Der Tierpfleger zeigt im Tierpark Cottbus der Feuerwehr, wie die Tiere angefasst werden müssen (Foto: rbb/Schiller)
Video: Studio Cottbus, bearbeitet von rbb24 | 06.05.2019 | Bild: rbb/Schiller

Tiernotrettung im Tierpark - Cottbuser Feuerwehr übt die Jagd auf Wildtiere

Ein Reh ist in einen Schacht gestürzt, ein Pferd ausgebüxt, ein Eichhörnchen in misslicher Lage: Cottbuser Feuerwehrleute rücken fast täglich aus, um Tieren zu helfen. Nun lernen sie, wie sie mit scharfen Klauen und spitzen Schnäbeln umgehen müssen. Von Sebastian Schiller

Katze im Baum, Bienen nah am Kindergarten: Regelmäßig werden die Feuerwehrleute auf dem "Gerätewagen Tier" zu solchen Einsätzen gerufen. Es ist die Tiernotrettung der Cottbuser Berufsfeuerwehr. Im Cottbuser Tierpark lernen die Kameraden in diesen Tagen, wie sie mit größeren und gefährlicheren Tieren umgehen müssen.

Tiernotrettung im Tierpark Cottbus (Foto: rbb/Schiller)q
Bild: rbb/Schiller

Gekreische im Hühnerstall

Montagvormittag im Cottbuser Tierpark. Aus dem Hühnerstall dringt Gegacker. Ganz langsam pirscht sich Tierpfleger Pierre Dabow an den Hahn und seine Hennen heran. Plötzlich: Zugriff. Das Gackern wird zum Gekreische, die Tiere flattern wild mit ihren Flügeln.

Dabow demonstriert den anwesenden Feuerwehrmännern, wie das Geflügel am einfachsten zu fangen - und zu beruhigen ist. Er hält das Huhn dicht an seinen Körper, deckt die Augen zu. "Man merkt, wenn das Auge zu ist, ist es auch relativ schnell ruhig."

Sieht einfach aus, ist aber gefährlich

Was bei dem erfahrenen Mitarbeiter so einfach aussieht, kann in der Praxis richtig gefährlich werden. Natürlich geht es dabei weniger um Hühner, sondern eher um Störche oder Graureiher, meint Tierpark-Direktor Jens Kämmerling. "Dann kann so ein Vogel hacken." Wenn er dann Richtung Gesicht hackt, könne das "im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen."

Der Tierpfleger zeigt den Feuerwehrleuten, wie man die Tiere hält (Foto: rbb/Schiller)
Bild: rbb/Schiller

Aber auch für diese vergleichsweise gefährlichen Tiere hat Pierre Dabow einen Tipp. Es sei wichtig, wie der Vogel gehalten wird. "So'n Greifvogel kannst du wie einen Blumenstrauß nehmen." Und am besten natürlich nicht vor das Gesicht.

Kein alltäglicher Job

Ein Tier nach dem anderen fängt der Tierpfleger innerhalb weniger Stunden, demonstriert und gibt Hinweise. Die Feuerwehrmänner schauen interessiert zu, wie Pierre Dabow Enten, Störche und Graureiher packt.

So richtig geheuer ist ihnen das Ganze aber nicht. Zwar dürfen sie sich selbst ausprobieren, doch einen Freiwilligen zu finden ist nicht einfach. Manche Kollegen haben "Berührungsängste, gerade mit Tieren, die man nicht alltäglich kennt", sagt Brandoberinspektor Kevin Kaiser. Genau deshalb sei die Kooperation zwischen Feuerwehr und dem Tierpark ins Leben gerufen worden.

Hinterlistige Eichhörnchen

Eine feste Besatzung für den Tierwagen der Feuerwehr gibt es nicht. Fast jeder der Kameraden in der Hauptwache muss hin und wieder Hunde einfangen oder auch mal ein Kamerunschaf durch die Cottbuser Innenstadt jagen. Manch einer begegnet dabei auch purer Hinterlist. "Klassiker ist dieses kleine süße Eichhörnchen", meint Brandoberinspektor Kevin Kaiser. Immer wieder müssen welche eingefangen werden. "Es hat so enorme kräftige Kiefer. Die beißen durch das Leder des Feuerwehrhandschuhs komplett durch."

Wirklich wirksamen Schutz gegen Krallen, spitze Zähne und starke Kiefer gibt es nicht. Aber zumindest wissen die Feuerwehrleute jetzt, worauf sie achten müssen und wie sie sich vor Verletzungen schützen können.

Alle Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr in Cottbus durchlaufen in den nächsten Tagen diesen Lehrgang, um auf neue Einsätze vorbereitet zu werden - egal ob verirrte Eichhörnchen Hilfe brauchen oder ausgebüxte Pferde wieder eingefangen werden müssen.

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