Feuerwehrmänner legen während der Bekämpfung des Brandes in der Lieberoser Heide Schlauchverbindungen im Wald (Bild: dpa/Julian Stähle)
Video: rbb24 | 09.07.2019 | Christiane Boehm | Bild: dpa/Julian Stähle

Noch immer Einsatz auf 100 Hektar - Feuer in der Lieberoser Heide unter Kontrolle

Nach vier Tagen im Einsatz hat die Feuerwehr am Dienstag den Brand in der Lieberoser Heide unter Kontrolle. Trotzdem dauert der Einsatz weiter an. Die freiwilligen Feuerwehrleute zeigen sich erschöpft - und fordern politische Lösungen.

Das Feuer in der Lieberoser Heide (Dahme-Spreewald) in Südbrandenburg ist weiterhin unter Kontrolle. Nach Angaben der Regionalleitstelle Lausitz vom Dienstag hat sich das Feuer auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz am vierten Tag nicht weiter ausgebreitet, eine weitere Brandausbreitung werde derzeit ausgeschlossen. "Die Einsatzlage ist unverändert stabil", so Andreas Ziesemer, stellvertretender Kreisbrandmeister.

Momentan konzentrieren sich laut Ziesemer die Feuerwehrkräfte auf die Bekämpfung von Brandherden in zwei Mooren, um zu verhindern, dass sich Glutnester neu entfachen oder sich Schwelbrände ausweiten.

Am Dienstagabend werden noch immer Feuer auf 100 Hektar Wald bekämpft. 59 Feuerwehrleute, das Technische Hilfswerk das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter-Unfall-Hilfe sowie der Kampfmittelbeseitigungsdienst sind im Einsatz.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit wurde ein Löschhubschrauber der Bundespolizei und ein Erkundungshubschrauber der Landespolizei eingesetzt.

e ein Feuerwehrsprecher nach der aktuellen Lagebesprechung am Montagvormittag. 

Zusatzmittel für Löschwasser geprüft

Derzeit werde geprüft, ob neue Brandbekämpfungsmittel eingesetzt werden, sagte der stellvertretende Brandmeister des Landeskreises, Andreas Ziesemer, dem rbb. So könnten etwa biologisch abbaubare Zusatzmittel ins Löschwasser gemischt werden. Damit habe das Wasser einen kühlenden Effekt, ersticke die Flammen und dringe tiefer in den Boden ein.

Das Feuer war am Samstagmittag ausgebrochen. Die Brandbekämpfung gestaltete sich auch deshalb schwierig, weil es vor allem in der so genannten roten Zone brenne, hieß es vom Amtsdirektor Lieberose, Bernd Boschan. Diese dürfe nicht betreten oder befahren werden, weil sie mit Munition belastet sei. Gelöscht wird deshalb von außen über befahrbare Waldwege. Die Feuerwehr vermutet Brandstiftung als Auslöser. Die Polizei ermittelt noch.

Großschadensereignis in Lieberoser Heide

Das Feuer wurde nach Angaben des Landkreises Dahme-Spree als sogenanntes Großschadens-ereignis eingestuft. Das mache es einfacher, weitere Geräte für die Brandbekämpfung zur Verfügung zu stellen, hieß es vom Landkreis. Die Einsatzleitung liege zwar noch beim Amt Lieberose, der Landkreis sei aber involviert.

Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute kämen in der dritten Woche Dauereinsatz an ihre Grenzen, sagte der stellvertretende Kreisbrandmeister Ziesemer im rbb. "Man darf nicht vergessen, dass die Kamerade auch ein Privatleben haben und auch mal arbeiten gehen müssen." Die Politik müsse sich langsam mal Gedanken darüber machen. "Wir werden immer weniger ehrenamtliche Mitglieder", so Ziesemer im rbb.

Die beiden Waldbrandregionen in Brandenburg

Zweiter Einsatz binnen kurzer Zeit in Lieberoser Heide

Der Niederschlag am Wochenende mit punktuell bis zu zehn Litern pro Quadratmeter habe die akute Waldbrandgefahr etwas gebannt, hieß es beim Deutschen Wetterdienst (DWD). "Die etwas kühleren Temperaturen helfen den Einsatzkräften, aber uns fehlt der Regen", sagte Engel.

Erst vergangenen Freitag hatte die Feuerwehr einen Einsatz in der Lieberoser Heide beendet. Über einen Zeitraum von knapp eineinhalb Wochen hatte dort ein Großbrand die Einsatzkräfte beschäftigt.

Brand an Bahnstrecke bremst Zugverkehr aus

Auch der Brand an einer Bahnstrecke zwischen Finsterwalde und Falkenberg (beide Elbe-Elster) ist nach Angaben der Feuerwehr unter Kontrolle. Dort hatte ebenfalls Munition im Boden die Löscharbeiten erschwert. Mehr als 500 Feuerwehrleute konnten das Feuer auf einer Fläche von 43 Hektar soweit eindämmen, dass es nun abklinge. Am Montagmorgen waren nach Angaben des Waldbrandschutzbeauftragten Engel bei Finsterwalde auf 18,5 Hektar Wald der Bürgerheide Richtung Hennersdorf noch gut 130 Feuerwehrleute mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. 

Die Sperrung der Strecke konnte nach Bahn-Angaben am Sonntagabend wieder aufgehoben werden, weil die Brände entlang der Trasse in allen Bereichen gelöscht worden seien. Betroffen waren die Bahnlienien RE10 und RB43. Auch die sogenannte Großschadenslage konnte nach Angaben des Landkreises Elbe-Elster Sonntagnachmittag aufgehoben werden.

Ursache für den Brand sei wahrscheinlich Funkenflug von einem Zug gewesen. Der könnte von einer defekten Zugbremse verursacht worden sein. Die Flammen hatten teils auf Böschungen, Felder und Wald übergegriffen. 40 Hektar Feld und Brachland und drei Hektar Wald waren betroffen.

2019 bereits mehr als 1.000 Hektar in Flammen

Ohne die aktuellen Brände haben in Brandenburg seit Jahresbeginn bereits mehr als 1.000 Hektar Waldfläche gebrannt. Das entspricht ungefähr der Größe von 1.400 Fußballfeldern. Beim größten Waldbrand der vergangenen Jahrzehnte im Land brannten auf einem früheren Truppenübungsplatz bei Jüterbog im Juni 744 Hektar.

Waldbrände über 40 Hektar in Brandenburg 2019. (Quelle: rbb|24)

Kommentar

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10 Kommentare

  1. 10.

    Einfach nur Danke den Menschen, die uns und unsere Wälder zu jeder Zeit zu retten versuchen und es auch oft schaffen! Danke, es macht mich stolz, dass wir uns auf Euch verlassen können!

  2. 9.

    Was heist eigendlich "unter Kontrolle"?

  3. 8.

    Was nützen Film- oder Schaumbilder, wenn man a) nicht nah genug ran kann und man b) dafür spezielles Gerät und Hydranten braucht, beides nicht vorhanden und zu teuer.. schon Hydranten und Handyfunkmasten scheinen das Budget zu sprengen.

    Brandenburg, es könnte so einfach sein...

  4. 7.

    Zitat: „Auch ein Löschhubschrauber der Bundespolizei unterstütze die Feuerwehren aus der Luft. … … Die Feuerwehren würden derzeit versuchen, ein Übergreifen auf dichter bewachsene Waldgebiete zu verhindern.“

    Das ist ja ein unglaublicher Materialeinsatz bei etwa 100 Hektar die da derzeit betroffen sind!

    siehe „ostsee-zeitung Feuerwehr-Chef Wir brauchen mehr Löschhubschrauber“

    Zitat: „... Leider haben mehrere Landespolizeien in letzter Zeit aus Kostengründen Hubschrauber angeschafft, die keine Außenlasten tragen können. Und die Bundeswehr kann mitunter nicht genug einsatzfähige Hubschrauber und Besatzungen stellen. Insgesamt bräuchten wir deutschlandweit 10 bis 15 zusätzliche Hubschrauber, die auch zum Löschen eingesetzt werden können.“

  5. 5.

    Ich denke, man lässt es dort absichtlich brennen.

  6. 4.

    Die Karte soll der besseren Übersichtlichkeit dienen. Leider ist die Verortung aus technischen Gründen nicht präziser möglich.

  7. 3.

    Mit der Karte stimmt etwas nicht. Nach der Karte brennt es mitten in den Dörfern.

  8. 2.

    Wann werden endlich die freiwilligen Feuerwehren mit neuester Technik ausgerüstet? Nichts gegen die alten Roburs aus Zittau, aber die sind jetzt mittlerweile auch schon 30 Jahre alt oder noch älter! Also nicht mehr auf dem neuesten Stand!

  9. 1.

    Liebe Sprecherin, es heißt "Senftenberg" mit stimmhaftem "S".

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