.

Kein Todesfall, keine flüchtigen Tatverdächtigen

Den Gerüchten zufolge wurde am Montag in der Nähe der Talsperre Spremberg eine Frau getötet und eine weitere vergewaltigt, hieß es von der Polizei. Bei einem angeblichen Polizeieinsatz in der Herberge seien zwei "Ausländer" geflohen.

Die Polizei stellte am Donnerstag klar, "dass es entgegen der Behauptungen in den sozialen Medien den Fund einer toten Frau am Stausee zu keiner Zeit gegeben hat". Richtig sei, dass die Polizei wegen des Verdachts einer Vergewaltigung am Stausee am 3. April, angezeigt am 8. April, gegen Unbekannt ermittele. "In diesem Zusammenhang sind auch Umfeldermittlungen in der Jugendherberge geführt worden", teilte die Polizei mit. "Falsch ist hingegen die Behauptung, zwei Flüchtlinge hätten nicht kooperiert und seien geflohen."

Schulklasse reist ab, Urlauber stornieren Buchungen

Die Herberge in Bagenz dient unter anderem Schulklassen oder Sportvereinen als Unterkunft für Ferien- oder Trainingslager und Klassenfahrten. Auch Arbeiter auf Montage, Privatfamilien oder Saisonarbeiter können sich in die Zimmer und Bungalows einmieten. Flüchtlinge waren hingegen nie in der Herberge untergebracht, hieß es vom Bürgermeister der Gemeinde Neuhausen/Spree, Dieter Perko. Zu seiner Gemeinde gehört Bagenz. Auch dabei handele es sich lediglich um ein Gerücht.

Eine Schulklasse aus Frankfurt (Oder), die sich am Mittwoch noch in der Herberge aufgehalten hatte, ist derweil am Donnerstag abgereist. Der Angriff aus der Nacht hatte dafür gesorgt, dass die Neuntklässler nicht länger in der Unterkunft bleiben wollten.

Der Herbergsbetreiber sei am Boden zerstört, hieß es am Donnerstag von Perko. Die Polizei habe am Montag lediglich nach Bildern einer Überwachungskamera gefragt. Daraus seien die Gerüchte über einen Polizeieinsatz und den in der Unterkunft lebenden Täter entstanden.

Neben der Schulklasse hätten auch schon weitere Urlauber ihre Buchungen an der nahen Talsperre storniert, so Perko. Auch er muss seit Mittwoch verstörte Einwohner und Touristen beruhigen. "Ein Sexualdelikt ist schlimm genug und wenn man mit so einem Image zurechtkommen muss, dann ist das sehr schwierig", so Perko.

Nun betreibt er Schadensbegrenzung und will die Bürger informieren. In der nächsten Woche soll es eine Einwohnerversammlung geben.

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Antwort auf [rbb-24-nutzer] vom 12.04.2019 um 15:29
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8 Kommentare

  1. 8.

    Brandenburg ist schön und es lohnt sich dort Urlaub zu machen.
    Das Dumme an den östlichen Bundesländern ist, dass Personen mit rechten Gedankengut ohne großen Widerspruch ihre Halbwahrheiten und Propaganda im Alltag von sich geben können.
    Wenn diese wesentlich mehr Gegendruck erhalten würden, würden diese Typen vielleicht ihren Verstand einschalten oder vor Angst gar nicht wagen dies zu tun.
    Warum haben die Festgenommenen nicht eine Nacht im Knast verbracht? So lachen sich diese über den schwachen Staat nur krank.

  2. 7.

    Zuersteinmal möchte ich den User@ Hajakon insofern recht geben, was viele Landstriche in Brandenburg, Thüringen und sehr sogar Sachsen-Anhalt betrifft. Auch ich würde gerne meinen Horizont erweitern und dorthin reisen. Doch immer kommen Bilder in mir hoch, die mich ( besonders als Schwuler Mann ) davon abhalten. Schade eigentlich. Also alleine nicht, doch es gibt eine Schwule Wandergruppe, die sehr viel in den neuen Bundesländern unterwegs sind. Denen werde ich mich bestimmt anschließen.

  3. 6.

    Nun, gleich und gleich gesellt sich gern. Und das sind keine Idioten, das sind Rechtsextremisten der übelsten Sorte.

    So lange wie es keine Demokraten vor Ort schaffen dieses Problem zu lösen, weil es entweder keine oder zu wenig Demokraten dort gibt werde ich diese Orte meiden und allen weiterhin dringend raten diese Orte zu meiden.

  4. 5.

    Liebe Besucher und Urlauber,
    fahrt bitte nach Südbrandburg, dort gibt es wunderbare und interessante Orte, die wir immer wieder gern mal besuchen, z. B. für Radtouren. Natürlich der Spreewald mit Lübbenau, Lübben,Burg, die Seenlandschaft um Senftenberg, aber auch Cottbus mit dem dkw Kunstmuseum Dieselkraftwerk; sehr schön. Wem das nicht gefällt: die Uckermarck im Norden, Wälder, Seen, wunderbare, weite Landschaften. Mein Tipp (beispielsweise): die Feldberger Seenlandschaft. Oder auch wieder im Süden, Sachsen-Anhalt: Ferropolis, die Stadt aus Eisen, toll gemacht, hochinteressant. Ich könnte hier ohne Ende weiter aufzählen. Und durch Menschen, die dort leben, waren und sind wir genauso verunsichert, wie von jenen in Italien, Frankreich, Portugal, Österreich, wo wir unter anderem auch waren: nämlich null. Idioten finden Sie überall auf der Welt.

    P.S. Im September geht es in den Thüringer Wald. Wir freuen uns schon.

    Gute Nacht Bea, gute Nacht Max.
    Gruß, Hajakon

  5. 4.

    Widerwärtig. Ich hoffe, dass diejenigen, die solch einen strafbaren Mist in die Welt gesetzt oder auch nur geteilt haben, sich verantworten müssen. Schlimm, aber ich hoffe nun ist bald auch mal der Zenit der immergleichen bösartigen rechten fake-news überschritten und die Leute beginnen mal wieder nachzudenken und zu hinterfragen und lassen sich nicht mehr hinter den rechten Karren spannen.

  6. 3.

    Eine einfache Vorgehensweise der Hetzenden, erst Informationen verfälschen, Tatsachen verdrehen und aufblähen bis verklären und damit die Nicht-Demokratiewilligen oder -fähigen Mob mobilisieren. Fake News drehen sich in der Regel um die Aktivierung grundlegender Emotionen wie Angst oder Wut. Und was kommt dabei heraus? Die nach "Gerechtigkeit", sprich mittelalterliche Rache, ganz nach dem Talionsprinzip, keifende kleine Menge begeht Straftaten.

    Bei aller Transparenz zur Tatmotivation, die Bedrohung ist wirkmächtig sowohl für die unmittelbar Betroffenen sowie für mögliche zukünftige. Für irgendeinen Ruf ist so eine Herberge ganz sicher nicht verantwortlich, sondern die Täter*innen für ihre Taten. Mehr als Aufklärung und gute öffentliche Kommunikation kann der Herbergsleiter an dieser Stelle nicht liefern.

  7. 2.

    "Ein Sexualdelikt ist schlimm genug und wenn man mit so einem Image zurechtkommen muss, dann ist das sehr schwierig"

    Man sollte inzwischen Urlaubern und Besuchern generell davon abraten bestimmte Gebiete in Ostdeutschland aufzusuchen, weil deren Sicherheit dort dann nicht mehr gewährleistet ist, Südbrandenburg gehört definitiv dazu.

  8. 1.

    Ein Gerücht ist Lizenz zum Totschlag, das passt zu den Umfrageergebnissen der AfD. Gute Nacht Brandenburg.

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