Hinweisschild auf Sperrgebiet für Sprengung (Quelle: rbb/Wußmann)
Audio: Antenne Brandenburg | 21.05.2019 | Iris Wußmann | Bild: rbb/Iris Wußmann

Neue Sperrgebiete - LMBV will mit Sprengungen alte Tagebaukippen stabilisieren

Vor 10 Jahren riss in Nachterstedt ein Erdrutsch Häuser und drei Menschen in einen See. Nun will die LMBV Tagebauränder in der Lausitz mit "schonenden Sprengverdichtungen" sicherer machen. Anwohner verfolgen das mit gemischten Gefühlen. Von Iris Wußmann

Mit einem unüberhörbaren Signal kündigt Sprengmeister Matthias Lange die nächste Sprengung an. Dann die Detonation, etwas Erde wird aufgewirbelt, der Kippenboden sackt zusammen und alles, was bleibt, ist eine kleine Mulde. In sicherer Entfernung ist die Sprengung kaum zu hören.

Sprengmeister Matthias Lange signalisiert Start einer Sprengung
Sprengmeister Matthias Lange | Bild: rbb/Iris Wußmann

Mit einer neuen Methode, der langjährige Untersuchungen vorausgingen, will der Bergbausanierer LMBV die alten Tagebauränder verfestigen. Denn entlang dieser Kanten kommt es immer wieder zu gefährlichen Erdrutschen. Erst vor zehn Jahren hatte im sachsen-anhaltinischen Nachterstedt ein solcher Abgang mehrere Häuser in die Tiefe gerissen. Drei Menschen kamen damals ums Leben.

Um den Boden zu verfestigen, nun also das Verfahren mit Sprengungen, bei dem der Kippenboden des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus Seese-Ost verdichtet werden soll. Dafür müssen insgesamt 800 Löcher gebohrt werden: jedes davon bis zu 27 Meter tief und bestückt mit jeweils drei Sprengladungen. 

Die Schwierigkeit: Auf die alten Kippen dürfen nur Fahrzeuge, die nicht schwerer sind als zwölf Tonnen. Deshalb wurden sogenannte Pistenbullis mit leichter Bohrtechnik ausgestattet.

Neues Verfahren gilt als schonend

Seit Dezember 2018 wird dieses Verfahren in diesem Gebiet bereits angewandt. Der Boden wird mit leichten Sprengungen lediglich angeregt, erklären Experten der LMBV. Es sollen keine weiteren Restlöcher geschaffen werden.

Doch die nächsten bewohnten Häuser stehen nur einen Kilometer entfernt in Groß Lübbenau - und darin liegt auch das nächste Problem.

Sprengung
Sprengung zur Stabilisierung | Bild: rbb/Iris Wußmann

Die Toilette wackelt

Die dort wohnen, empfinden diese Sprengungen nämlich keinesfalls als schonend. So wie Annemarie Schröder und Walter Penack. Sie registriert Schwingungen und beschreibt sie als kleine Erdbeben. Ihr Mann berichtet davon, dass, wenn er auf der Toilette sitzt, nicht nur diese wackelt, sondern das komplette Fundament. Risse in Wänden und Decken kommen dazu, sagt Walter Penack.

Um den Prozess zu überwachen, hat die LMBV deshalb Messstellen eingerichtet, die jede Erschütterung erfassen. Und bislang würden die Grenzwerte eingehalten, sagt Dieter Kutzschbach von der LMBV. Auftretende Schäden würden erfasst.

Hinweisschild zur Sprengverdichtung im Bereich Seese
Hinweisschild zur Sprengverdichtung | Bild: rbb/Iris Wußmann

Große Flächen werden wieder zum Sperrgebiet

Und ein weiteres Problem geht mit den Sprengungen einher: Große Gebiete müssen aus Sicherheitsgründen wieder zum Sperrgebiet erklärt werden. Noch ist nicht klar, wann die so behandelten Flächen wieder zugänglich sind. Denn die so genannten "schonenden Sprengverdichtungen" werden auch künftig bei anderen Innenkippen, beispielsweise in Spreetal, genutzt.

Insgesamt musste der Bergbausanierer LMBV Lausitz-weit 17.000 Hektar wieder zum Sperrgebiet erklären, darunter Acker- und Waldflächen. Die hatte die LMBV schon mal an Lausitzer Land- und Forstwirte zurückgegeben.

Mit der schonenden Sprengverdichtung sollen in den nächsten Jahren alle betroffenen Areale gesichert werden.

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