Ein Maehdrescher erntet das Getreide auf einem Gerstenfeld in Brandenburg. Dallgow-Doeberitz, 03.07.2019 (Quelle: Imago/ Schmitz/ photothek)
Audio: Antenne Brandenburg | 11.07.19 | Jasmin Schomber | Bild: Imago/ Schmitz/ photothek

Interview | Südbrandenburger Bauernverband - "Die Futtersituation ist dramatisch"

Landwirte spüren Wetterextreme oft als erste. Die Trockenheit wirkt sich schon jetzt auf die Getreideproduktion aus. Der Präsident des des Südbrandenburger Bauernverbandes Thomas Goebel spricht im Interview über die finanzielle Situation der Bauern.

rbb: Herr Goebel, wie sieht es aktuell mit der Getreideernte aus?

Andreas Goebel: Die Getreideernte geht jetzt gut voran. Die Gerste ist runter, als nächstes ist der Roggen angedacht. Es sieht zwar alles sehr trocken draußen aus, aber die Körner sind nicht in jedem Fall schon erntereif. Wie brauchen eine Restfeuchte von 15 Prozent. Erst dann ist es lagerfähig und es gibt keine Abzüge vom Händler. Im Durchschnitt der letzten Jahre ernten wir 14 Tage früher als sonst. Die Ernte selbst ist nicht problematisch. Dadurch, dass die Trockenheit so immens zugeschlagen hat sind die Bestände auf den Feldern relativ sauber, das heißt die Ernte kann durch die Mähdrescher zügig vorangehen.

Thomas Goebel am rbb-Mikrofon (Foto: rbb/Screenshot)
Andreas Goebel | Bild: rbb

Gibt es denn genug Heu für die Tiere?

Die Futtersituation ist dramatisch aus. Mit jedem Tag ohne Regen ist mit weniger Futter zu rechnen. Wer den ersten Schnitt im Gras zeitig gemacht hat, konnte auch noch einen guten zweiten Schnitt machen. Aber dort, wo es nicht möglich war, ist die Futtersituation schon sehr prekär. Gerade dort, wo wir unsere Mutterkühe haben oder die Pferde auf den Weiden, da sieht es dramatisch aus. Da wächst nichts mehr, das ähnelt eher einer Wüste oder Savanne. Wir haben wieder eine Futterbörse eingerichtet, das heißt Regionen, die von der Trockenheit nicht so betroffen sind oder ihre Flächen in Niederungen haben sind aufgerufen, hier ihr Futter anzubieten. Wir versuchen uns zwar immer selbst zu helfen, die Problematik ist nur, dass die liquiden Mittel der Landwirte begrenzt sind. Wir kommen aus einem schlechten Jahr 2018. Da gab es schon Liquiditätsschwierigkeiten, schon da haben wir finanzielle Unterstützung vom Land und vom Bund erhalten. Das Geld ist weiterhin knapp. Viele Landwirte werden sicherlich darüber nachdenken, ihre Tierbestände weiter zu verkleinern.

Wie geht es den Obstbauern?

Bei den Obstbauern ist es sehr unterschiedlich, je nach Region. Wer einen Garten hat konnte es selbst feststellen, wir hatten zum Teil Spätfröste, wo Blüten abgefroren sind und dadurch kein Obstansatz da ist und wir haben die Problematik, wo Obst da ist haben die Bäume ihre Früchte abgestoßen, weil ganz einfach das Wasser fehlt.

Wie wirkt sich die Trockenheit auf die Preise für die Verbraucher aus?

Als diejenigen, die die Produkte herstellen, haben wir schon im letzten Jahr gemerkt, dass es keinen gravierenden Ansatz gibt, dass der Preis bei weniger Angebot steigt. Gerade in unserer Region wurde im letzten Jahr sehr wenig Getreide geerntet, in diesem Jahr gibt es so gut wie keinen Raps, aber an den Preisen ändert sich nichts. Die Preise dürften sich also gegenüber dem letzten Jahr auch nicht ändern.

Hoffen Sie wieder auf staatliche Hilfen, wenn die Ernte schlecht läuft?

Wir wollen nicht, dass wegen einer zu geringen Ernte Landwirte ihren Betrieb schließen müssen. Wir versuchen uns mit allen möglichen Mitteln selbst zu helfen, wir passen uns immer wieder der Witterung an, durch Anbaumethoden, durch neue Sorten, durch andere Arten. Aber wenn es extrem wird, haben wir ein Riesenproblem. Deshalb fordern wir immer wieder von der Politik Chancengleichheit in Europa und auf der Welt. Wir brauchen eine Mehrgefahrenversicherung, mit der wir uns nicht nur gegen Hagel, Sturm und Starkregen versichern können, sondern auch gegen Dürre. Erste positive Signale gibt es von Berlin, aber es wird noch darüber diskutiert, es wird noch abgewogen inwieweit es tatsächlich machbar ist. Dass es machbar ist, sehen wir in Europa. Deutschland ist nur einer von zwei Staaten, der seinen Landwirten so etwas nicht anbietet. Wir wollen nur hoffen, dass der Regen jetzt kommt, dass die Kulturen, die den Regen brauchen, wie zum Beispiel der Mais davon partizipieren können. Ansonsten wünschen wir uns eine störungsfreie Ernte ohne Brände. Draußen ist alles knastertrocken. Das ist auch eine Gefahr, dass während der Ernte Brände ausbrechen können. Wollen wir hoffen, dass wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Daniel Friedrich für Antenne Brandenburg. Für rbb24 wurde es redaktionell bearbeitet.

Sendung: Antenne Brandenburg, 11.07.2019, 15:10 Uhr;

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Stelle mir das gerade vor: Lauter offene Gräber entlang der Äcker, hui gruselig. Die würde ich auch lieber zuschütten. Kleiner Schreibfehler, große Wirkung. Kann passieren...

  2. 7.

    Stimmt so nicht ganz, das eine intakte Bodenflora und -fauna auch Wasser speichern hilft. Das größte Problem ist aber die systematische Entwässerung aus der Vorwendezeit.

    Im Grunde wäre es probat einfach mal fast alle Gräber längs der Brandenburger Äcker zuzuschütten. Ja dann steht das Wasser bei Starkregen auf vielen Feldern. Das hat es früher auch und man kann den Anbau darauf ausrichten.

  3. 6.

    Na super, dass Sie nix zu jammern haben. Achso machen Sie ja doch, ohne Ahnung zu haben.

    Tatsächlich wird wahrscheinlich Getreide aus Russland importiert, was die relativ stabilen Preise erklären dürfte. Warum auch nicht. Steht ja nicht auf der Sanktionsliste. SIe verwechseln das wahrscheinlich mit den Agrar-Import-Beschränkungen die Russland selbst für EU-Waren verhängt hat.

  4. 5.

    So lange niemand über nachhaltige Abhilfe nachdenkt, ist doch alles in Ordnung. Vielleicht sollten wirklich erst die Hilfen gestrichen werden, damit ein Umdenken stattfindet. In der heutigen Zeit gibt es zwei Möglichkeiten.
    - Oberflächenentwässerung stoppen, indem die Bachbetten wider höher gelegt werden und zugeschüttete Bäche wieder
    reaktiviert werden.
    - Weiter damit leben, dass die Erträge immer geringer werden und hoffen, dass die Hilfsgelder weiter fliessen.

  5. 4.

    Immer dieses Rumgejammer, früher hatte man auch keine staatliche Hilfe.
    "spüren Wetterextreme" So ein Quatsch, was sollen die in Russland oder USA sagen, dort ist das Wetter extrem!
    Habe gehört Russland ist trotz allem der weltweit landwirtschaftlich größte Getreide-Produzent, kaufen wir dort was ein!
    Ach STOPP: Wir sind ja Exportweltmeister.

  6. 3.

    Die Böden hier haben auch vor der Erfindung der Pestizide nur sehr wenig Wasser gespeichert. So einfach ist die Natur nicht gestrickt.

  7. 2.

    Volle Zustimmung: Es kann nicht sein, dass Bauern, die jahrelang wussten, was sie auf lange Zeit dem Boden antun, auch noch Geld zugesteckt wird, ohne, dass sie dabei umdenken. Nachhaltigkeit muss belohnt werden, ein "weiter so" nicht.

  8. 1.

    Saatliche Hilfen nur für Bauern die Nachhaltig arbeiten. Wenn man den Boden mit massenhaft Insektiziden und Pestiziden bearbeitet und sich dann wundert, dass der Boden kein Wasser mehr speichern kann, den sollte man nicht Unterstützen.

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