Ein von Borkenkäfern geschädigter Baum
Video: Brandenburg aktuell | 30.07.2019 | Rico Herkner | Bild: rbb/Florian Ludwig

Waldbesitzer bei Guben - "Der Borkenkäfer saugt das Leben aus der Fichte"

Leon Mangasarian hat sich den Traum vom eigenen Wald erfüllt. Seit 30 Jahren lebt der Amerikaner in Deutschland, seit 18 Jahren ist er Waldbesitzer bei Guben, mittlerweile 360 Hektar. Das Problem: Der Borkenkäfer zerstört jedes Jahr seine Fichten. Von Florian Ludwig

Vor allem jetzt in trockenen Phasen haben die Fichten Probleme mit dem Borkenkäfer, erzählt Leon Mangasarian. In Bärenklau bei Guben (Spree-Neiße), einem kleinen Dörfchen mit rund 300 Einwohnern, bewirtschaftet der Amerikaner inzwischen 360 Hektar Wald.

Wenn es zu trocken ist, produzieren die Fichten weniger Harz - ideal für die Vermehrung der Borkenkäfer. Sie saugten geradezu das Leben aus der Fichte, klagt Mangasarian, der viele Jahre als Journalist für amerikanische Medien aus Deutschland berichtet hat.

Leon Mangasarian
Leon Mangasarian | Bild: Anja Kabisch/rbb

Der Borkenkäfer kennt keine Grenzen

Mangasarian beklagt, dass Besitzer von benachbarten Wäldern nichts gegen den Borkenkäfer unternähmen. Seien Bäume von diesen Schädlingen befallen, müssten sie sofort gefällt und aus dem Wald geholt werden, um eine Ausbreitung zu verhindern, klärt Mangasarian auf.

Es gebe keine Pflicht, das zu tun. Der Landesforstbetrieb kann nur an die Waldbesitzer appelieren, geschädigte Bäume aus dem Wald zu holen. Mangasarian macht genau das seit vielen Jahren.

Borkenkäfer frisst sich durch
Borkenkäfer frisst sich durch | Bild: rbb/Florian Ludwig

Zwang nur im Katastrophenfall

Arne Barkhausen von der Oberförsterei Cottbus erklärt die Situation: In der Regel versuche man, keine Bekämpfung durchzusetzen, sondern mit gemeinsam mit den Waldbesitzern eine Bekämpfung zu organisieren. Sollte das nicht funktionieren, könne es auch eine Verfügung geben, die aber würde wohl nur im Katastrophenfall angewendet werden.

Von einem solchen Fall spreche man, wenn es beispielsweise ein massenhaftes Baumsterben gebe. Seien nur ein paar Hektar Fichtenwald betroffen, gebe es eine solche Verfügung nicht. Wohl auch deshalb nicht, weil die Fichte in Brandenburg keine Zukunft mehr hat, sie braucht zu viel Wasser, sagt Arne Barkhausen. Die Fichte sei auf einem absteigenden Ast.

umgekippte Bäume durch Borkenkäferbefall
Borkenkäfer lassen Bäume kippen | Bild: rbb/Florian Ludwig

Für Waldbesitzer wie Leon Mangasarian gibt es damit nur noch eine Hoffnung: Der Bund will Opfer von Trockenheit und Schädlingen mit fünf Millionen Euro pro Jahr und Bundesland unterstützen. Das sei ein erster kleiner Schritt.

Um die Schäden zu beheben, die Borkenkäfer in Brandenburg anrichten, werde es deutlich mehr Geld brauchen, resümiert der Amerikaner. In drei Jahren, so seine Prognose, werde er keine einzige Fichte mehr haben.

Kommentar

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Antwort auf [Waldfreund] vom 31.07.2019 um 15:57
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12 Kommentare

  1. 12.

    Der Wald war nicht immer und überall "öffentliches Gut" und wurde vom Staat in private Hände abgegeben.

    In vielen ländlichen Gegenden gehörte schon immer ein Waldanteil zu den jeweiligen Bauernhöfen und wenn die Felder verkauft wurden, wurde der Wald z.T. behalten. Deshalb war er trotzdem der Allgemeinheit zugänglich.

    Allerdings kam da auch keiner auf die Idee, für eigene Fehlleistung von der Allgemeinheit Ersatz zu verlangen...

  2. 11.

    Also wenn man manche Antwort liest, kann einem Angst werden. Verstaatlichung, zurück zur DDR. Zu DDr-Zeiten wurden fast nur Kiefern gepflanzt, Birken mussten aus einer Kiefernkultur entfernt werden. Wildzäune zum Schutz des jungen Laubholzes gab es nicht usw.. Der größte Teil der Waldbesitzer hat nur ein paar Hektar Wald, die Nutzung ihres Waldes wurde diesen Besitzern zu Zeiten der DDR untersagt. Der kleine Waldbesitzer muss Steuern, Abgaben an die Wasser- und Bodenverbände, sowie an die Landwirtschaftliche Unfallkasse entrichten. Darf den Müll den andere in seinem Wald abgelagert haben, auch noch entfernen. Und viele wollen ihm noch reinreden wie er seinen Wald zu bewirtschaften hat. Aber Holz brauchen wir ja nicht, das beziehen wir aus dem Ausland (womöglich noch Tropenholz). Dabei ist Kiefernholz begehrt, gehen Sie doch einmal in den Baumarkt. Was für Holz gibt es dort? Vorwiegend Fichte, eventuell Douglasie und vielleicht Lärche (ist teuer). Natürlich muss Waldumbau sein.

  3. 10.

    Sie verweisen auf die Geschichte. Diese ist im Zusammenhang mit dem aktuellen Baumbestand prägend. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden in allen Besatzungszonen massiv Bäume gefällt, da schlicht großer Holzbedarf bestand. Aufgeforstet wurde dies mit schnell wachsenden Arten, insbesondere Nadelbäumen. Die Folge ist, dass wir heute nicht nur Fichten, sondern generell statt eines gemischten Nadel- und Laubwaldes v.a. Nadelhölzer haben.

    Natürlich ist auch der marktwirtschaftliche Aspekt ein Akteur, der das verschlimmern kann. Wenn man als Staat Waldgebiet in private Hand gibt, sollte man sich aber nicht mehr beschweren. Man hat die Verantwortung bereits abgegeben und kann nur noch, wie im Artikel beschrieben, bei bzw. eigentlich erst nach einer großen Schädigung eingreifen. DDR-Strukturen braucht es zur Umsetzung nicht, jedoch Vergesellschaftung. Wie z.B. Wasser ist auch der Wald öffentliches Gut.

    Den eigenen Holzbedarf deckt Deutschland v.a. über Import - trotz größter Waldflächen.

  4. 9.

    Warum sollte ich wiederholen, was andere schon geschrieben hatten?

    Bitte achten darauf, auf wessen Kommentar ich geantwortet hatte. Überlegen Sie auch, wer in Brandenburg die meisten Bäume damals gepflanzt hatte, weil die den schnellsten Ertrag versprachen.

  5. 7.

    Die Gewinne den Waldbesitzern und die Verluste dem Steuerzahler. Das kann es wohl nicht sein, oder?

  6. 5.

    Genau! Back to the roots. Wir brauchen dringend wieder LPGs und VEBs. Es wurde ja bewiesen, wie zukunftssicher das ist.

  7. 4.

    Nicht umsonst können sich private Waldbesitzer u.a. den Waldumbau (inkl. Saat/Pflanzung, Schutz der Kultur, Kulturpflege, etc.) vom Land fördern lassen. Und dass die Fichte auf vielen Brandenburger Standorten fehl am Platze ist, ist auch kein Geheimnis mehr.

  8. 3.

    Wie wärs wenn wir uns die gute alte Försterregel wieder zu eigen machten: "Willst Du einen Wald vernichten, pflanze Fichten, Fichten, Fichten!"

  9. 2.

    Waldbesitzer (schon das Wort ist eine Frechheit) gehören ebenso enteignet wie Immobilienkonzerne, die das Leben aus ihren Mietern saugen wie der Borkenkäfer aus den Fichten.

  10. 1.

    Nur Fichtenwald. Spricht Bände und gar Brände? Keine Neuanpflanzungen von Laubbäume, aber die Hand aufhalten um Entschädigung zu kassieren.

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